Uni-Siegen
14. März 2017Der Leithammel und die Zähmung der Medien 8211 Eine kulturhistorische und medienwissenschaftliche Auseinandersetzung mit Domestikationspraktiken
Genuin wird unter Domestikation ein Transformationsprozess von Wildtieren und -pflanzen verstanden, bei dem der Mensch über Generationen hinweg das Wilde dieser natürlichen Akteure genetisch isoliert. Es ist kontrollierten und insbesondere heimisch-lokalen (lat. domus: Haus(halt)) Züchtungspraktiken zu verdanken, dass die ‚gezähmten‘...
Erstelle deinen persönlichen Lernplan
Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.
Jetzt Lernplan erstellenGenuin wird unter Domestikation ein Transformationsprozess von Wildtieren und -pflanzen verstanden, bei dem der Mensch über Generationen hinweg das Wilde dieser natürlichen Akteure genetisch isoliert. Es ist kontrollierten und insbesondere heimisch-lokalen (lat. domus: Haus(halt)) Züchtungspraktiken zu verdanken, dass die ‚gezähmten‘ pflanzlichen und tierischen Nachkommen dem Menschen mehr Nutzen bringen als ihre wilden Vorgänger.
Ob Tiere und Pflanzen als Haustier, für Nahrung oder Kleidung, aber auch als Drogen und für spirituelle Zwecke verwendet werden – aus kulturhistorischer Perspektive findet ein Rearrangement des Natürlichen wie auch des Sozialen statt. Es wäre zu kurz gegriffen, allein von der Transformation des Natürlichen auszugehen, da Tiere/Pflanzen wie Menschen im gleichen Maße an der Konstitution einer Sozialität beteiligt sind, die vielmehr die Dynamik einer Ko-domestikation vermuten lässt. Wahrscheinlich ist es gerade dieser kulturhistorischen Umformulierung in Rechnung zu stellen, dass das Konzept der Domestikation einen Aufschwung in den Medienwissenschaften erfahren hat. Neben den Science and Technology Studies sind es gerade die internationalen Media Studies, die sich von technik- und soziodeterministischen Modellen der Techniknutzung abwenden oder diese weiterentwickeln. Dazu wird der Werdegang von Medientechnologien wie TV, Telefon oder Computer von wilden, fremden und nicht kalkulierbaren Artefakten zu harmlosen und in spezifischen Nutzungsumgebungen eingebundenen Medien des alltäglichen und familiären Lebens nachgezeichnet. Dank solcher praxisorientierter historischer und ethnologischer Studien lässt sich darlegen, dass die Adaption von Medien letztendlich die Technologie selbst, den Nutzer, seine familiären Beziehungen wie die gesamte häusliche Umgebung verändert.
Ziel des Seminars ist es, gleichermaßen naturorientierte und medienfokussierte Studien zu analysieren und zu vergleichen, um einerseits die Angemessenheit von Domestikationsüberlegungen zu prüfen und anderseits diese mit technik- und soziodeterministischen Theorien der Techniknutzung zu kontrastieren. Im zweiten Schritt soll der Horizont der Mediennutzung durch die Untersuchung des Entstehungskontextes von Domestikationspraktiken erweitert werden. Dazu wird der Frage nachgegangen, welchen Status Medientechniken bei der Züchtung pflanzlicher und tierischer Wildformen besaßen.
Medienwissenschaftliches Seminar
Universität Siegen
SoSe 2015
Dipl.-Medienw.
Taha Nadine Dipl Medienw