Uni-Hannover
14. März 2017Forschungscolloquium Multiperspektivität
Multiperspektivität ist ein Epochen, Gattungen, Diskurse und Disziplinen übergreifendes Phänomen, das nicht allein auf Literatur beschränkt, sondern ebenfalls in bildender Kunst, Film und Theater vorzufinden ist. Von Platons Symposion über die Briefromane des 17., 18. und 19. Jahrhunderts, Büchners Lenz,...
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Jetzt Lernplan erstellenMultiperspektivität ist ein Epochen, Gattungen, Diskurse und Disziplinen übergreifendes Phänomen, das nicht allein auf Literatur beschränkt, sondern ebenfalls in bildender Kunst, Film und Theater vorzufinden ist. Von Platons Symposion über die Briefromane des 17., 18. und 19. Jahrhunderts, Büchners Lenz, die Prosa E.T.A. Hoffmanns, Franz Kafkas, Virginia Woolfs The Waves (1931) bis in die Gegenwart mit Eva Menasses Quasikristalle (2013), Terézia Moras Das Ungeheuer (2013) u.a. lassen sich die unterschiedlichen Ausprägungen multiperspektivischen Erzählens nachvollziehen.
Das dynamische Wechselspiel beliebig vieler (aber mindestens zweier) nebeneinander, hintereinander oder übereinander gelagerter Perspektiven bildet dabei den kleinsten gemeinsamen Nenner für eine Definition des bisher weitgehend unbestimmten Begriffs ‚Multiperspektivität‘. Multiperspektivisch erzählte Texte tendieren dazu, die Hierarchien zwischen den Perspektiven, textintern zwischen Figuren und Erzählinstanz, aber auch zwischen dem Text und seiner textexternen Rezeptionen zu unterlaufen. Die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Erscheinungsformen von Multiperspektivität berührt neben narratologischen Diskursen im engeren Sinn auch philosophische, epistemologische, geschichtstheoretische, literaturtheoretische, gesellschaftliche und kulturelle Fragestellungen, wie zum Beispiel die nach dem Konstruktionscharakter von Identität, Wirklichkeit und Geschlecht. In Anknüpfung an Bachtins Dialogizität- bzw. Polyphonie-Konzept sowie die Theoreme multipler Identitäten und Modernitäten u.a. sollen miteinander in einen direkten oder indirekten Dialog tretende Perspektiven, die entweder zu einer Synthese kommen oder sich wechselseitig relativieren, widersprechen und auseinander differieren, exemplarisch an Fallbeispielen (Texten, Filmen, Diskursen etc.) erarbeitet werden.
Das Forschungskolloquium fragt nach der Konstitution von Perspektiven, ihren Merkmalen, Konstellationen und Funktionen mit dem Ziel, Multiperspektivität als Kategorie literatur- und kulturwissenschaftlicher Analyse mit didaktischer und gesellschaftlicher Relevanz an konkreten Text- und Fallbeispielen zu bestimmen. Als Darstellungs- und Analysetechnik verfügt Multiperspektivität über ein utopisches Potenzial der Antizipation polyvalent-hybrider Strukturen im Kontext von Ambivalenz und Diversität.
Das Forschungscolloquium ‚Multiperspektivität‘ wird von den am Deutschen Seminar im Bereich der Literaturwissenschaft Lehrenden und Studierenden des Fachmasters NDL sowie anderen Interessierten besucht. In zweiwöchentlichem Wechsel finden Vorträge von Referent*innen sowie vor- und nachbereitende Sitzungen im Plenum statt.
Wird zu den einzelnen Sitzungen angegeben bzw.in Stud.IP eingestellt.
Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, MA
Teilnehmerzahl: beschränkt.
Universität Hannover
WiSe 2016/17
Deutsch, Bachelor (fachübergr.)
Prof. Dr. phil.
Nübel Birgit phil