Uni-Siegen
14. März 2017Der spanische Orientalismus im 19 Jahrhundert
Bauchtanz, Basare mit bunten Stoffen, Gewürzen und Goldschmuck, Wüstenlandschaften mit Beduinen, die auf ihren Kamelen durch die unendliche Weite reisen – die Bilder, die der Orient in uns hervorruft, entführen uns in eine Welt aus den Märchen aus 1001 Nacht…...
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Jetzt Lernplan erstellenBauchtanz, Basare mit bunten Stoffen, Gewürzen und Goldschmuck, Wüstenlandschaften mit Beduinen, die auf ihren Kamelen durch die unendliche Weite reisen – die Bilder, die der Orient in uns hervorruft, entführen uns in eine Welt aus den Märchen aus 1001 Nacht…
Der Orient beflügelt seit jeher die Fantasie des Westens. Auch im 19. Jahrhundert ist das Interesse am Nahen Osten und der arabischen Welt groß, nicht nur in der Wissenschaft. Literatur, Malerei, Architektur – überall bedient man sich orientalischer Motive. Doch die literarischen und künstlerischen Darstellungen präsentieren oftmals Stereotype, die von Fanatismus, Barbarei und Unmoral geprägt sind. Dabei definiert man mit der Konstruktion des Anderen zugleich sein Selbst: auf der einen Seite der irrationale und primitive Orient, auf der anderen der rationale und fortschrittliche Westen. Die Beschreibung des Selbst- und Fremdbilds erscheint aus spanischer Perspektive besonders interessant. Im 19. Jahrhundert wird Spanien, der westliche Nachbar Afrikas, in Europa selbst als der Andere wahrgenommen. Sowohl durch innere Konflikte als auch durch den Verlust der Kolonien in Amerika verliert es seine Stellung innerhalb Europas und gilt als rückständig. Eine starke Verbindung zum afrikanischen Kontinent wird ihm zudem nicht nur wegen der geographischen Nähe, sondern auch aufgrund seiner maurischen Vergangenheit zugeschrieben. In ausländischen Reiseberichten und Literatur verwandelt sich das ultra-katholische Spanien nicht selten in einen mystischen muslimischen Ort. Damit wird der spanische Orientalismus zu einem Paradox: Spanien wird als orientalisch beschrieben, orientalisiert jedoch gleichzeitig auch selbst, vor allen Dingen den marokkanischen Nachbarn…
Dem spanischen Orientbild werden wir uns anhand ausgewählter Auszüge aus Reiseberichten, Chroniken und Romanen des 19. Jahrhunderts nähern. Dabei werden wir uns mit den literarischen Strömungen dieser Zeit, dem Realismus sowie der Romantik beschäftigen. Den methodischen Rahmen bilden der von Said geprägte Orientalismus und die postkolonialen Theorien. Bitte beachten Sie, dass die im Seminar besprochene Primärliteratur nicht in deutscher Übersetzung vorliegt!
Romanistik - Französische und spanische Literaturwissenschaft
Bereitschaft zur Lektüre spanischer Texte im Original. (Es liegen keine Übersetzungen vor!)
Universität Siegen
SoSe 2012
Pieters Katharina