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Uni-München
14. März 2017

Fortgeschrittenenseminar Indexikalischer und non indexikalischer Kontextualismus Blockseminar

Für viele Bereiche der Sprache, von Wissenszuschreibungen bis moralischen Urteilen, herrscht die verbreitete Ansicht, dass unter der Sprachoberfläche der in Frage stehenden Sätze eine zusätzliche Argumentstelle in der logisch-semantischen Tiefe verborgen liege, die bei einer korrekten logischen bzw. begrifflichen Analyse...

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Für viele Bereiche der Sprache, von Wissenszuschreibungen bis moralischen Urteilen, herrscht die verbreitete Ansicht, dass unter der Sprachoberfläche der in Frage stehenden Sätze eine zusätzliche Argumentstelle in der logisch-semantischen Tiefe verborgen liege, die bei einer korrekten logischen bzw. begrifflichen Analyse mit berücksichtigt werden müsse. Die Belegung dieser Argumentstelle, die Bestimmung des Werts des verborgenen Parameters, sei durch den Kontext festgelegt, in dem die Sätze geäußert werden, z.B. durch den Sprecher und dessen epistemisches oder moralisches System. Der Satz drückt also erst im Äußerungskontext eine wahrheitsfähige Proposition aus, die durch diesen Kontext bestimmt wird. Der Wahrheitswert der Proposition wird dann, in einem zweiten Schritt, durch die Auswertungsumstände (eine mögliche Welt) festgelegt, in denen (in der) der Satz semantisch als wahr oder falsch bewertet wird. Dies ist der -klassische- Kontextualismus, auch indexikalischer Kontextualismus genannt. Ihm wurde neuerdings ein non-indexikalischer Konkurrent gegenübergestellt: Auch jetzt wird der Wert des verborgenen Parameters im Äußerungkontext festgelegt, doch die in Frage stehenden Sätze weisen keine versteckte Argumenstelle auf, sie sind schon logisch-semantisch vollständig, drücken eine wahrheitsfähige Proposition aus - nur dass der Wahrheitswert der Proposition selbst vom Äußerungskontext abhängig ist. Dies wird von den Vertretern dieser Form des Kontextualismus als Verbesserung der logisch-semantischen Analyse der in Frage stehenden Sätze betrachtet. Im Seminar weden wir wichtigsten und neueren Texte zu beiden Formen des Kontextualismus diskutieren. Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft Sehr gute Kenntnisse in der Sprachphilosophie, insbesondere Semantik, sowie solide Grundkenntnisse in formaler Logik Hausarbeit LMU München SoSe 2016 PD Dr. Harth Manfred