Zurück zum Vorlesungsverzeichnis
Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Geschlechterverhältnis im Wohlfahrtsstaat

Im ersten Drittel des Seminars geht es um die grundlegende Bedeutung und Funktion von Sozialpolitik und Wohlfahrtsstaatlichkeit im demokratisch verfassten Kapitalismus. Wir werden uns mit unterschiedlichen soziologischen -Wesensbestimmungen- von Sozialpolitik befassen, die diese wahlweise als Instanz gesellschaftlicher Modernisierung, Normalisierung, Umverteilung,...

Erstelle deinen persönlichen Lernplan

Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.

Jetzt Lernplan erstellen
Im ersten Drittel des Seminars geht es um die grundlegende Bedeutung und Funktion von Sozialpolitik und Wohlfahrtsstaatlichkeit im demokratisch verfassten Kapitalismus. Wir werden uns mit unterschiedlichen soziologischen -Wesensbestimmungen- von Sozialpolitik befassen, die diese wahlweise als Instanz gesellschaftlicher Modernisierung, Normalisierung, Umverteilung, Sicherung, Ungleichheitsproduktion und Integration beschreiben. Dabei wird stets der Fokus darauf gerichtet, wie Geschlechterverhältnisse in diese Wesensbestimmungen eingelassen sind bzw. durch diese (re-)produziert werden. Im Anschluss an diese Grundlagenverständigung wird es zunehmend konkreter: Wir schauen uns wohlfahrtsstaatliche Geschlechterregime im historischen und im Ländervergleich an (z.B. das alte westdeutsche Ein-Ernährer- bzw. Hausfrauenmodell versus das schwedische Modell der Geschlechteregalität oder auch Geschlechterverhältnisse im innerdeutschen Ost-West-Vergleich) und analysieren die geschlechtsspezifischen Implikationen einzelner Sicherungssysteme wie des Rentensystems oder des Elterngeldes. Aber auch Entwicklungen wie die Finanzmarktkrise, die Prekarisierung von Arbeitsverhältnissen, der demografische Wandel und die Zunahme an Pflegebedürftigen werden uns mit Blick auf Geschlechterverhältnisse im Wohlfahrtsstaat interessieren. Die letzten Sitzungen widmen wir uns einer ganz besonderen Krise, die in Zeiten von Wirtschafts-, Banken und ökologischen Krisen mitunter in den Hintergrund tritt, obwohl sie nicht weniger destabilisierend ist: die Reproduktionskrise. Hier geht es grundsätzlich um die Frage, wie Erziehungs-, Pflege- und Sorgearbeit im Kapitalismus organisiert ist und warum auch in Zeiten deutlich zunehmender Frauenerwerbstätigkeit, rechtlicher Gleichstellung und Bildungsegalität nach wie vor Frauen die Hauptlast der Vereinbarkeit von Familie, Privatleben und Beruf tragen. FB 05 Gesellschaftswissenschaften Uni Kassel WiSe 2015/16 Soziologie HF Prof. Dr. Dyk van Silke