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14. März 2017Die deutsche Königserhebung im Mittelalter
Das Deutsche Reich des Mittelalters ist im Gegensatz zu den meisten anderen europäischen Staaten seiner Zeit keine reine Erbmonarchie gewesen. Statt dessen wurden seine Könige, die den Anspruch auf den Kaisertitel erhoben, mit dem lange Zeit ihre hegemoniale Machtstellung in...
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Jetzt Lernplan erstellenDas Deutsche Reich des Mittelalters ist im Gegensatz zu den meisten anderen europäischen Staaten seiner Zeit keine reine Erbmonarchie gewesen. Statt dessen wurden seine Könige, die den Anspruch auf den Kaisertitel erhoben, mit dem lange Zeit ihre hegemoniale Machtstellung in Europa verknüpft war, in einem komplizierten Verfahren erhoben, in dem einerseits das Wahl- und andererseits das Erb- bzw. Geblütsrecht miteinander verflochten waren. Im einzelnen zeigt das Verfahren die sich wandelnden Rechtsvorstellungen, wurde aber auch von der jeweiligen politischen Situation bestimmt. Hatte sich im hohen Mittelalter eine Dynastie erst einmal auf dem Herrscherthron etabliert, verflüchtigte sich das Wahlrecht der Fürsten. Doch schon damals bildete sich aus der Gruppe der Königswähler ein Kreis von schließlich sieben Kurfürsten heraus, die den deutschen König wählten. Schriftlich fixiert und damit weitgehend abschlossen wurde diese Entwicklung in der berühmten »Goldenen Bulle« Kaiser Karls IV. aus dem Jahre 1356, in der zugleich – verbindlich für die Zeit bis zum Ende des Alten Reiches – die Frankfurter Bartholomäuskirche als Wahllokal und der Ablauf der Stimmabgabe festgeschrieben wurden. – In dem Seminar sollen anhand ausgewählter erzählender Quellen die aufschlußreichsten Königserhebungen des hohen und späten Mittelalters auf ihren historischen Zusammenhang, den konkreten Ablauf und die beteiligten Wähler überprüft werden. Besonderes Augenmerk gilt dabei auch dem Einfluß des Papsttums auf die deutsche Königswahl. Hinzu kommen normative Quellen, um die historische Entwicklung bis hin zur »Goldenen Bulle« zu verfolgen. In einem Ausblick werden die historischen Umstände erörtert, die zur Schaffung der achten und neunten Kurwürde in den Jahren 1648 und 1692 geführt haben. Zugleich verdeutlicht die Erhebung der deutschen Könige, daß »Wahlen« im Laufe der Geschichte ganz unterschiedlich gestaltet wurden und wie bedeutend die uns heute geläufige Form einer freien, gleichen und geheimen Wahl ist.
Heinrich Mitteis: Die deutsche Königswahl. Ihre Rechtsgrundlagen bis zur Goldenen Bulle, Baden bei Wien 1938, 2. Aufl. Brünn u.a. 1944, Nachdrucke Darmstadt 1965 und 1969. – Ulrich Reuling: Die Kur in Deutschland und Frankreich. Untersuchungen zur Entwicklung des rechtförmlichen Wahlaktes bei der Königserhebung im 11. und 12. Jahrhundert (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 64), Göttingen 1979. – Jörg Rogge: Die deutschen Könige im Mittelalter. Wahl und Krönung, Darmstadt 2006. – Hans K. Schulze: Grundstrukturen der Verfassung im Mittelalter, Bd. 4: Das Königtum, Stuttgart 2011, bes. Kap. 3 S. 72–115 (»Thronfolge und Königswahl«).
Geschichte - Mittlere und Neuere Geschichte
Von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern werden die regelmäßige Mitarbeit und die Vorbereitung von Sitzung zu Sitzung einschließlich kleinerer Hausaufgaben und Referate erwartet. Die Studienleistung wird aufgrund einer zusätzlichen schriftlichen Hausaufgabe (Quelleninterpretation) und ggf. aufgrund einer Lernkontrolle bescheinigt. Für die Bescheinigung der Prüfungsleistung ist die Anfertigung einer schriftlichen Hausarbeit erforderlich.
Universität Siegen
WiSe 2013/14
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