Uni-Siegen
14. März 2017Die Gehörnten und die Schürzenjäger Männer im Ehebruchsroman Flauberts Madame Bovary und Claríns La Regenta
Die bürgerliche Ehe ist eine Erfindung des 19. Jahrhunderts und bis heute das normative Standardmodell gemeinschaftlichen Lebens. Der Siegeszug dieses Modells führt ab ca. 1850 zu einem Boom an literarischen Texten, die sich teils kritisch, teils subversiv mit der Institution...
Erstelle deinen persönlichen Lernplan
Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.
Jetzt Lernplan erstellenDie bürgerliche Ehe ist eine Erfindung des 19. Jahrhunderts und bis heute das normative Standardmodell gemeinschaftlichen Lebens. Der Siegeszug dieses Modells führt ab ca. 1850 zu einem Boom an literarischen Texten, die sich teils kritisch, teils subversiv mit der Institution Ehe auseinandersetzen: Der Ehebruchsroman avanciert zu einem der erfolgreichsten Genres überhaupt. Die Hauptfiguren im klassischen Ehebruchsroman des 19. Jahrhunderts sind bekanntlich die untreuen Ehefrauen. Ob Emma Bovary, Effi Briest, Anna Karenina oder die etwas weniger bekannte Ana Ozores aus Claríns La regenta – der Fokus der Erzählung liegt jeweils auf der unmoralischen Ehebrecherin. Da Männern gemeinhin ein Seitensprung gestattet war und gesellschaftlich ohne große Folgen blieb, verwundert es kaum, dass der weibliche Ehebruch weitaus mehr dramatisches Konfliktpotenzial bietet als sein männliches Gegenstück.
Im Seminar, das sich den romanischen Literaturen widmet, werden zwei dieser Geschichten um Liebe, Leidenschaft, Unmoral und gesellschaftlichen Niedergang gelesen und besprochen: Flauberts Madame Bovary (1855) und Claríns La regenta (1880). Entsprechend dem Titel sollen jedoch weniger die tragischen Protagonistinnen im Zentrum des Interesses stehen, sondern die männlichen Figuren, die häufig weitaus weniger Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen vermögen. Dabei sieht das klassische Liebesdreieck im Ehebruchsroman neben der Frau üblicherweise den betrogenen Ehemann sowie den bzw. – im Fall von Madame Bovary – die Liebhaber vor. Neben den daraus resultierenden genderspezifischen Implikationen stehen gesellschaftskritische, sozialgeschichtliche sowie intertextuelle Fragestellungen im Vordergrund des Seminars. Möglich sind zudem vergleichende Seitenblicke auf die anderen Klassiker des Ehebruchsromans von Tolstoi und Fontane.
Romanistik - Romanische und allgemeine Literaturwissenschaft
Universität Siegen
SoSe 2013
Jun.-Prof. Dr.
Schuhen Gregor Jun