Uni-Kassel
14. März 2017Einführungsprojekt FLuxus Kaufhaus
Im ersten Semester haben wir aus der Kombination gefundener Objekte, aus ready-mades Formfindungsprozesse abgeleitet und sind über die Zweckentfremdung oder auch das Form-Recycling zu avancierten architektonischen Konzepten und Konstruktionen gekommen. Im zweiten Semester wollen wir den Prozess der Umwidmung von...
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Jetzt Lernplan erstellenIm ersten Semester haben wir aus der Kombination gefundener Objekte, aus ready-mades Formfindungsprozesse abgeleitet und sind über die Zweckentfremdung oder auch das Form-Recycling zu avancierten architektonischen Konzepten und Konstruktionen gekommen.
Im zweiten Semester wollen wir den Prozess der Umwidmung von Ausgedientem zum integralen Konzept und Programm eines großen Entwurfes machen. Die Umnutzung und Umwidmung ist eine bekannte und bewährte architektonische Operation. Architekturen sind allerdings prototypische Einzelstücke. Ist diese Operation auch auf massenhafte Industieprodukte anwendbar?
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Der Motor unserer marktwirtschaftlichen Gesellschaft ist die permanente Erneuerung. Erneuerung von Technologien, Lebensmodellen und Produkten kann Lebensqualität und Fortschritt bedeuten. Erneuerung kann den Fortschrittsgedanken aber auch pervertieren, wenn sie aus ökonomischen Gründen um jeden Preis beschleunigt wird.
Betrachtet man die (Über)Lebensdauer von Produkten z.B. der Premium-Marke Apple, so liegt diese statistisch gerade einmal bei sechs Monaten (Quelle: Mac Life). Aus ästhetischen Gründen ist beispielsweise der Akku des 1000 EUR teuren iPhone nicht mehr austauschbar und das Leben des kompletten Gerätes endet nach ca. 300 Ladezyklen. Es liegt auf der Hand, dass vor dem Hintergrund des wachsenden ökologischen Bewusstseins ein derartiger Umgang mit Ressourcen nicht mehr zeitgemäß sein kann.
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Die Idee der Umwidmung und Wiederverwertung von Industrieprodukten und Abfällen ist immer wieder Thema künstlerischer Auseinandersetzungen und hat auch die architektonische Produktion der letzten Jahre beeinflusst:
Fluxus (vom lateinischen fließend) bezeichnet eine Kunstform der 60er und 70er Jahre, die basierend auf einem starken Konzept die Prozesse und Verwebungen von Kunst und Alltag in den Vordergrund stellt. Fluxus-Künstler benutzten für ihre Objekte und Installationen Gegenstände und Situationen des Alltags, die in neuer Kombination und in neuem Kontext zum künstlerischen Prozess veredelt, wiederverwertet und umgenutzt werden. Architekten greifen heute diese Herangehensweise auf und übertragen sie ins Räumlich-Funktionale. Denken wir nur an die Arbeiten des New Yorker Büros LOT/EK oder die Wohnhausprojekte des rural studio.
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Wir wollen im Projektstudio ein Gebäude entwerfen, welches selbst urbane Strukturen recycelt, indem es einen ausgedienten innerstädtischen Brückenbau als Ort und Substruktion benutzt. Ein Gebäude, welches darüber hinaus vielleicht auch seine eigene Form und Konstruktion aus dem Gedanken der Um- und Weiternutzung zweckentfremdeter Elemente generiert. Und ein Gebäude, welches das Recycling ausgedienter Massenware durch Re-Design auch zum funktionalen Programm hat.
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Ziel ist der Entwurf eines urbanen Kaufhauses, welches ein Gegenmodell zur Kurzlebigkeit von Kühlschränken, DVD-Spielern, Mobiltelefonen, CD´s und Plasmabildschirmen entwickelt. Wir wollen dem materiellen Luxus der Verschwendung den kreativen Luxus der Erfindung und Bereicherung durch neue Komplexitäten entgegenstellen.
Unser Projektstudio soll zur Erfinderwerkstatt für ein Gebäude werden, welches Produktions- und Verkaufsräume für die Innovatoren der Zukunft bietet: die Erfinder neuer Re-Design-Produkte aus dem meist nagelneuen Schrott unserer Haushalte und Büros. Ein Kaufhaus des Luxus' einer neuen Haltung. Ein Kaufhaus des Luxus' fließender und regenerativer Prozesse. Ein FLuxus-Kaufhaus...
FB 06 Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung
Uni Kassel
SS 2008
Lehrveranstaltungspool FB 06
FB 06 Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung
Univ.-Prof. Dipl.-Ing.
Augustin Geor