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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Raum und Geschlecht in mittelalterlicher Literatur

Wir leben ganz selbstverständlich in Räumen. Es gibt keine Welt, die ohne erfahrene Raumwirklichkeit erzeugt werden kann. Dies gilt auch und gerade für virtuelle wie für literarische Räume. Auch der -reale- Raum ist dabei eng an Körper gebunden, die sich...

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Wir leben ganz selbstverständlich in Räumen. Es gibt keine Welt, die ohne erfahrene Raumwirklichkeit erzeugt werden kann. Dies gilt auch und gerade für virtuelle wie für literarische Räume. Auch der -reale- Raum ist dabei eng an Körper gebunden, die sich in ihm aufhalten und wird von diesen durchaus unterschiedlich wahrgenommen. Denn wie jeder seinen Körper und Leib um sich spannt, so konstruiert jeder auch den Raum um sich herum aufgrund der eigenen Optik (was oben, unten, rechts, links ist, entscheidet die jeweils eigene Position), d.h. jedem wahrgenommenen Raum ist auch Imaginäres inhärent. Gleichzeitig aber ist jeder von Anfang an in einem Raum, niemand kann nicht nicht in einem Raum sein. Die Dynamiken zwischen Raum und sich darin befindender Körper sind unübersehbar. Die Forschung hat im Zuge des -spatial turn-, bzw. -topographical turn- ihren Schwerpunkt denn auch auf -Raumordnungen-, auf -Kulturtechniken des Raums- gelegt sowie auf Fragen nach dem Verhältnis von realen Orten und literarischen Texten. Gerade in der Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit zeigt sich dabei, dass eine mathematische Vermessung oder eine vom Körper losgelöste topographische Beschreibung kaum existiert, allein die Handlungen, die Blickrichtungen, die Bewegungen der Protagonisten bestimmen die Distanzen, die Dimensionen und die Spezifika von Räumen. Inwieweit dabei die Kategorie Geschlecht für die Konstruktion derartiger Raumzuordnungen bzw. Raumwahrnehmungen bedeutsam ist, inwiefern Bewegungen und Handlungen von ihr bestimmt sind und welche geschlechterspezifische Machtverhältnisse bzw. -verteilungen in Raumkonzepten sichtbar werden, wird uns in diesem Seminar beschäftigen. Ziel wird es sein, unterschiedliche Raumtypen in den Blick zu nehmen und ihren Funktionen im Geschlechterdiskurs nachzuspüren. Nach einer einleitenden Erarbeitung von Raum- bzw. Geschlechtertheorien bieten sich exemplarische Analysen von bestimmten Räumen an - Wald, Burg, Innenräume -, in denen es um die Frage nach Formen der Raumbeschreibung und der symbolischen Raumkonstruktionen gehen muss, und nach der Bedeutung, welche die Kategorie Geschlecht in diesen Setzungen spielt. Literaturangaben (Auswahl): Es werden weiterführende selbstständige bibliographische Recherchen erwartet. Primärliteratur: ALBRECHT VON SCHARFENBERG (1955): Jüngerer Titurel. Hg. v. Nyholm, Kurt. Berlin. (Deutsche Texte des Mittelalters 45, 55, 61, 73, 77) URSMAR ENGELMANN (Hg.) (1959): Die Psychomachie des Prudentius. Lateinisch-Deutsch. Mit 24 Bildtafeln der Stiftsbibliothek St. Gallen. Freiburg u.a. GOTTFRIED VON STRAßBURG (2004): Tristan. Berlin: de Gruyter. (de Gruyter Texte). HARTMANN VON AUE (2001): Iwein. Hg. v. Cramer, Thomas. Berlin: de Gruyter. HARTMANN VON AUE (2004): Erec. Hg. v. Scholz, Manfred Günter. Frankfurt a.M.: Deutscher Klassiker Verlag. (Bibliothek des Mittelalters 5). HANS PYRITZ (Hg.) (1950): Die Minneburg : nach der Heidelberger Pergamenthandschrift (CPG. 455) unter Heranziehung der Kölner Handschrift und der Donaueschinger und Prager Fragmente. Berlin: Akademie Verlag. (Deutsche Texte des Mittelalters 43). WIRNT VON GRAFENBERG (2005): Wigalois. Text - Übersetzung - Stellenkommentar. Text der Ausgabe von J.M.N. Kapteyn übersetzt,erläutert und mit einem Nachwort versehen von Sabine Seelbach und Ulrich Seelbach. Berlin: de Gruyter. WOLFRAM VON ESCHENBACH (1981): Parzival. übers. v. Spiewok, Wolfgang (mhd. Text nach Karl Lachmann). 2 Bde. Stuttgart. (Reclam Universal Bibliothek 3681-3682). Forschungsliteratur: JAN A. AERTSEN und ANDREAS SPEER (Hgg.) (1998): Raum und Raumvorstellungen im Mittelalter. Berlin, New York: Walter de Gruyter. (Miscellanea Mediaevalia 25). MARTIN BAISCH, HENDRIJKE HAUFE, MICHAEL MECKLENBURG, MATTHIAS MEYER, et al. (Hgg.) (2003): Aventiuren des Geschlechts. Modelle von Männlichkeit in der Literatur des 13. Jahrhunderts. Göttingen. (Aventiuren 1). HARTMUT BECK (1994): Raum und Bewegung : Untersuchungen zu Richtungskonstruktion und vorgestellter Bewegung in der Sprache Wolframs von Eschenbach. Erlangen: Palm und Enke. INGRID BENNEWITZ (Hg.) (2002): Lektüren der Differenz: Studien zur Mediävistik und Geschlechtergeschichte; gewidmet Ingvild Birkhan. Bern, Berlin u.a.: Peter Lang. INGRID BENNEWITZ und INGRID KASTEN (Hgg.) (2002): Genderdiskurse und Körperbilder im Mittelalter. Eine Bilanzierung nach Butler und Laqueur. Münster, Hamburg, London: LIT. (Bamberger Studien zum Mittelalter 1). OTTO FRIEDRICH BOLLNOW (1980): Mensch und Raum. Stuttgart, Berlin u.a.: W. Kohlhammer. CHRISTINA VON BRAUN und INGE STEPHAN (Hgg.) (2000): Gender Studies. Eine Einführung. Stuttgart und Weimar: Metzler. CHRISTINA VON BRAUN und INGE STEPHAN (Hgg.) (2004): Gender @ Wissen. Ein Handbuch der gender Theorien. Köln: Böhlau. CLAUDIA BRINKER-VON DER HEYDE (2001): Ortswechsel: Norm und Verkehrung bei Raumzuordnungen in mittelalterlicher Epik. In: Hubrath, Margarete (Hg.): Geschlechter-Räume. Konstruktion von -gender- in Geschichte, Literatur und Alltag. Köln, Weimar, Wien: Böhlau. S. 23-36. HADUMOD BUßMANN und RENATE HOF (Hgg.) (1995): Genus - Zur Geschlechterdifferenz in den Kulturwissenschaften. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag. JUDITH BUTLER (1991): Das Unbehagen der Geschlechter. Frankfurt a. M.: Suhrkamp. (Gender Studies. edition suhrkamp 1722). JUDITH BUTLER (1995): Körper von Gewicht. Die diskursiven Grenzen des Geschlechts. Berlin: Berlin Verlag. ELISABETH CHEAURÉ (Hg.) (2002): Geschlechterkonstruktionen in Sprache, Literatur und Gesellschaft: Gedenkschrift für Gisela Schoenthal. Freiburg i.Br.: Rombach. SONJA EMMERLING (2003): Geschlechterbeziehungen in den Gawan-Büchern des Parzival. Tübingen: Niemeyer. WALTER ERHART und BRITTA HERRMANN (1996): Feministische Zugänge - -Gender studies-. In: Arnold, Heinz Ludwig und Detering, Heinrich (Hgg.): Grundzüge der Literaturwissenschaft. München: Deutscher Taschenbuch Verlag. S. 498-515. WALTER ERHART und BRITTA HERRMANN (Hgg.) (1997): Wann ist der Mann ein Mann? Zur Geschichte der Männlichkeit. Stuttgart und Weimar: Metzler. EDITH FEISTNER (1997): Manlîchiu wîp, wîplîche man. In: PBB 119, H. 2, 1997, S. 235-260. DAVID FLETCHER TINSLEY (1990): -Also ist mir vil tummen welffe in mines synnes throne- : a reassessment of Die Minneburg. In: Euph. 84, 1990, S. 59-74. WALTRAUD FRITSCH-RÖßLER (Hg.) (2002): Frauenblicke, Männerblicke, Frauenzimmer: Studien zu Blick, Geschlecht und Raum. St. Ingbert: Röhrig. (Mannheimer Studien zur Literatur- und Kulturwissenschaft 26). SIMON GAUNT (1995): Gender and Genre in Medieval French Literatur. Cambridge. (Cambridge Studies in French 53). IRMGARD GEPHART (2003): Welt der Frauen, Welt der Männer. Geschlechterbeziehung und Identitätssuche in Hartmanns von Aue Erec. In: Archiv für Kulturgeschichte 85, 2003, S. 171-199. ANDREA GLASER (2004): Der Held und sein Raum. Die Konstruktion der erzählten Welt im mittelhochdeutschen Artusroman des 12. und 13. Jahrhunderts. Frankfurt am Main, Berlin, Bern, u.a.: Peter Lang. (Europäische Hochschulschriften: Reihe 1, Deutsche Sprache und Literatur 1888). INGRID HAHN (1963): Raum und Landschaft in Gottfrieds >TristanBemerkungLitWis HS Leistungsnachweis -Sitzschein- setzt eine aktive Teilnahme in einer Arbeitsgruppe voraus Diskussionsleitung mit schriftlicher oder medialer Ausarbeitung: 2 Cr strukturierte Inhaltszusammenfassung deszu behandelnden Textes 1Cr Thesenblatt zu einem spezifischen Thema innerhalb eines Themenblocks (eine Woche vor der jeweiligen Sitzung abzugeben) 1Cr Semesterarbeit: ca. 20 Seiten: 3 Cr LerninhalteZiel ist es, unterschiedliche Raumtypen in den Blick zu nehmen und ihren Funktionen im Geschlechterdiskurs nachzuspüren. FB 02 Institut für Germanistik -Sitzschein- setzt eine aktive Teilnahme in einer Arbeitsgruppe voraus Diskussionsleitung mit schriftlicher oder medialer Ausarbeitung: 2 Cr strukturierte Inhaltszusammenfassung deszu behandelnden Textes 1Cr Thesenblatt zu einem spezifischen Thema innerhalb eines Themenblocks (eine Woche vor der jeweiligen Sitzung abzugeben) 1Cr Semesterarbeit: ca. 20 Seiten: 3 Cr Uni Kassel SS 2009 Germanistik HF Prof. Dr. Brinker von der Heyde Claudia