Uni-Hannover
14. März 2017Die Großstadt in der Literatur
Städtebilder, Stadtsymphonien, Steingedicht – die große Stadt übt eine erhebliche Faszination auf die literarische Darstellung aus. Zwar lautet ein Horazsches Diktum, dass man in der Großstadt eigentlich nicht schreiben könne, aber über sie ging immer: Bereits die Ur-Städte Babylon oder...
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Jetzt Lernplan erstellenStädtebilder, Stadtsymphonien, Steingedicht – die große Stadt übt eine erhebliche Faszination auf die literarische Darstellung aus. Zwar lautet ein Horazsches Diktum, dass man in der Großstadt eigentlich nicht schreiben könne, aber über sie ging immer: Bereits die Ur-Städte Babylon oder das himmlische Jerusalem wurden vielfach besungen. Mit dem Beginn der europäischen Neuzeit und der Frühindustrialisierung geht eine Verstädterung einher, die den Bürger als Stadtbewohner zur Folge hat. Er tritt in Reflexion mit seinem Lebensraum, erfährt ihn als vielgestaltig, dynamisch, dissoziativ. Die Großstadt ist inspirierend und beängstigend, steht für weltläufige Kulturalität und Sittenverfall, Anonymität und Masse, Geräusch und Gemeinschaft. Im 18. Jahrhundert bereisen die Aufklärer die europäischen Zentren London und Paris, während es Goethe und die Romantiker nach dem Sehnsuchtsort Rom zieht. Berlin hinkt in der Entwicklung hinterher, nimmt dann aber im 19. Jahrhundert an Fahrt auf. E. T. A. Hoffmann (Das öde Haus) und Wilhelm Raabe (Die Chronik der Sperlingsgasse) zeichnen unheimliche wie biedermeierliche Züge der wachsenden Stadt, Fontane ist der Großstadtdichter des boomenden Berlins zur Zeit der Gründerjahre. Um 1900 wird Wien Schauplatz der literarischen Moderne und der Erzählungen Arthur Schnitzlers, während Thomas Mann in -Gladius Dei- München zum Leuchten bringt. In der expressionistischen Lyrik steht dann wiederum das -steinerne Meer- Berlin im Fokus, so auch in dem modernen Großstadtroman schlechthin, Alfred Döblins -Berlin Alexanderplatz-. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wandert Gesine Cresspahl aus Uwe Johnsons -Jahrestagen- durch New York und Rainer Werner Fassbinder provoziert in Frankfurt mit dem Stück -Der Müll, die Stadt und der Tod- einen echten Theaterskandal.
Für die Prüfungsleistung ist die Anfertigung einer wissenschaftlichen Hausarbeit vorgesehen.
Ein Reader wird bereitgestellt.
Zur Einführung:
Angelika Corbineau-Hoffmann: Kleine Literaturgeschichte der Großstadt. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2003.
Zweitfach Deutsch, MA Lehramt Sonderpädagogik
Teilnehmerzahl: 30.
Universität Hannover
SoSe 2015
Deutsches Seminar
Dr.
Antoine Annette