Uni-Siegen
14. März 2017Der Mensch als fühlendes Wesen
Ohne Frage gehört zu unserem Selbstverständnis, dass wir uns als emotionale, als fühlende Wesen begreifen. Ein Leben ohne Gefühle können wir uns wohl gar nicht vorstellen. Und das gilt selbst dann, wenn wir von sogenannten Negativaffekten wie etwa Furcht, Angst,...
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Jetzt Lernplan erstellenOhne Frage gehört zu unserem Selbstverständnis, dass wir uns als emotionale, als fühlende Wesen begreifen. Ein Leben ohne Gefühle können wir uns wohl gar nicht vorstellen. Und das gilt selbst dann, wenn wir von sogenannten Negativaffekten wie etwa Furcht, Angst, Enttäuschung, Neid, Verzweiflung und Hass bedrängt werden, die wir als unangenehm und als Last erleben, die das Leben beschweren. Um so erstaunlicher und befremdlicher ist es, dass in den Humanwissenschaften die Gefühle lange Zeit stark vernachlässigt wurden sowie dass in der Philosophie das Fühlen fast durchgehend im Schatten von Denken und Vernunft stand.
In Anbetracht dieser Sachverhalte gilt es, den Menschen als fühlendes Wesen einmal etwas eingehender in Augenschein zu nehmen. Zu diesem Zweck werden wir uns zunächst mit Martin Heideggers These beschäftigen, unser Dasein sei immer schon -gestimmt- und die Stimmung mache offenbar, -wie einem ist und wird-. Diesen Aspekt hat Otto Friedrich Bollnow weiter ausdifferenziert, indem er dem Wesen der Stimmungen eingehend nachspürt. Von ihm erfahren wir, wie sich Stimmungen gegen Gefühle abgrenzen, welche anthropologische Bedeutung den Stimmungen zukommt und wie es sich mit Stimmung, Laune und Verstimmung verhält.
Der Philosoph und Anthropologe Helmuth Plessner informiert uns über den Begriff der -Leidenschaft-, und der Kieler Philosoph Hermann Schmitz klärt uns darüber auf, dass und wie Gefühle ergreifende, ja geradezu räumlich ergossene Atmosphären sind.
Mit dem Bremer Philosophen und Hirnforscher Gerhard Roth gehen wir dann der Frage nach: Was sind Emotionen und wie viele gibt es davon? Außerdem wird er Zusammenhang zwischen Emotionen und Bewusstsein, zwischen Emotionen und Gedächtnis, ferner das Zusammenspiel von Verstand und Gefühlen sowie schließlich die Rolle der Gefühle bei der Verhaltenssteuerung beleuchtet. Abschließend werden wir mit Marco Iacoboni, der einer der Pioniere der Spiegelneuronenforschung ist, der Frage nachgehen, woher unsere erstaunliche Fähigkeit rührt, uns in andere hineinzuversetzen, mit ihnen mitzufühlen, ihre Absichten und Handlungen intuitiv zu verstehen.
Als Arbeitsgrundlage wird ein Reader mit den entsprechenden Texten zusammengestellt.
Philosophisches Seminar
Universität Siegen
20112 WiSe 2011/12
Hon.-Prof. Dr.
Decher Friedhelm Hon