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Uni-Hannover
14. März 2017

Ein Staat 8211 viele Völker Plurinationalismus staatliche Transformation und indigene Rechte in Lateinamerika

-Plurinationale- Staatsmodelle haben im zurückliegenden Jahrzehnt in verschiedenen lateinamerikanischen Staaten als Antwort auf strukturelle gesellschaftliche Krisen an Bedeutung gewonnen. Dies betrifft besonders Staaten wie Bolivien und Ecuador, die sich im Rahmen ihrer neuen Verfassungen als -plurinationale- Staaten bestimmt haben. Neben...

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-Plurinationale- Staatsmodelle haben im zurückliegenden Jahrzehnt in verschiedenen lateinamerikanischen Staaten als Antwort auf strukturelle gesellschaftliche Krisen an Bedeutung gewonnen. Dies betrifft besonders Staaten wie Bolivien und Ecuador, die sich im Rahmen ihrer neuen Verfassungen als -plurinationale- Staaten bestimmt haben. Neben ihrer Kritik am neoliberal geprägten marktwirtschaftlichen Modell fällt besonders das akzentuierte Abrücken dieser Verfassungen vom monokulturellen Nationalstaat ins Auge: Dieses staatliche Modell wird als wichtige Grundlage für die Kontinuität kolonialer Herrschaftsverhältnisse von der Kolonialzeit bis in die Gegenwart angesehen, was im Besonderen die Rechte der indigenen Bevölkerungsgruppen betrifft. Diese werden nun als -Völker- und -Nationen- bestimmt, denen im Rahmen der staatlichen Einheit politische Selbstbestimmungs- und Autonomierechte zustehen. Ethnische und kulturelle Differenzen sollen aber auch in gesamtstaatliche Institutionen eingebettet werden. Darüber hinaus wird das Prinzip des -guten Lebens-, bzw. vivir bien/ buen vivir, als dessen Quellen die indigenen -Völker- und -Nationen- angesehen werden, als normatives Paradigma der sozialen und wirtschaftlichen Ordnung bestimmt. Die Veranstaltung wird am Beispiel des -plurinationalen- Staates Bolivien verschiedene Aspekte der gegenwärtigen, auf -Plurinationalismus- bezogenen staatlichen Transformationen in Lateinamerika analysieren und debattieren. Wichtige Fragen aus kulturanthropologischer Perspektive betreffen in diesem Zusammenhang u.a. die Bedeutung von Ethnizität, das Verhältnis von Individual- und Kollektivrechten, Reformen zur Anerkennung indigener gewohnheitsrechtlicher Praktiken, indigene Autonomierechte sowie die, auf indigene Entwicklungsvorstellungen bezogene Debatte des -guten Lebens-. Institut für Soziologie Universität Hannover SoSe 2016 Dozent