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Uni-Hannover
14. März 2017

Westliche Wertegemeinschaft vor dem Kollaps Zur Krise und möglichen Erneuerung eines Weltmodells

Für uns Europäer verkörpert die EU die institutionelle Form unseres Wertsystems. Sie schien uns bisher eine Selbstverständlichkeit, bedeutete der Mehrheit der Bevölkerung aber nicht allzu viel und zog meist nur dann größeres Interesse auf sich, wenn als überflüssig und unsinnig...

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Für uns Europäer verkörpert die EU die institutionelle Form unseres Wertsystems. Sie schien uns bisher eine Selbstverständlichkeit, bedeutete der Mehrheit der Bevölkerung aber nicht allzu viel und zog meist nur dann größeres Interesse auf sich, wenn als überflüssig und unsinnig empfundene Direktiven -aus Brüssel- bekannt gemacht wurden. Die von solchen Nachrichten ausgelösten Dispute mögen dazu beigetragen haben, dass das Bewusstsein für das, was Europa zusammenhält, hierzulande eher unterentwickelt geblieben ist. Die Finanz- und Bankenkrise zog da schon mehr Aufmerksamkeit auf sich, löste sie doch so manche Befürchtungen aus, dass -wir Deutschen- am Ende für die Misswirtschaft anderer Staaten bezahlen müssten. Schon zu dieser Zeit strandeten jährlich Tausende von Flüchtlingen in Südeuropa, besonders in Italien und Griechenland. Doch erst als der nicht abreißende Flüchtlingsstrom über die sogenannte Balkanroute Mitteleuropa erreichte und im vergangenen Jahr eine Million Flüchtlinge, sei es legal oder illegal, mit oder ohne Registrierung im Ankunftsstaat, nach Deutschland kamen, wurde Europa ernsthaft zum Thema der breiteren Öffentlichkeit und wird derzeit zunehmend kontrovers diskutiert. Welche Werte sind es eigentlich, von denen wir überzeugt sind, dass sie unseren Kontinent und die westliche Welt insgesamt zusammenhalten und es wert sind, von den Menschen in aller Welt übernommen zu werden? Haben die Terrorakte der jüngsten Zeit eine ernsthafte Besinnung auf unsere Werte hervorgebracht? Oder nur die Entschlossenheit, uns in unserem freizügigen Lebensstil nicht einschränken zu lassen, ohne dafür selber etwas leisten zu müssen? Vieles spricht dafür, dass der unreflektiert für unangreifbar gehaltenen Gemeinschaft Europas die Spaltung droht und die viel beschworene westliche Wertegemeinschaft tatsächlich vor dem Kollaps steht. Diese Vorlesung soll in einem ersten Schwerpunkt die Frage untersuchen, welche Werte für unsere Kultur maßgeblich sind, wie sie sich im Laufe von Jahrhunderten entwickelt und verändert haben und was davon bis heute Kern unseres Selbstverständnisses als Europäer ist. Der zweite Schwerpunkt wird sich mit den äußeren und inneren Bedrohungen des europäischen Wertsystems befassen. Der dritte und letzte Schwerpunkt soll der Frage gewidmet sein, wie sich die europäische Wertegemeinschaft bewahren bzw. erneuern lässt, welche aktuellen Ansatzpunkte es dafür gibt, welche Modifikationen ggf. erforderlich sind und wie sie den Wertsystemen anderer Kulturen begegnen soll. Kann die Globalisierung zu einer weltweiten Verständigung über gemeinsame und nicht zur Disposition stehende Grundwerte beitragen und deren Umsetzung voranbringen, oder wird sie im globalen Wettbewerb wirtschaftlicher, territorialer und politischer Interessen verharren oder als -Globalisierung der Gleichgültigkeit- (Papst Franziskus) die gegenwärtige Phase der Menschheitsgeschichte prägen? Als Auftakt zum dritten Themenkomplex ist eine Sonderveranstaltung mit dem Thema Traditionelle und aktuelle Formen sozialen Engagements. Was leistet Corporate Social Responsibility (CSR)? am Donnerstag 16.06. 2016 geplant, die an das Vortragsthema der offiziellen GHS-Einführungsveranstaltung zum WS 2015/16 (12.10.2015) anschließt, den dort nicht mehr behandelten Stoff nachholt und diesen gleichzeitig in das neue Vortragsthema einrückt. Bitte beachten Sie die separate Ankündigung im Vorlesungsverzeichnis des Gasthörenden- und Seniorenstudiums. Gasthörendenstudium Anmeldungen sind ab Dienstag, 22. März 2016, 09:00 Uhr möglich.: Persönlich im Gasthörendenbüro oder per E-Mail:ghs-info@zew.uni-hannover.de Info-Veranstaltung: Donnerstag, 07. April 2016, 16:15 - 17:45 Uhr Universität Hannover SoSe 2016 Prof. Dr. phil. Rohloff Heide phil