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Uni-Siegen
14. März 2017

Der Fall Elisabeth Langgässer Mythos Mystik und Rassediskurs

Die heute fast vergessene Schriftstellerin Elisabeth Langgässer (1899-1950) gehörte der katholischen Erneuerungsbewegung an, war aber, wie ihr Briefwechsel zeigt, auch von den Ideologien des Nationalsozialismus beeinflusst. Als sog.

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Die heute fast vergessene Schriftstellerin Elisabeth Langgässer (1899-1950) gehörte der katholischen Erneuerungsbewegung an, war aber, wie ihr Briefwechsel zeigt, auch von den Ideologien des Nationalsozialismus beeinflusst. Als sog. 'Halbjüdin' unterlag sie ab 1936 einem Publikationsverbot, wirkte jedoch insgeheim literarisch weiter. Dass sie die Deportation ihrer ältesten Tochter Cordelia, die Auschwitz überlebte, nicht zu verhindern vermochte, darf als ein Trauma gewertet werden, das von beiden Frauen in einem scheiternden Dialog verschiedenartig 'um(ge)schrieben' wurde. Wenn Langgässers Werk sich diskurshistorisch am Kreuzungspunkt von Mythos, Mystik und Rassediskurs situiert, bleibt es dabei einem heilsgeschichtlichen Horizont verpflichtet. Neben ihrer Korrespondenz soll vor allem Elisabeth Langgässers ästhetisierende Transposition der schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung auf den antiken Demeter/Proserpina-Mythos im Romanwerk untersucht werden, zumal der Vergleich mit der autobiographischen bzw. autofiktionalen Aufarbeitung der problematischen psychischen Verstrickung aus töchterlicher Sicht naheliegt. Dabei erscheint der radikale Einbruch des Faschismus in die familiäre Intimsphäre ebenso fatal wie dessen familiaristische Verdrängung in der Nachkriegszeit, die sich im 'Fall Langgässer' vornehmlich eines magischen Realismus bedient. Mit dem Recycling mythopoetischer Muster aus der Heimatliteratur der Zwanziger Jahre werden archaische Matriarchats-Fantasmen aufgerufen, die egalitaristischen Utopien der 'Neuen Frau' (z.B. Berufstätigkeit, Intellektualität), die die Autorin selber zu verwirklichen versuchte, strikt entgegen gesetzt sind, während sie mit dem rückwärts gerichteten 'Weiblichkeitswahn' (Betty Friedan) der Restaurations-Ära vereinbar erscheinen. Für die Seminarteilnahme wird die Lektüre der beiden Romane E. Langgässers ebenso vorausgesetzt wie die Bereitschaft zur Übernahme eines Referats. Primärliteratur : Langgässer, Elisabeth: Proserpina [*1929; ungekürzte Ausgabe von 1949]. Ffm. u.a.: Ullstein 1982 Dies.: Märkische Argonautenfahrt. Roman [1950]. Ullstein 1981 Dies.: Briefe 1924-1950 [ungekürzte Ausgabe]. 2 Bde. Düsseldorf: Claassen Vlg. 1990 (Auszüge) Edvardson, Cordelia: Gebranntes Kind sucht das Feuer [schwed. Orig. 1984]. München: dtv 1989 Dies.: Die Welt zusammenfügen [1988]. München/Wien: Carl Hanser 1989 Sekundärliteratur : Marbacher Magazin 85 (1999): Elisabeth Langgässer. Bearbeitet von Ute Doster Anton, Herbert: Der Raub der Proserpina. Literarische Traditionen eines erotischen Sinnbildes und mythischen Symbols. Heidelberg: C. Winter Universitätsverlag 1967 Stephan, Inge: Musen und Medusen. Mythos und Geschlecht in der Literatur des 20. Jahrhunderts. Köln/ Wien: Böhlau 1997, S. 139-155 Bossinade, Johanna: -Zwischen Heldentum und Hadeswelt. Eine Suche nach dem Doppelleben der Antigone-Figur anhand einer Erzählung von Elisabeth Langgässer-. In: Gudrun Kohn-Waechter (Hg.), Schrift der Flammen. Opfermythen und Weiblichkeitsentwürfe im 20. Jahrhundert. Berlin: Orlanda Frauenverlag 1991, S. 173-193 Fliedl, Konstanze: Zeitroman und Heilsgeschichte. 'Märkische Argonautenfahrt'. new academic press 1986 Dörr, Volker: Mythomimesis. Mythische Geschichtsbilder in der westdeutschen (Erzähl-)Literatur im 20. Jahrhundert. Stuttgart: Metzler 1989 Wagner-Egelhaaf, Martina: Mystik der Moderne. Die visionäre Ästhetik der deutschen Literatur im 20. Jahrhundert. Stuttgart: Metzler 1989 Vondung, Klaus: Magie und Manipulation. Ideologischer Kult und politische Religion im Nationalsozialismus [überarb. Neuauflage]. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2004 Thalmann, Rita: Frauen im Dritten Reich [frz. 1982]. Ullstein Taschenbuch 1997 Bramberger, Andrea: Das Lächeln der Mutter auf den Lippen der Tochter. Mutter-Tochter-Beziehungen. Freiburg i. Br. 2008, S. 12-27, 58f. Germanistik - Neuere deutsche und Allgemeine Literaturwissenschaft I Beachten Sie, dass Sie diesen Kurs nach den Prüfungsordnungen ab 2011 nicht besuchen dürfen, wenn Sie die für dieses Modulelement laut Fachspezifischen Bestimmungen und Modulhandbuch notwendigen Voraussetzungen noch nicht erfüllen. Universität Siegen SoSe 2014 apl. Prof. Dr. Runte Annette