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Uni-Siegen
14. März 2017

Fontane und die Elemente

Wir kriegen es unter, das Element!, heißt es in Fontanes berühmtem Gedicht Die Brück am Tay, doch ganz abgesehen davon, dass dieses Vorhaben grandios scheitert: Was ist mit dem Element genau gemeint? Auf welche Überlieferungen bezieht Fontane sich, welche Naturauffassungen...

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Wir kriegen es unter, das Element!, heißt es in Fontanes berühmtem Gedicht Die Brück am Tay, doch ganz abgesehen davon, dass dieses Vorhaben grandios scheitert: Was ist mit dem Element genau gemeint? Auf welche Überlieferungen bezieht Fontane sich, welche Naturauffassungen ruft sein Text hier auf? Stürme, Gewitter und Wetterumschwünge; Feuersbrünste, Vulkanausbrüche und Brände; Seestürme, Untiefen und Springfluten; Erdbeben, Felsstürze und Abgründe durchziehen als Schilderungen und Metaphern Fontanes Gedichte, seine Erzähl- und Sachtexte. Manchmal führen sie die entscheidende Wendung in der Handlung herbei, manchmal dienen sie als Konversationsthemen und manchmal wie der berühmte Schloon in Effi Briest als Metaphern für zentrale Konflikte einzelner Figuren. Auch viele der ländlichen sowie städtischen Szenerien, vor denen sich Fontanes Narrative abspielen, verweisen auf ein Ordnungsschema der Natur, das mythologisch aufgeladen und in den zeitgenössischen Wissenschaften längst obsolet ist: Die Lehre von den vier Elementen Feuer, Wasser, Luft und Erde, die aus der Antike stammt und bis zum Ende des 18. Jahrhunderts maßgeblich für das Naturverständnis war (Böhme / Böhme 1996), bevor sie von den modernen Naturwissenschaften abgelöst wurde. Wir werden in diesem Seminar die Spuren dieses Ordnungsschemas in Fontanes Texten, und zwar gerade auch in Schilderungen des urbanen oder höfischen Lebens, aufspüren und seine Funktion im jeweiligen Kontext analysieren. Wir versuchen zu verstehen, mit welchen ästhetischen Mitteln und mit welchen ethischen Implikationen realistische Texte die Natur vor dem Hintergrund der durch die Industrialisierung verursachten tiefgreifenden Veränderungen ländlicher und städtischer Umgebungen neu konstituieren. Bitte vor Seminarbeginn anschaffen: Theodor Fontane: Unwiederbringlich; Irrungen Wirrungen; Effi Briest; Der Stechlin Germanistik - Literaturdidaktik II Teilnahmevoraussetzung ist die Lektüre von Theodor Fontane: Unwiederbringlich bis zur ersten Sitzung, außerdem die aktive Teilnahme an der Diskussion und die Übernahme eines Kurzreferats Universität Siegen WiSe 2016/17 Dr. Kramer Anke