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Uni-München
14. März 2017

Fortgeschrittenenseminar Glauben und Wissen nach Kant und Hegel

-Glauben ist nicht Wissen- - mit dieser Floskel lehrt der Volksmund, dass es exakt folgende zwei einander ausschließende epistemische Formen gibt: Das seriöse, harte, objektive Wissen (der Logik, Mathematik und Naturwissenschaften) und das unverbindliche, beliebige, subjektive Glauben (in Philosophie und...

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-Glauben ist nicht Wissen- - mit dieser Floskel lehrt der Volksmund, dass es exakt folgende zwei einander ausschließende epistemische Formen gibt: Das seriöse, harte, objektive Wissen (der Logik, Mathematik und Naturwissenschaften) und das unverbindliche, beliebige, subjektive Glauben (in Philosophie und Religion). Kant setzt diesem - auch zu seiner Zeit schon grassierenden - Bild in seinem Traktat Vom Meinen, Wissen und Glauben (KrV, 21787) entgegen, dass es das dritte und wichtigste geistige Feld unterschlage (er nennt es -Glauben-), welches nicht minder verbindlich als das objektive Wissen, aber - aus guten Gründen - gänzlich anders strukturiert ist als es: In ihm geht es nämlich um uns als Subjekte (des Wissens) und nicht um irgendein Objekt (des Wissens). Recht verstandene Philosophie ist ein Beispiel für dieses Dritte - und hat die Aufgabe, andere Realisationen desselben als solche zu würdigen (z.B. Moralität, Kunst und Religion). Bei Hegel, der diese kantische Einsicht übernimmt, kehrt die Frage nach diesem Dritten in höherstufiger Form wieder: Er diagnostiziert in seinem Aufsatz Glauben und Wissen (1802), dass es in der (nach)kantischen Philosophie wieder in die Nähe des unverbindlichen Spekulierens zu rücken droht - und zwar deshalb, weil die gedanklichen Ressourcen der Philosophie bislang nicht zureichten, um eine verbindlich-allgemeingültige Subjektivität von einer unverbindlich-privaten hinreichend scharf zu unterscheiden. Gerade die Religion sieht Hegel als Bündnispartnerin, wenn es um diese Unterscheidung zu tun ist - was tragischerweise nur diejenige Philosophie (an)erkennt, die sich selbst nicht schon missverstanden hat. Das jeweilige Religionsverständnis einer Philosophie ist - in diesem Sinne - also zugleich ein Index ihrer eigenen Wahrheit. Das Seminar möchte dieses - in vielerlei Richtung einschlägige - -Dritte- entlang der genannten Texte Kants und Hegels präzise erkunden und die dort entwickelten Gedanken in zeitgemäß-systematischer Absicht fruchtbar machen. Immanuel Kant: Vom Meinen, Wissen und Glauben (KrV B 848-858) [Jede gebräuchliche Ausgabe der Kritik der reinen Vernunft kann verwendet werden, benötigt wird jedoch das gesamte Werk, nicht nur die genannte Passage!] Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Glauben und Wissen [in: G.W.F. Hegel, Werke in 20 Bänden, Band 2: Jenaer Schriften (1801-1807), Frankfurt am Main (Suhrkamp), beliebige Auflage, S. 287-433] Eine lesenswerte Einführung in das historische wie thematische Feld dieses Seminars bietet: Walter Jaeschke, Hegel-Handbuch. Leben-Werk-Schule, Stuttgart 22010, S. 136-144 [= Abschnitt 4.5.5. -Glauben und Wissen-] Voraussetzungen Grundkenntnisse der kantischen Philosophie Leistungsnachweis Hausarbeit [9 ECTS-Punkte] Anmeldung Eine LSF-Belegung oder sonstige Voranmeldung ist nicht erforderlich. Downloads DateinameBeschreibunggültig vongültig bis Semesterplan.pdf Semesterplan Literatur.pdf Literatur Richtlinien Hausarbeit.pdf Richtlinien Hausarbeit Zum Download müssen Sie angemeldet sein! Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft Grundkenntnisse der kantischen Philosophie Hausarbeit [9 ECTS-Punkte] LMU München WiSe 1415 Oehl Thomas