Uni-München
14. März 2017Vorlesung Priestertum kirchliche Delikte und Gerichtsbarkeit im Kanonischen Recht und in den Statuten der Orthodoxen Kirche Dr Dr Anargyros Anapliotis
Die Struktur und der theologische Stellenwert des kirchlichen Amtes sind, verbunden mit ekklesiologischen Fragen, derzeit die am kontroversesten und für die Praxis und das Verständnis der Kirche am relevantesten diskutierten Themen. In der Vorlesung soll das kirchliche Amt im Hinblick...
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Jetzt Lernplan erstellenDie Struktur und der theologische Stellenwert des kirchlichen Amtes sind, verbunden mit ekklesiologischen Fragen, derzeit die am kontroversesten und für die Praxis und das Verständnis der Kirche am relevantesten diskutierten Themen. In der Vorlesung soll das kirchliche Amt im Hinblick auf seine kirchenrechtliche Entwicklung behandelt werden. Es geht zunächst um das orthodoxe Verständnis des kirchlichen Amtes und seiner sakramentalen Übertragung, seiner Funktion, seiner Struktur und seinen -Ort- im Gesamtzusammenhang von Glaube und Kirche. Es werden sodann die Begriffe der Ortskirche und ihre episkopale Grundordnung (hierarchia ordinis), der kirchenrechtliche Status eines Bischofs, Presbyters oder Diakons, die Erfordernisse für den Eintritt in den Klerus (Cheirotonie, Cheirothesie) sowie der Amtsausschluss bzw. der Verzicht auf das Amt behandelt. Im zweiten Teil der Vorlesung wird das kirchliche Strafrecht als ein methodisch eigenständiger Teil des Kirchenrechts behandelt, in welchem für schuldhaft begangenes Unrecht teils schwerwiegende kirchliche Disziplinarstrafen vorgesehen sind. Für Laien hat das orthodoxe Strafrecht einen pastoralen, seelsorgerlichen Charakter im Rahmen des Bußsakraments. In diesem Zusammenhang werden die Begriffe -Sünde- und -Vergebung- reflektiert und soteriologisch analysiert. Obwohl das Strafrecht eine panorthodoxe Angelegenheit ist und auf Entscheidungen von ökumenischen Konzilien beruht, vollzieht sich die Anwendung des orthodoxen Strafrechts, nämlich die kirchliche Gerichtsbarkeit (als disziplinäre Rechtsprechungsgewalt) in der Regel in den einzelnen orthodoxen Kirchen, in denen verschiedene Instanzen kirchlicher Gerichte bestehen.
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Institut für Orthodoxe Theologie
LMU München
SoSe 2016
Dr.
Anapliotis Anargyros