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14. März 2017Der Konziliarismus im späten Mittelalter
Das Große Abendländische Schisma von 1378 war zunächst ein Papst- und kein Kirchenschisma. Doch je länger sich die Päpste in Rom und Avignon das Gewissen und die Einkünfte Europas teilten (Arnold Esch), desto mehr nahm die Autorität des Heiligen Stuhls...
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Jetzt Lernplan erstellenDas Große Abendländische Schisma von 1378 war zunächst ein Papst- und kein Kirchenschisma. Doch je länger sich die Päpste in Rom und Avignon das Gewissen und die Einkünfte Europas teilten (Arnold Esch), desto mehr nahm die Autorität des Heiligen Stuhls ab und desto unhaltbarer wurden die Zustände. Als sich nicht zuletzt aus finanziellen Gründen auch die europäischen Herrscher für die Frage interessierten, wie das Schisma überwunden werden könne, beschritt man zu Beginn des 15. Jahrhunderts einen neuen Weg und übertrug die Aufgabe, die Kirche »an Haupt und Gliedern« zu reformieren, an allgemeine Konzilien, also an Versammlungen kirchlicher Amtsträger, die die Gesamtkirche repräsentieren sollten. Dabei knüpfte man an den Konziliarismus an, also an die Auffassung, daß das Generalkonzil der abendländischen Kirche höher als der Papst stehe. Die Sprengkraft des Konziliarismus darf nicht unterschätzt werden, billigte er doch dem Konzil in Glaubens- und Disziplinarfragen die höhere Stellung zu als dem Papst und widersprach insofern der Auffassung, daß der Papst die höchste Autorität der Kirche sei. Nach einem einleitenden Rückblick auf die Entstehung und den Verlauf des Großen Abendländischen Schismas sollen in dem Seminar anhand ausgewählter Quellen, die von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern vorzubereiten und in den Sitzung gemeinsam zu interpretieren sind, vor allem das von den Kardinälen, nicht dem Papst einberufene Konzil von Pisa (1409) sowie das die mittelalterlichen Größenmaßstäbe sprengende Konstanzer Konzil (1414–1418) und dessen bedeutende Dekrete untersucht werden. Ein Ausblick gilt dem weiteren Schicksal der Konzilsidee in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Darüber hinaus sollen die Auswirkungen der Konzilien auf die europäische Kultur der beginnenden Neuzeit zur Sprache kommen. – Von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern werden die regelmäßige Mitarbeit und die Vorbereitung von Sitzung zu Sitzung einschließlich kleinerer Hausaufgaben und Referate erwartet. Die Studienleistung wird aufgrund einer zusätzlichen schriftlichen Hausaufgabe (Quelleninterpretation) bescheinigt. Für die Bescheinigung der Prüfungsleistung ist die Anfertigung einer schriftlichen Hausarbeit bzw. die schriftliche Ausarbeitung eines Referates erforderlich.
Horst Fuhrmann: Das Ökumenische Konzil und seine historischen Grundlagen, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 12 (1961), S. 672–695. – Reform von Kirche und Reich zur Zeit der Konzilien von Konstanz (1414–1418) und Basel (1431–1449), hrsg. von Ivan Hlavacek und Alexander Patschovsky, Konstanz 1996. – Hartmut Boockmann und Heinrich Dormeier: Konzilien, Kirchen- und Reichsreform 1410–1495 (Gebhardt. Handbuch der deutschen Geschichte, 10. Auflage, Bd. 8), Stuttgart 2005. – Dieter Girgensohn: Von der konziliaren Theorie des späteren Mittelalters zur Praxis. Pisa 1409, in: Die Konzilien von Pisa (1409), Konstanz (1414–1418) und Basel (1431–1449). Institution und Personen, hrsg. von Heribert Müller und Johannes Helmrath (Vorträge und Forschungen 67), Ostfildern 2007, S. 61–94. – Volker Seresse: Kirche und Christentum. Grundwissen für Historiker, Paderborn 2011, bes. S. 160–164. – Heribert Müller: Die kirchliche Krise des Spätmittelalters (Enzyklopädie deutscher Geschichte 90), München 2012 (Auswahlbibliographie).
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