Zurück zum Vorlesungsverzeichnis
Uni-Hannover
14. März 2017

Forschungsfelder der Politischen Soziologie Strategisches Wahlverhalten

Die strategische Stimmvergabe kann als -[...] vote for a party (candidate) that is not the preferred one, motivated by the intention to affect the outcome of the election” (Blais et al. 2001: 344) verstanden werden. Bürger wählen also eine Partei,...

Erstelle deinen persönlichen Lernplan

Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.

Jetzt Lernplan erstellen
Die strategische Stimmvergabe kann als -[...] vote for a party (candidate) that is not the preferred one, motivated by the intention to affect the outcome of the election” (Blais et al. 2001: 344) verstanden werden. Bürger wählen also eine Partei, die sie eigentlich nicht bevorzugen, mit dem Ziel, Einfluss auf die Zusammensetzung des Parlaments oder der Regierung und den daraus resultierenden Politikinhalten auszuüben. In Deutschland ist ein solches taktisches Kalkül bei der Stimmabgabe ein medial viel diskutiertes Thema. So führten bspw. bei der Bundestagswahl 2009 und der Landtagswahl in Niedersachsen 2013 viele Journalisten den Erfolg der FDP auf eine Leihstimmenvergabe durch Anhänger der CDU/CSU zurück. Diese öffentlichen Diskussionen haben gemein, dass sie selten auf fundierten empirischen Analysen zum Wahlverhalten beruhen. Die Identifizierung strategischer Wähler ist komplexer als die Berichterstattung nahelegt. Die Ansätze zur Messung der verschiedenen Arten strategischen Wahlverhaltens variieren stark. Insbesondere bestehen Unterschiede darin, ob Aggregat- oder Umfragedaten als Basis genutzt werden und wie die wahre Parteipräferenz eines Wählers sowie dessen Erwartungen über den Wahlausgang ermittelt werden. Dieses Seminar ist so strukturiert, dass wir die etablierten Ansätze zur Messung strategischen Wahlverhaltens sukzessive kennenlernen und sie einander schließlich gegenüberstellen. In diesem Kontext wird deutlich, dass die empirischen Befunde mit der öffentlichen Wahrnehmung häufig nur bedingt übereinstimmen. Neben den verschiedenen Möglichkeiten die einzelnen Arten strategischen Wählens zu messen, ist von Interesse, welche individuellen Eigenschaften strategische Wähler haben. Sind sie besonders umfassend über das Wahlsystem und über Umfrageergebnisse informiert? Ist ihnen besonders wichtig, wie die Wahl ausgeht? Sind sie vielleicht mehr oder minder indifferent zwischen ihrer favorisierten und ihrer zweitliebsten Partei? etc. Zusätzlich zu den individuellen Determinanten strategischen Wählens nehmen wir den Kontext in den Blick: Wie wirken etwa der Wahlsystemgrundtyp (Mehrheits- vs. Verhältniswahl), die Knappheit des Wahlergebnisses im Wahlkreis, die Anzahl der wählbaren Parteien oder das Alter des Parteiensystems auf die Neigung, taktisch abzustimmen? Diese Fragen beantworten wir anhand des aktuellen Forschungsstandes, den wir in Form von empirischen Studien aus wissenschaftlichen Fachzeitschriften wöchentlich diskutieren Politikwissenschaft, Bachelor of Arts VM 2 Universität Hannover SoSe 2016 Institut für Politische Wissenschaft Dozent