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Uni-Siegen
14. März 2017

Die Herstellung von Differenz in der Sozialen Arbeit ethnografische Forschung

Ethnografische Feldforschung ist eine Forschungsmethode, welche vor allem auf teilnehmenden Beobachtungen in einem sozialen Feld beruht. Ursprünglich wurde die Methode entwickelt, um -fremde Völker- zu erforschen. Sie kann jedoch auch angewendet werden, um eigene -Welten- zu betrachten, als seien sie...

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Ethnografische Feldforschung ist eine Forschungsmethode, welche vor allem auf teilnehmenden Beobachtungen in einem sozialen Feld beruht. Ursprünglich wurde die Methode entwickelt, um -fremde Völker- zu erforschen. Sie kann jedoch auch angewendet werden, um eigene -Welten- zu betrachten, als seien sie fremd. Dabei wird nicht in erster Linie das Besondere beobachtet und analysiert, sondern der -ganz normale- Alltag, die Kultur z.B. einer sozialen Einrichtung. Durch die genaue Beobachtung und Analyse werden Phänomene bewusst, welche als alltägliche normalerweise nicht reflektiert werden und als solche in Interviews kaum geäußert würden. Dadurch eignet sich ethnografische Feldforschung sehr gut für Praxisforschung in sozialen Einrichtungen. Im Seminar werden zunächst die verschiedenen Forschungstechniken vermittelt und geübt: der Zugang zum Feld, das Erstellen und Auswerten von Beobachtungsnotizen und das Schreiben einer Ethnografie. Zum anderen beschäftigen wir uns mit methodologischen Fragen, v.a. mit der Frage, wem die Autorität gebührt, darzustellen, was -Wirklichkeit ist-: sind es die AdressatInnen, die PraktikerInnen oder die ForscherInnen - oder muss -Wirklichkeit- nicht vielmehr als Konstruktion im Kontext von Machtverhältnissen verstanden und reflektiert werden? Textlektüre und Gruppendiskussionen sind dabei wichtige Lehrmethoden. Im ersten Semester des Moduls werden die Grundlagen für die Forschungsprojekte gelegt, im zweiten Semester werden die Daten erhoben und gemeinsam im Seminar ausgewertet und im dritten Semester werden die Ergebnisse vorgestellt und diskutiert und in Forschungsberichten nieder geschrieben. Die Forschungsprojekte sollten sich auf den Alltag sozialer Einrichtungen beziehen, sinnvollerweise (aber nicht notwendigerweise) in Einrichtungen, in denen Sie selber tätig sind. Gruppenarbeiten sind möglich. Ein Forschungsschwerpunkt sollte auf der Herstellung bestimmter sozialer Gruppen liegen. Das kann z.B. die Differenz der Rollen von SozialpädagogInnen, AdressatInnen und/oder Nicht-AdressatInnen sein, die Konstruktion von AdressatInnen durch bestimmte Settings, der Umgang mit bestimmen AdressatInnengruppen z.B. -Migranten-, Mädchen/Jungen, oder auch -besonders schwierige KlientInnen-. Abweichende Fragestellungen sind möglich, wenn es in einer Einrichtung ein hohes Interesse an einer ethnografischen Praxisforschung gibt. Bildung und Soziale Arbeit, Master, PO 2006 Universität Siegen WiSe 2010/11 Sozialpädagogik und Sozialarbeit Univ.-Prof. Dr. Munsch Chantal