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Uni-Hannover
14. März 2017

Einführung in die Kulturanthropologie

Die unter dem Sammelbegriff -Globalisierung- gefassten Prozesse scheinen in den letzten Jahrzehnten durch zwei widersprüchliche Entwicklungen charakterisiert zu sein: Einerseits gibt es Tendenzen zur weltweiten Angleichung. (So können wir heute US-amerikanisches Fast-Food nicht nur in der Innenstadt von Hannover sondern...

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Die unter dem Sammelbegriff -Globalisierung- gefassten Prozesse scheinen in den letzten Jahrzehnten durch zwei widersprüchliche Entwicklungen charakterisiert zu sein: Einerseits gibt es Tendenzen zur weltweiten Angleichung. (So können wir heute US-amerikanisches Fast-Food nicht nur in der Innenstadt von Hannover sondern auch in Mexiko-Stadt oder Peking zu uns nehmen.) Andererseits erscheint die eigene Lebenswelt zunehmend durch kulturelle Vielfalt gekennzeichnet. (So ist z.B. die Präsenz zahlreicher Migrantengruppen mit partiell spezifischen Normen, Werten und Formen des Zusammenlebens unübersehbar.) Angesichts der zunehmenden Verflechtung der Welt stellen sich zudem grundlegende Fragen für die S ozialwissenschaften: Lassen sich Gesellschaft und Kultur überhaupt noch im Rahmen von Nationen oder Staaten begreifen (Container-Modell)? Inwieweit können Konzepte aus Europa/USA auf andere Teile der Welt übertragen werden? Muss Europa nicht als eine Weltregion unter vielen betrachtet werden und nicht als vermeintlicher Modellfall, der dem Rest der Welt den Weg in die Zukunft weist (-Provinzialisierung Europas-)? Die Kulturanthropologie kann durch ihren Kultur vergleichenden Ansatz einen Beitrag zur Beantwortung dieser Fragen und zum Verständnis der angesprochenen Tendenzen von Homogenisierung und Heterogenisierung leisten. Die Kulturanthropologie sucht, sowohl die soziale und kulturelle Entwicklung der menschlichen Gesellschaft als solcher als auch die Übereinstimmungen und Unterschiede zwischen einzelnen Kulturen und Gesellschaften der Vergangenheit und Gegenwart zu verstehen. Sie geht dabei u.a. der Frage nach, welche Formen politischer Organisation neben der staatlichen existieren und untersucht unterschiedliche Formen sozialer Organisation (Kleinfamilie, Verwandtschaftsverband, Klientel-Netzwerke u.v.a.m.), kulturelle Symbolsysteme, wirtschaftliche Praktiken und das Verhältnis der Einzelnen zur Gruppe. Die Veranstaltung bietet einen Einblick in die wichtigsten Gegenstandsbereiche der Kulturanthropologie und ihre wesentlichen methodischen Annahmen. Fischer, Hans und Beer, Bettina (Hrsg.) (2003): Ethnologie: Einführung und Überblick . Berlin: Reimer. Harris, Marvin (1989): Kulturanthropologie. Ein Lehrbuch . Frankfurt, a.M.: Campus. Hauser-Schäublin, Brigitta und Braukämper, Ulrich (Hrsg.) (2002): Ethnologie der Globalisierung: Perspektiven kultureller Verflechtungen . Berlin: Reimer. Kreff, Fernand; Knoll, Eva-Maria und Gingrich, Andre (Hrsg.) (2011): Lexikon der Globalisierung . Bielefeld: Transcript Verlag. Vivelo, Frank Robert (1988): Handbuch der Kulturanthropologie . München: dtv/Klett Cotta. Institut für Soziologie Universität Hannover SoSe 2015 Prof. Dr. Gabbert Wolfgang