Uni-Siegen
14. März 2017Differenzkategorien und dynamische Positionierungen in Kontexten Sozialer Arbeit
Theoretische Ansätze und Forschungsergebnisse zu Differenz und Zugehörigkeiten beschreiben, dass diese nicht als Ausdruck einer feststehenden und eindeutigen Identität einer Person verstanden werden können. -Türkisch-sein- kann z.B. für das Subjekt nahezu bedeutungslos sein, bis jemand in einer bestimmten Situation das...
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Jetzt Lernplan erstellenTheoretische Ansätze und Forschungsergebnisse zu Differenz und Zugehörigkeiten beschreiben, dass diese nicht als Ausdruck einer feststehenden und eindeutigen Identität einer Person verstanden werden können. -Türkisch-sein- kann z.B. für das Subjekt nahezu bedeutungslos sein, bis jemand in einer bestimmten Situation das Thema der nationalen Zugehörigkeit anspricht. Erst mit dieser Thematisierung wird -türkisch-sein- dann bedeutsam, und zwar in Bezug auf den jeweils spezifischen Kontext und das jeweilige Gegenüber unterschiedlich.
Um solche Differenzsetzungen in Kontexten Sozialer Arbeit reflektieren und uneindeutige Zugehörigkeiten von AdressatInnen sichtbar machen zu können, ist der Ansatz der Positionierungen prädestiniert. Der Fokus auf Positionierungen kann in diesem Sinne zu einem differenzierten Blick auf die AdressatInnen Sozialer Arbeit beitragen.
Positionierungen verdeutlichen zudem, wie Menschen innerhalb von gültigen Ordnungen und Hierarchien platziert werden. Mit dem Ansatz kann daher beleuchtet werden, inwiefern Soziale Arbeit in Prozesse der (Re)Produktion von Differenz- und Dominanzordnungen involviert ist. Positionierungshandlungen im Rahmen Sozialer Arbeit können sich dabei sowohl auf die AdressatenInnen (z.B. bei zielgruppenspezifischen Angeboten) als auch auf die Fachkräfte selbst beziehen. So beinhaltet z.B. die Annahme, pädagogische Fachkräfte -mit Migrationshintergrund- seien für die Arbeit mit MigrantenInnen besonders geeignet, eine Positionierung. Eine bestimmte Differenz (der Migrationshintergrund) wird herausgegriffen und betont, andere dagegen vernachlässigt.
Im Seminar wird zunächst der Ansatz der Positionierungen vorgestellt und in seinen wesentlichen theoretischen Grundlagen erarbeitet (v.a. Stuart Hall’s Begriff der Subjektpositionen). In einem zweiten Schritt wird anhand praxisrelevanter Beispiele verdeutlicht, wie der Ansatz als Reflexions- und Analyseperspektive für die Soziale Arbeit genutzt werden kann. Hierzu werden Interviewausschnitte, Einrichtungskonzepte, Methoden interkulturellen Lernens sowie AdressantInnenansprachen in Flyern und Homepage-Texten unter folgenden Fragen betrachtet: Wie werden Personen hier positioniert und welche Differenzkategorien erscheinen relevant? Wodurch werden Personen positioniert (durch welche Akteure, Strukturen, Diskurse)? Wie verhalten sich die positionierten Personen gegenüber erfahrenen Positionierungen? Auf welchen sozialen Positionen werden Personen wie platziert? Welche Bedeutung haben Positionierungen im Hinblick auf Hierarchien und gültige soziale Ordnungen?
Im Seminar findet eine vertiefte Auseinandersetzung mit theoretischen Perspektiven auf Differenz statt. Ziel ist es, die Dynamik, Fluidität und Unterschiedlichkeit von Positionierungen nachzuvollziehen, die Uneindeutigkeit und Verwobenheit von Differenz und Zugehörigkeiten zu erfassen, den Zusammenhang zwischen Differenzierungen und sozialen Positionen bzw. gesellschaftlichem Status von Personen zu verstehen sowie die Bedeutung dessen für die pädagogische Praxis zu reflektieren.
Bitte lesen Sie zur Vorbereitung folgenden Text:
Broden, Anne & Mecheril Paul (2007). Migrationsgesellschaftliche Re-Präsentationen. Eine Einführung. In Anne Broden & Paul Mecheril (Hrsg.), Re-Präsentationen. Dynamiken der Migrationsgesellschaft (S.7-28). Düsseldorf: IDA-NRW.
Der Text ist im Internet abrufbar unter: http://www.ida-nrw.de/cms/upload/PDF/Re-Praesentationen.pdf
Bildung und Soziale Arbeit, Master, PO 2011
Voraussetzung für den Erwerb von 3 KP unbenotet ist die aktive Mitarbeit und Beteiligung an Diskussionen im Seminar (und in Vorbereitung die Lektüre von Texten) sowie das Führen eines Lerntagebuchs zu zentralen Lerninhalten und -ergebnissen.
Voraussetzung für weitere 3 KP benotet ist die Erstellung einer wissenschaftlichen Hausarbeit mit thematischem Bezug zum Seminarthema.
Universität Siegen
SoSe 2014
Sozialpädagogik und Sozialarbeit
Dipl.-Päd.
Varga Vesna Dipl Päd