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Uni-Siegen
14. März 2017

Die Apokalypse des Johannes Paulus Thema

Kaum ein neutestamentliches Buch hat die Phantasie zahlloser Generationen von Lesern so angeregt wie das Buch der Offenbarung. Für endzeitlich gestimmte Sekten, aber auch für Künstler, Literaten und Komponisten bis hin zu Filmemachern aus Hollywood war und ist diese einzige...

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Kaum ein neutestamentliches Buch hat die Phantasie zahlloser Generationen von Lesern so angeregt wie das Buch der Offenbarung. Für endzeitlich gestimmte Sekten, aber auch für Künstler, Literaten und Komponisten bis hin zu Filmemachern aus Hollywood war und ist diese einzige in den neutestamentlichen Kanon gelangte Apokalypse eine Fundgrube von Anregungen. Dies ist sie vor allem aufgrund ihrer mythologische Bildersprache, die ungeheure kreative Prozesse auslösen kann, vor allem aber durch die zum Einsatz kommenden Techniken der Verschleierung und der Codierung (Zahlensymbolik, Tiersymbolik, Himmelsreisen). Traditionell las man dieses Werk als Enthüllung und zugleich Verschlüsselung von zukünftigen Ereignissen, das die Leser zu allen Zeiten vor die Aufgabe stellte, die hieraus entnommenen Informationen mit realen geschichtlichen oder kosmischen Ereignissen zur Deckung zu bringen, um herauszufinden, -was danach geschehen soll- (1,19). Demgegenüber erscheint der historisch-kritische Zugang zu dem Buch auf den ersten Blick eher ernüchternd. Hier wird es nämlich in erster Linie auf dem Hintergrund seiner Entstehungszeit und seiner Adressaten gelesen, das nicht zukünftige Ereignisse offenbart, sondern uns vielmehr Auskunft darüber gibt, wie ein frühchristlicher Autor die gegenwärtige Situation seiner Adressaten im Kleinasien des 1. Jhs. einschätzt und welche Strategien er zur Bewältigung der drängenden Probleme entwirft. Die Apokalypse des Johannes wird im Kontext historischer wie sozialgeschichtlicher Fragestellungen also als Teil der (nach wie vor umstrittenen) Gattung der apokalyptischen Literatur gelesen, wie sie im alttestamentlichen Buch Daniel sowie in einer Reihe jüdischer apokalyptischer Werke vorliegt: Es ist Minderheiten- bzw. Randgruppenliteratur, wo negative Geschichtserfahrung verarbeitet und gedeutet wird. Neuere Diskussionen kreisen um die asketische Tendenzen in dem Werk, die innerchristliche Gegnerpolemik, die Gewaltproblematik sowie die Verortung im Prozess der Trennung von Synagoge und Kirche. In dem Seminar werden wir zentrale Kapitel des Buches im Anschluss an die genannten Fragestellungen durcharbeiten. Dabei ist genügend Raum für eigene Akzentsetzungen oder Interessen. Katholische Theologie - Biblische Theologie Für Gym-Studierende ist der Nachweis der erfolgreichen Teilnahme am Griechischkurs bei Dr. Burghard Schröder Voraussetzung für den erwerb einer Studienleistung -am griechischen Urtext- im Modul 5.2. Für alle anderen Studierenden besteht keine Teilnahmevoraussetzung. Universität Siegen 20141 SoSe 2014 Univ.-Prof. Dr. Weidemann Hans Ulrich