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14. März 2017Einführung in die linguistische Textanalyse Gruppe 4
Die linguistische Teildisziplin, die sich mit solchen sprachlichen Einheiten beschäftigt, die über den Satz hinausgehen, ist die Textlinguistik. Der linguistische Textbegriff entspricht dabei nicht dem Alltagsverständnis von Text. So kann ein Text sprachlich wohlgeformt und grammatisch durchaus korrekt sein, einen...
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Jetzt Lernplan erstellenDie linguistische Teildisziplin, die sich mit solchen sprachlichen Einheiten beschäftigt, die über den Satz hinausgehen, ist die Textlinguistik. Der linguistische Textbegriff entspricht dabei nicht dem Alltagsverständnis von Text. So kann ein Text sprachlich wohlgeformt und grammatisch durchaus korrekt sein, einen -roten Faden- aber dennoch vermissen lassen. Oder andersherum: Ein Text mag inhaltlich plausibel und zusammenhängend erscheinen, aber z.B. aus unvollständigen Sätzen bestehen. Was also macht einen Text zum Text? Dass die Meinungen hierüber auseinandergehen, zeigen die divergierenden Textbegriffe. Unsere erste Aufgabe wird es daher sein, einen Textbegriff zu entwickeln.
Hieran unmittelbar anschließend stellt sich die Frage nach den Textualitätskriterien, also die Frage nach den Bedingungen, denen eine fragliche Einheit genügen muss, um sich als Text auszuweisen. Da auch hier eine Vielzahl von Ansätzen existiert, werden wir einige Typologien von Textualitätskriterien einander gegenüberstellen und uns zudem die Frage stellen, ob es für die Textkonstitution zentrale und weniger zentrale Kriterien gibt.
Im Anschluss werden wir verschiedene Herangehensweisen und Aspekte der Textanalyse kennenlernen, diskutieren und anwenden. So können bspw. zwei Texte das Thema Helmpflicht beim Fahrradfahren gänzlich verschieden behandeln: Während der eine Text an emotionale Werte appelliert und in einem leidenschaftlichen Plädoyer für die Helmpflicht endet, mag es sich bei dem anderen Text um eine knappe Nachrichtenmeldung zum ggf. richtungsweisenden (Gerichts-)Urteil in einem Prozess zur Helmpflicht handeln.
Eng gekoppelt an die Frage der thematischen Entfaltung ist auch die Frage nach der sog. Textfunktion. So lassen sich mit Brinker (72010), abhängig von der Absicht der/der Textemittentin/-en, fünf verschiedene Textfunktionen unterscheiden. Hier werden wir der Frage nachgehen, inwieweit ggf. Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen kommunikativen Handlungen und strukturellen Mustern bestehen und welche Rolle dies wiederum für die Bestimmung und Klassifikation von Textsorten spielt.
Brinker, Klaus (72010): Linguistische Textanalyse. Eine Einführung in Grundbegriffe und Methoden. Berlin: Erich Schmidt (= Grundlagen der Germanistik 29).
Brinker, Klaus et al. (Hrsg.) (2000): Text- und Gesprächslinguistik. Ein internationales Handbuch
zeitgenössischer Forschung. Berlin u. New York: De Gruyter (= HSK 16.1).
Gansel, Christina/Jürgens, Frank (22007): Textlinguistik und Textgrammatik. Eine Einführung. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.
Hausendorf, Heiko / Kesselheim, Wolfgang (2008): Textlinguistik fürs Examen. Göttingen:
Vandenhoeck & Ruprecht.
Habscheid, Stephan (2010): Text und Diskurs. Paderborn: Fink (= UTB 3349, Reihe LIBAC / -Linguistik für Bachelor-).
Janich, Nina (Hrsg.) (2008): Textlinguistik. 15 Einführungen. Tübingen: Narr.
Germanistik - Angewandte Sprachwissenschaft
Beachten Sie, dass Sie diesen Kurs nach den Prüfungsordnungen ab 2011 nicht besuchen dürfen, wenn Sie die für dieses Modulelement laut Fachspezifischen Bestimmungen und Modulhandbuch notwendigen Voraussetzungen noch nicht erfüllen.
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