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14. März 2017Der Spanische Bürgerkrieg
Vor nunmehr 80 Jahren nahm der Spanische Bürgerkrieg (1936-1939), der als eine der großen Tragödien des 20. Jahrhunderts zu betrachten ist, seinen Anfang. Aber noch heute, und sicher noch für viele Jahre, wird in Spanien an der Bewältigung dieses prägenden...
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Jetzt Lernplan erstellenVor nunmehr 80 Jahren nahm der Spanische Bürgerkrieg (1936-1939), der als eine der großen Tragödien des 20. Jahrhunderts zu betrachten ist, seinen Anfang. Aber noch heute, und sicher noch für viele Jahre, wird in Spanien an der Bewältigung dieses prägenden Ereignisses gearbeitet. Der Krieg brachte die Sieger, Francisco Franco und seine Anhänger, an die Macht und leitete eine Diktatur ein, die zwar friedlich beendet werden konnte, aber vom Krieg und seinen Gräueln nur profitiert hatte. Verstehen und Verarbeiten wurde zu einer Aufgabe für die Nachgeborenen, da die Zahl der Zeitzeugen des Bürgerkriegs immer weiter sinkt. Während die demokratische Transition ohne eine öffentliche Aufarbeitung von politischer Repression und Gewalt von statten ging, ist seit der Jahrtausendwende ein wahrhafter Erinnerungsboom zu beobachten. Dabei muss sich die spanische Öffentlichkeit die Frage stellen, wie ein kollektives Erinnern aussehen kann. Während die gesellschaftspolitische Debatte erst zu Beginn dieses Jahrtausends einsetzte, haben spanische Schriftsteller, Künstler und Filmregisseure den Bürgerkrieg bereits in der Vergangenheit vielfach literarisch aufgearbeitet und dadurch gesellschaftliche Diskurse antizipiert.
Im Seminar werden zunächst die wichtigsten Aspekte des Kriegs, d.h. die tiefen politischen Gegensätze der spanischen Gesellschaft vor dem militärischen Aufstand, der Kriegsverlauf, der ideologische Unterbau und die Spanien bis in die Gegenwart hinein prägenden Folgen des Kriegs herausgearbeitet. Anschließend wird die Erinnerungsgeschichte von Krieg und Repression in den vergangenen 80 Jahren, die von deren propagandistischer Verzerrung während des Franquismus über jenen sprichwörtlichen Pakt des Schweigens der Transition seit 1975 bis zur Vergangenheitsarbeit in jüngster Zeit reicht, erläutert. Anhand von literarischen, filmischen und bildkünstlerischen Darstellungen von Ramón José Sender, Mercè Rodoreda, José Sanchis Sinisterra, Manuel Rivas, Javier Cercas, Francesc Betriu, Carlos Saura, José Luis Cuerda, David Trueba, Pablo Picasso u.a. wird auf der Grundlage von erinnerungstheoretischen, narratologischen und intermedialen Ansätzen untersucht, wie der Krieg verarbeitet und wie sich an ihn erinnert wird. Dabei ist von besonderem Interesse auf welche Weise nachgeborene Autoren der Herausforderung begegnen, eine Vergangenheit darzustellen, die ihnen nur noch in vermittelter Form zugänglich ist.
Zur Vorbereitung auf das Seminar empfehle ich folgende Literatur:
Bernecker, Walter L.: Der Spanische Bürgerkrieg, Frankfurt a.M.; Vervuert 1983.
Collado Seidel, Carlos: Der Spanische Bürgerkrieg, München: Beck 2010.
Romanisches Seminar
Es werden gute Spanischkenntnisse vorausgesetzt.
Eine Studienleistung kann durch ein Referat erworben werden und eine Prüfungsleistung durch eine zusätzliche schriftliche Hausarbeit.
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