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Uni-Kassel
15. März 2017

Es ist nichts so fein gesponnen: Literararische Techniken unter der linguistischen Lupe

Ziel der Lehrveranstaltung ist es, unkonventionelle Zugänge zu literarischen Texten zu eröffnen und dabei die Funktionalität grammatischer Strukturen aufzudecken. Der literarische Text wird als Anregung zum Sprachspiel aufgefasst und von den Seminarteilnehmern aktiv verändert. Auf diese Weise entstehen neue Texte,...

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Ziel der Lehrveranstaltung ist es, unkonventionelle Zugänge zu literarischen Texten zu eröffnen und dabei die Funktionalität grammatischer Strukturen aufzudecken. Der literarische Text wird als Anregung zum Sprachspiel aufgefasst und von den Seminarteilnehmern aktiv verändert. Auf diese Weise entstehen neue Texte, die sich dem literarischen Original als Kontrasttexte gegenüberstellen und zum Vergleich herausfordern. Text (1) und Text (2) zeigen exemplarisch, wie solche Texte aussehen können. Es handelt sich um den Originaltext und eine -Fälschung- des Anfangs von Kafkas Erzählung -Heimkehr-. Text(1) Nachdem ich zurückgekehrt bin und den Flur durchschritten habe, blicke ich mich um. Es ist meines Vaters alter Hof. Die Pfütze ist in der Mitte und altes unbrauchbares ineinander­verfahrenes Gerät verstellt den Weg zur Bodentreppe und dort auf dem Geländer lauert die Katze. Ein zerrissenes Tuch, das einmal im Spiel um eine Stange gewunden worden ist, hebt sich im Wind: Ich bin angekommen. Text(2) Ich bin zurückgekehrt, ich habe den Flur durchschritten und blicke mich um. Es ist meines Vaters alter Hof. Die Pfütze in der Mitte. Altes un­brauchbares Gerät, ineinander­verfah­ren, verstellt den Weg zur Bodentrep­pe. Die Katze lauert auf dem Geländer. Ein zerrissenes Tuch, einmal im Spiel um die Stange gewunden, hebt sich im Wind. Ich bin angekommen. Für den Leser können solche Text-Paare ein Anregungspotenzial bieten: Wie unterscheiden sich beide Texte? Welcher Text ist der Originaltext? Warum hat Kafka genau so geschrieben? Solche Frage intensivieren die Auseinandersetzung mit einem literarischen Text und ermöglichen Einsichten in die Funktionalität sprachlicher Strukturen.

FB 02 Institut für Germanistik Uni Kassel SoSe 2013 Germanistik HF Germanistik/Deutsch Dr. Müller Christoph