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Uni-Düsseldorf
14. März 2017

Seminar Rechtfertigung von Normen

Wer sich mit der Aufforderung konfrontiert sieht, für sein Handeln Gründe anzugeben, kann sich dieser Forderung durch Abbruch der Auseinandersetzung oder den Verweis auf Eingebungen entziehen. Er kann dieser Forderung aber auch entsprechen, indem er sich auf allgemeine Normen, Prinzipien...

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Wer sich mit der Aufforderung konfrontiert sieht, für sein Handeln Gründe anzugeben, kann sich dieser Forderung durch Abbruch der Auseinandersetzung oder den Verweis auf Eingebungen entziehen. Er kann dieser Forderung aber auch entsprechen, indem er sich auf allgemeine Normen, Prinzipien oder Grundsätze bezieht. So kann jemand das Wässern des nachbarlichen Gartens mit dem Verweis auf ein gegebenes Versprechen als korrekt ausweisen oder ein anderer seine Handlung, den Hund anzuleinen mit dem Verweis auf ein Schild, das die Devise Hunde anleinen ausgibt. In vielen lebensweltlichen Kontroversen reichen solche Verweise auf allgemeine Normen aus, in anderen Fällen gehen sie jedoch weiter die angeführten Normen und Prinzipien werden selbst zum Gegenstand der Rechtfertigung. Ein Angebot der Philosophie zur Rechtfertigung von Normen, das zwischen fundamentalistischen und kohärentistischen Ansätzen liegt, findet sich in Rawls' Theorie der Gerechtigkeit, geht aber auf Nelson Goodmans Vorschlag zur Rechtfertigung von Regeln der Induktion und Deduktion zurück: Regeln und Prinzipien werden dadurch gerechtfertigt, dass sie nach wechselseitiger Anpassung übereinstimmen. Diesen Zustand nenne ich Überlegungs-Gleichgewicht. Es ist ein Gleichgewicht, weil schließlich [nach wechselseitiger Anpassung, S. H.] unsere Grundsätze und unsere Urteile übereinstimmen; und es ist ein Gleichgewicht der Überlegung, weil wir wissen, welchen Grundsätzen unsere Urteile entsprechen und aus welchen Voraussetzungen diese abgeleitet sind. (John Rawls, Eine Theorie der Gerechtigkeit, Frankfurt 1975, 39) Die eingehende Prüfung der Idee des Überlegungsgleichgewichts soll nicht nur das Konzept selbst erhellen, sondern auch das zugrundeliegende Problem der Rechtfertigung von Normen. In der Auseinandersetzung mit alternative Arten der Normrechtfertigung sind Reichweite und Grenzen der Konzeption zu erörtern. Literatur zur Einführung: Daniels, Norman: -Reflective Equilibrium-, The Stanford Encyclopedia of Philosophy (Winter 2013 Edition), Edward N. Zalta (ed.),URL = Goodman, Nelson: Tatsache, Fiktion, Voraussage, Frankfurt a.M 1988. (Original: Fact, Fiction, and Forecast, Cambridge (Mass.) 19834 Hahn, Susanne: Reflective Equilibrium Method or Metaphor of Justification?, in: Winfried Löffler/Paul Weingartner (eds.), Knowledge and Belief, Proceedings of the 26th International Wittgenstein Symposium Kirchberg am Wechsel, Wien 2004, 237-243. Rawls, John: Eine Theorie der Gerechtigkeit, Frankfurt a.M. 1975 (Original: A Theory of Justice, Oxford 1971. Philosophie (Master, PO 2013) Universität Düsseldorf WiSe 2016/17 apl. Prof. Dr. Hahn Susanne