Uni-Siegen
14. März 2017Die höfische Jagd Verhandlungen eines feudaladeligen Vergnügens in der Literatur des hohen und späten Mittelalters
Die harsche Kritik geistlicher Autoren legt spätestens seit dem 12. Jahrhundert Zeugnis davon ab, wie sehr der weltliche Feudaladel des Mittelalters die Jagd zu repräsentativen Zwecken für sich zu nutzen wusste. Während bereits im 6. Jahrhundert, Bischöfen, Priestern und Diakonen...
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Jetzt Lernplan erstellenDie harsche Kritik geistlicher Autoren legt spätestens seit dem 12. Jahrhundert Zeugnis davon ab, wie sehr der weltliche Feudaladel des Mittelalters die Jagd zu repräsentativen Zwecken für sich zu nutzen wusste. Während bereits im 6. Jahrhundert, Bischöfen, Priestern und Diakonen ausdrücklich untersagt wird, Jagdhunde und Falken zu halten, belegen besonders die vielen Konzilsbeschlüsse und Gesetzgebungen der nachfolgenden Jahrhunderte, wie wenig es auch der -Mentalität des adeligen Klerus [...] entsprach, auf das Vergnügen der Jagd um des geistlichen Amtes willen zu verzichten-(Rösner). Uns so droht schließlich das Decretum Gratiani im 12. Jahrhundert die Exkommunikation jenen Geistlichen, die ihre Jagdleidenschaft nicht aufzugeben bereit sind. Die lange Geschichte von restriktiven Konzilsbeschlüssen und Dekreten sowie auch die zahlreichen, literarischen Texte geistlicher Provenienz, die das Jagdvergnügen des weltlichen Adels im Hinweis auf eine christliche Ethik anprangern, geben einen Eindruck von der immensen Bedeutung, die der Jagd für die Profilierung besonders des weltlichen Adels im Mittelalter zukam. In der Vorlesung soll zum einen der geistliche, kritische Diskurs zu Jagd und Jagdleidenschaft aufgearbeitet werden. Vor dem Hintergrund dieses Kontextes sollen dann zum anderen einschlägige Gattungen der volkssprachlichen Literatur des hohen und späten Mittelalters im Hinblick auf die ihnen eigenen Verhandlungen der Jagd, der Jagdleidenschaft, des Jagdzeremoniells, der Jagdterminologie etc. exemplarisch analysiert werden. Dabei wird der Zusammenhang von Liebes- und Jagddiskurs im Minnesang ebenso zur Sprache kommen, wie die narrative Inszenierung des Siegfriedmordes bei der Jagd im Nibelungenlied, die Bedeutung von Jagdzeremoniell und -terminologie als Zeichen einer Ästhetisierung der Sitten im Tristan Gottfrieds von Straßburg sowie komische Adaptationen der Thematik in Kurzerzählungen und Jagdunfälle im Prosaroman der frühen Neuzeit.
Ein Reader mit ausgewählten Texten wird zum Beginn des Semesters fertiggestellt.
Germanistik - Mediävistik
Universität Siegen
SoSe 2011
Univ.-Prof. Dr.
Schausten Monika