Uni-Kassel
14. März 2017Seminar Theorien des sozialen Wandels Das Normale und das Anormale
Die Unterscheidung normal/anormal ist zuallererst eine unserer Alltagssprache. Dass dies so ist und dass es überhaupt Sinn macht, etwas als -normal- zu begreifen, hat historische Ursachen und ist eng verbunden mit der Entstehung der Soziologie. Als im 19. Jahrhundert die...
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Jetzt Lernplan erstellenDie Unterscheidung normal/anormal ist zuallererst eine unserer Alltagssprache. Dass dies so ist und dass es überhaupt Sinn macht, etwas als -normal- zu begreifen, hat historische Ursachen und ist eng verbunden mit der Entstehung der Soziologie. Als im 19. Jahrhundert die Gesellschaft als eigenlogischer Wirklichkeitsbereich entdeckt wurde, fiel dies zusammen mit der Etablierung der aus der früheren »Polizeywissenschaft« entwachsenen Statistik als der wesentlichen auf die Bevölkerung zielenden Wissensform. Eine in der Breite der Gesellschaft relevante Unterscheidung zwischen Normalem und Anormalem bzw. Gesundem und Pathologischem ist erst seit dieser Zeit auffindbar, sie beginnt mit dem Aufstieg der Moderne als -Normalisierungsgesellschaft- (Foucault) im ausgehenden 18. Jahrhundert.
Das Seminar widmet sich vor diesem Hintergrund insbesondere drei Aspekten: a) historischen Überlegungen zur Rolle von Norm und Normalität in der modernen Gesellschaft (Michel Foucault, Jürgen Link) , aktuellen Diskussionen um den Wandel der Grenzen des Normalen und c) grundsätzlichen Überlegungen zur Konstruktion von Normalität - nicht nur, aber auch in Alltagssituationen. Gelesen werden sowohl klassische Texte, die überhaupt erst zu einer Hinwendung auf Phänomene des Anormalen geführt haben (Georges Canguilhem, Michel Foucault, Erving Goffman) als auch neuere Texte, die sich mit der aktuellen gesellschaftlichen Bedeutung und der Transformation der Unterscheidung normal/anormal beschäftigen (Jürgen Link u.a.). Vorkenntnisse sind wünschenswert, aber nicht zwingend erforderlich. Als Einstiegs- und Vertiefungslektüre sei empfohlen: Jürgen Link: Versuch über den Normalismus, mittlerweile in der 4. Auflage, früher Westdt. Verlag, jetzt Vandenhoeck & Ruprecht.
Jürgen Link: Versuch über den Normalismus, 4. Auflage, Vandenhoeck & Ruprecht
FB 05 Gesellschaftswissenschaften
Uni Kassel
SoSe 2015
Soziologie
Dr.
Gertenbach Lars