Uni-Hannover
14. März 2017Die Komödie Theorie und Lachen
Wer sich durch den Kanon der deutschen Literatur liest, braucht ein dickes Fell. Mit List und Tücke werden gute Menschen gemeuchelt. Hier bringt sich jemand um, der die Liebe seines Lebens verliert, dort erdolcht ein Vater seine Tochter, die um...
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Jetzt Lernplan erstellenWer sich durch den Kanon der deutschen Literatur liest, braucht ein dickes Fell. Mit List und Tücke werden gute Menschen gemeuchelt. Hier bringt sich jemand um, der die Liebe seines Lebens verliert, dort erdolcht ein Vater seine Tochter, die um ihre moralische Unbeflecktheit fürchtet. Um Kleinigkeiten geht es nie, wenn das Individuum im Konflikt mit der Gesellschaft steht. Da muss schon viel geseufzt, geschrien, geweint und gestorben werden. Die Literaturgeschichte ist aber keinesfalls nur ein Kompendium der Albträume. Die Komödie ist seit der Antike eine Gattung des Lachens – und zwar im doppelten Sinne. Lachen soll das Publikum, darauf zielt die Komödie ab. Verlacht wird sie dabei bis ins 18. Jahrhundert als unmoralische und (im Vergleich zur Tragödie) minderwertige Gattung.
Das Seminar will der Geschichte der Komödie nachgehen. Angefangen mit einer Spurensuche bei Aristoteles, dessen Buch über die Komödie verloren ging, konzentriert sich die Lektüre dabei auf die Zeit vor 1850. Die Lektüren von theoretischen Texten (Gottsched, Lessing, Gellert, F. Schlegel) und Komödien (wieder Lessing und Gellert, daneben Lenz, Tieck und Nestroy) sollen sich die Waage halten. Am Ende des Seminars wird auch ein kurzer Blick auf die Aktualität der Gattung geworfen: Welche Erkenntnisse bringen neue theoretische Reflexionen des Komischen? Unterscheidet sich eine Bühnenkomödie des 18. von einer Sitcom des 21. Jahrhunderts?
Die Bereitschaft zur wöchentlichen Lektüre ganzer Komödientexte und teilweise zusätzlicher Texte wird vorausgesetzt – dafür darf man beim Lesen auch ab und an lachen. SL: Essay zu seminarrelevantem Thema über einen Text/Film etc., der nicht im Seminar behandelt wurde (2–3 Seiten, keine Gruppenarbeit). PL: Hausarbeit zu einem seminarrelevanten Thema Ihrer Wahl, übliche Regularien.
Darstellendes Spiel, Bachelor (fachübergr.)
Teilnehmerzahl: 30.
Universität Hannover
SoSe 2016
Deutsch, Master LA Gymnasium
Gelker Nils