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Uni-Hannover
14. März 2017

Mütter lichkeit

Mütterlichkeit ist nicht nur eine Kategorie biologisch-familiärer Differenz, sondern auch eine Kategorie sozialer und diskursiver Konstruktion. In der Moderne wird der religiöse Marienkult in eine Naturalisierung biologischer und sozialer Mutterschaft transformiert. Das Seminar fragt nach Darstellungsformen von Mütterlichkeit in der...

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Mütterlichkeit ist nicht nur eine Kategorie biologisch-familiärer Differenz, sondern auch eine Kategorie sozialer und diskursiver Konstruktion. In der Moderne wird der religiöse Marienkult in eine Naturalisierung biologischer und sozialer Mutterschaft transformiert. Das Seminar fragt nach Darstellungsformen von Mütterlichkeit in der Literatur seit dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts. Ausgehend von Rousseaus fiktivem Weiblichkeitsideal im Émile und seiner masochistischen Beziehung zu Madame de Warens in den Confessions (1782/89) werden mit Schwerpunkt auf der Literatur der Jahrhundertwenden 1900/2000 Konstruktionen von Mütterlichkeit in gesellschaftlichen Diskursen (Pädagogik, Psychoanalyse) und in der Literatur in Form von Mutterfiguren, Mutter-Kind-Figurationen, Schwangerschaften, Fehlgeburten, Abtreibungen und Wochenbettdepressionen untersucht. Mutterschaft wird gleichermaßen als göttliche Auszeichnung, als Ausschluss aus der gesellschaftlichen (Macht-)Ordnung, als asymmetrische Position gegenüber dem männlichen Familienoberhaupt, als phallische Allmacht, als Muttersprache, als Mutterrecht (Bachofen), als sozialpolitische Bewegung (Mutterschutz) und Ideologie (Mutterkreuz) inszeniert. Neben Mütterfiguren bzw. mütterlichen Figuren in Texten von Gertrud Kolmar (Die jüdische Mutter), 1931/32; 1965), Bertolt Brecht (Mutter Courage, 1938/39-41), Helga Novak (Die Eisheiligen, 1979), Elfriede Jelinek (Die Klavierspielerin, 1983), Karin Struck (Die Mutter, 1987), Birgit Vanderbeke (Das Muschelessen, 1990), Marlene Steeruwitz (Verführungen, 1996) und Julia Frank (Die Mittagsfrau, 2007) werden Mutterschaftsdiskurse im Zentrum des Seminars stehen: Von Rousseaus Pädagogik, Bachofens Matriarchatsfiktion, die Freud’sche Psychoanalyse und ihrer genderkritischen Revisionen, bis hin zu Johanna Haarers nachhaltigem Bestseller (Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind, 1934 ff.) und Orna Donat (#regretting motherhood, 2015). Wird in der ersten Sitzung gemeinsam vereinbart. Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, MA Teilnehmerzahl: 30. Universität Hannover WiSe 2016/17 Deutsch, Master LA Gymnasium Prof. Dr. phil. Nübel Birgit phil