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Uni-München
14. März 2017

Fortgeschrittenenseminar Die Philosophie des Spätmittelalters und der Renaissance von einem logisch mathematischen Standpunkt Die Calculatores das Seminar entfällt in Freimann

Mit dem Begriff -Calculatores- (-Rechner-) bezeichnet man heute eine bestimmte Denkrichtung, die etwa in der dritten Dekade des 14. Jahrhunderts an der Universität Oxford entstand und sich rasch auf zahlreiche andere europäische Universitäten ausweitete, und zwar bis zur frühen Neuzeit...

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Mit dem Begriff -Calculatores- (-Rechner-) bezeichnet man heute eine bestimmte Denkrichtung, die etwa in der dritten Dekade des 14. Jahrhunderts an der Universität Oxford entstand und sich rasch auf zahlreiche andere europäische Universitäten ausweitete, und zwar bis zur frühen Neuzeit (noch immer Leibniz spricht mit Begeisterung davon). Einige der wichtigsten Autoren sind: Thomas Bradwardine (ca. 1290 – 1349), Walter Burley (ca. 1275–1344), Richard Kilvington (ca. 1302-1361), William Heytesbury (ca. 1313–1373) und Richard Swineshead (tätig um 1344-1355). Charakteristisch für diese Denkrichtung ist die Anwendung und Entwicklung der neuen -analytical languages- – wie man in der Literatur sagt –, in denen die neuen Techniken der Logik und der Sprachphilosophie mit einem stark mathematisierenden Ansatz kombiniert und auf verschiedene Probleme vor allem im Bereich der Physik angewandt werden. Ab dem späten 14. Jahrhundert bilden sich die folgenden selbständigen Bereiche, die typisch für die Calculatores sind: 1) de primo et ultimo instanti (über den ersten und letzten Augenblick eines zeitlichen Kontinuums); 2) de maximo et minimo (über die Bestimmung von maximalen und minimalen Grenzen für physikalische Kräfte und Widerstände), 3) de intensione et remissione formarum (über die Zu- und Abnahme von Qualitäten), 4) De proportionibus velocitatum (über die Proportionen der Geschwindigkeiten), 5) de actione et reactione (über die Wirkung und Rückwirkung der Qualitäten). In all diesen Bereichen, bei denen die Problematik des Unendlichen und der Zusammensetzung des Kontinuums im Hintergrund steht, versuchen die Calculatores, quantitative Ansätze innerhalb jedoch einer qualitativen Physik (der aristotelischen Physik) zu entwickeln. Im Seminar werden wir Textabschnitte von Abhandlungen über diese Bereiche lesen und Fachliteratur dazu analysieren. Darüber hinaus werden wir uns im Kontext der mittelalterlichen Logik mit der Lehre der consequentiae (Konsequenzenlehre) d.h. mit der Lehre der Implikation beschäftigen und schließlich auf die vernichtende Kritik des Humanisten Juan Luis Vives (1492-1540) gegen die Calculatores eingehen, eine Kritik, die in vielen Aspekten an manche zeitgenössische Kritik an der analytischen Philosophie erinnert. Ausgewählte Literatur: • Hallamaa, O., 2005, Science in Theology. Studies in the Interaction Between Late Medieval Natur Philosophy, Logic and Theology, Helsinki. • Maier, A., 1952, An der Grenze von Scholastik und Naturwissenschaft, Roma. • Maier, A.,1955, Metaphysische Hintergründe der spätscholastischen Naturphilosophie, Roma. • Maier, A., 1968, Zwei Grundprobleme der scholastischen Naturphilosophie. Das Problem der intensiven Grösse. Die Impetustheorie, Roma. • Murdoch, J. E., 1982: -The Analytical Character of Later Medieval Learning. Natural Philosophy without Nature-,in: Roberts, L.D. (Hrsg.), Approaches to Nature in the Middle Ages, New York, S. 171-213. • Murdoch, J. E./ Sylla, E. D., 1976: -Swineshead, Richard-, in: Gillispie (Hsg.). Dictionary of Scientific Biography, New York, 1970-1980 (16 Bde.); Bd. 13, S. 184-213. • Sylla, E,D., 1973, -Medieval Concepts of the Latitude of Forms: The Oxford Calculators”, in: Archives d’Histoire Doctrinale et Littéraire du Moyen Âge 40, S. 223-283. • Sylla, E, D., 1982, -The Oxford Calculators-, in: Kretzmann, N./ Kenny, A./ Pinborg, J. (Hrsg.), The Cambridge History of Later Medieval Philosophy, Cambridge, S. 540-563 • Wilson, C., 1960, Wiliam Heytesbury. Medieval Logic and the Rise of Mathematical Physics. Madison. Voraussetzungen • Englisch (Lektüre) • Lateinkenntnisse sind erwünscht aber nicht erforderlich (die ausgewählten Texte liegen entweder in gut brauchbaren englischen Übersetzungen vor, oder werden vom Dozent ins Deutsche übersetzt). • Aktive Arbeitseinstellung und regelmäßige Lektüre der Texte sind wichtige Voraussetzungen für eine erfolgsreiche Teilnahme. Leistungsnachweis Hausarbeit ODER (Referat+Protokoll/Ausarbeitung), je nach Vorgabe der/des Dozierenden [9 ECTS-Punkte] Anmeldung Eine LSF-Belegung oder sonstige Voranmeldung ist nicht erforderlich. W3-Professur für Logik und Sprachphilosophie (Univ. Prof. Dr. Dr. Hannes Leitgeb) • Englisch (Lektüre) • Lateinkenntnisse sind erwünscht aber nicht erforderlich (die ausgewählten Texte liegen entweder in gut brauchbaren englischen Übersetzungen vor, oder werden vom Dozent ins Deutsche übersetzt). • Aktive Arbeitseinstellung und regelmäßige Lektüre der Texte sind wichtige Voraussetzungen für eine erfolgsreiche Teilnahme. Leistungsnachweis Hausarbeit ODER (Referat+Protokoll/Ausarbeitung), je nach Vorgabe der/des Dozierenden [9 ECTS-Punkte] Hausarbeit ODER (Referat+Protokoll/Ausarbeitung), je nach Vorgabe der/des Dozierenden [9 ECTS-Punkte] LMU München WiSe 1415 Dr. di Liscia Daniel