Uni-Siegen
14. März 2017Der Tag an dem der Indio Kolumbus entdeckte Indigene Chroniken aus Peru
Warum und für wen ist die ‚Neue Welt’ eigentlich ‚neu’? Für die Einwohner Südamerikas, die schon Jahrtausende vor der Conquista dort lebten, wohl kaum. Dennoch hat sich diese Bezeichnung etabliert und -Der Tag, an dem Kolumbus Amerika entdeckte- ist uns...
Erstelle deinen persönlichen Lernplan
Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.
Jetzt Lernplan erstellenWarum und für wen ist die ‚Neue Welt’ eigentlich ‚neu’? Für die Einwohner Südamerikas, die schon Jahrtausende vor der Conquista dort lebten, wohl kaum. Dennoch hat sich diese Bezeichnung etabliert und -Der Tag, an dem Kolumbus Amerika entdeckte- ist uns ebenso ein Begriff wie der vermeintliche -schnelle Untergang- der lateinamerikanischen Hochkulturen (Azteken, Mayas, Inkas). Dass die Entdeckung und das Leben in der Kolonialgesellschaft zweiseitige Prozesse waren, ist uns oft weit weniger bewusst. Zahlreiche spanische Schriftzeugnisse (Chroniken, Briefe, Berichte), die eine weite Verbreitung erfuhren, schildern die Entdeckung und Eroberung Amerikas ganz aus Sicht der Sieger. Die Perspektive der -Entdeckten- ist viel seltener eingenommen worden.
Wie erlebten die -Entdeckten- ihre -Entdeckung- – und was -entdeckten- sie ihrerseits? Welche neuen Elemente hielten in ihr Leben Einzug, und wie schafften sie es, ihre Kultur und ihr Wissen in der Kolonialgesellschaft zu bewahren? Im Seminar werden wir Antworten auf diese Fragen finden, indem wir die wenigen Chroniken aus dem frühen 17. Jahrhundert untersuchen, die nicht von Spaniern geschrieben wurden. Wir konzentrieren uns dabei auf Peru:
• die Comentarios Reales de los Incas (1609) von dem Mestizen Inka Garcilaso de la Vega, der ab seinem 20. Lebensjahr in Spanien lebte,
• die Nueva Corónica y Buen Gobierno (ca. 1615) von dem indigenen Verfasser Guaman Poma de Ayala, der seinen Text mit fast 400 selbst gezeichneten Bildern begleitete,
• die Ritos y Tradiciones de Huarochirí (ca. 1608), dem einzigen (heute bekannten) Schriftstück, das von unbekannten Verfassern ganz auf Quechua, der Sprache der Inkas, geschrieben wurde (wir werden mit der spanischen Übersetzung arbeiten).
Einleitend geht es zunächst darum, wie -Geschichtsschreibung- jetzt und in früheren Jahrhunderten funktioniert(e). Darauf aufbauend analysieren wir die Chroniken in zwei Schritten: Zum einen geht es um die Inkageschichte. Wir filtern heraus, welchen Einfluss die Einführung der Schrift und des Christentums auf die Inkas und ihre Chronisten nahmen. (Werden die Inkas nachträglich ‚christianisiert’? Leugnet man Götzendienst und Menschenopfer? Wird das ‚Fehlen’ der Schrift thematisiert? etc.). Zum anderen untersuchen wir, wie das erste Zusammentreffen zwischen Pizarro und Atahualpa in Cajamarca und das Zusammenleben der Kulturen in der Kolonialzeit in diesen Chroniken dargestellt werden. Abschließend schlagen wir den Bogen ins 20. und 21. Jahrhundert und gehen der Frage nachgehen, wie sich indigene und mestizische Diskurs über die Jahrhunderte hinweg entwickelt haben und welche kulturpolitischen Vorgänge derzeit die Situation der indigenen Bevölkerung in Peru bestimmen.
Primärliteratur:
• Inka Garcilaso de la Vega. [1609] 1983. Comentarios Reales de los Incas.
• Guamán Poma de Ayala. [um 1600] 2006. Nueva Corónica y Buen Gobierno. Hrsg. von Königliche Bibliothek zu Kopenhagen. URL: http://www.kb.dk/permalink/2006/poma/info/es/frontpage.htm
• Anónimo. [um 1600] 1999. Ritos y Tradiciones de Huarochirí. Hrsg. von Gerald Taylor. Lima: IFEA.
Sekundärliteratur:
• Fritz, Sabine (2009). Hybride andine Stimmen. Die narrative Inszenierung kultureller Erinnerung in kolonialzeitlichen Chroniken der Eroberten. Hildesheim/Zürich/New York: Olms.
Leistungsnachweis
2/3 KP: kontinuierliche Anwesenheit, aktive Mitarbeit in einem -Expertenteam-, gemeinsame Präsentation
5/6/7 KP: zusätzlich Hausarbeit (8-15 S.)
Romanistik - Französische und spanische Literaturwissenschaft
Die Werke existieren auch in deutscher Übersetzung. Um die Konsequenzen der Kolonialzeit auch auf sprachlicher Ebene analysieren zu können, müssen Sie aber dennoch dringend über ausreichende Spanischkenntnisse verfügen.
2/3 KP: kontinuierliche Anwesenheit, aktive Mitarbeit in einem -Expertenteam-, gemeinsame Präsentation
5/6/7 KP: zusätzlich Hausarbeit (8-15 S.)
Universität Siegen
SoSe 2013
Dr.
Mandler Sabine