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Uni-Siegen
14. März 2017

Werkstatt Ethnografische Perspektiven auf Störungen

Ethnographische Sozial- und Medienforschung ist mit dem Phänomen der Störung in doppelter Weise konfrontiert: Zum einen sind Forscherinnen und Forscher, um überhaupt teilnehmend zu beobachten, gezwungen, sich einen Zugang zum empirischen Feld (der beforschten Kultur, Organisation etc.) zu eröffnen. Auch...

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Ethnographische Sozial- und Medienforschung ist mit dem Phänomen der Störung in doppelter Weise konfrontiert: Zum einen sind Forscherinnen und Forscher, um überhaupt teilnehmend zu beobachten, gezwungen, sich einen Zugang zum empirischen Feld (der beforschten Kultur, Organisation etc.) zu eröffnen. Auch wenn sie dort nicht nur geduldet, sondern sogar erwünscht sein mögen, so werden die Feldforscherinnen oder Feldforscher – allein durch ihre Präsenz – von den Beforschten als Störungsquelle wahrgenommen. Um die Anzahl der Fehltritte möglichst gering zu halten, wird den Feldforscherinnern und Feldforschern abverlangt, die Spielregeln des Feldes sehr schnell zu lernen. Was sich zunächst als ein Problem darstellt, das Feldforscherinnen und Feldforscher mitunter unter Druck setzt und ihre ganze Aufmerksamkeit fordert, erweist sich in den klassischen ethnografischen Forschungen als eine Ressource. Von Harold Garfinkels Krisenexperimenten über Erving Goffmans Analysen von missglückten Selbstdarstellungen bis hin zu Marie Jahodas Studie zu den Arbeitslosen von Marienthal lässt sich durchgängig zeigen, wie Störungen von der Sozialforschung zur Erkenntnisgewinnung genutzt wurden. Die Lehrveranstaltung fertigt selbst kleine ethnographische Skizzen zu -Störungen- an. Sie verfolgt damit das Ziel, das Potential dieser Methode einzuschätzen. Inwiefern lassen sich soziale Regeln, Handlungsschemata, verschwiegene Wissensbestände, die in der Normalität, im Normalbetrieb, in den Routinen kaum wahrnehmbar sind, über die Beschreibung von Störungen offen legen? Soziologie, insbesondere Workplace Studies Universität Siegen 20152 WiSe 2015/16 Dr. Braun Thürmann Holger