Uni-Hannover
14. März 2017Gefühl und Genie 8211 literarische Konzepte der Empfindsamkeit und des Sturm und Drang
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts kommt es zu einer Vielzahl von neuen Erscheinungsformen auf dem philosophischen und literarischen Sektor. Der Rationalismus und Logozentrismus frühaufklärerischer Prägung erweist sich als defizitär, Erfahrung und Sinneswahrnehmungen als menschliche Vermögen werden in den...
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Jetzt Lernplan erstellenIn der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts kommt es zu einer Vielzahl von neuen Erscheinungsformen auf dem philosophischen und literarischen Sektor. Der Rationalismus und Logozentrismus frühaufklärerischer Prägung erweist sich als defizitär, Erfahrung und Sinneswahrnehmungen als menschliche Vermögen werden in den neuen Disziplinen Anthropologie und Ästhetik entscheidend aufgewertet. Die Literatur als ein wichtiges Medium dieser neuen Subjektivität wird -empfindsam-, eine Wortneuschöpfung Lessings in Übersetzung des englischen -sentimental-. Mitverantwortlich ist eine religiöse Neuorientierung unter dem Einfluss des Pietismus. Das Gefühl wird neben der Vernunft entscheidende Instanz, ohne allerdings mit ihr in Widerspruch zu treten.
In den siebziger Jahren nimmt eine neue Generation diesen Diskurs auf und bildet mit dem Sturm und Drang eine Avantgarde-Bewegung aus. Die Aufklärung als Grundhaltung erfährt hier -Kulmination und Umschlag- (Kaiser), das Genie leitet zu einem neuen Autorbegriff und den Beginn der literarischen Moderne über.
Wichtige Namen und Texte kennzeichnen diese entscheidende Phase der Ausdifferenzierung und des Übergangs, in der eindeutige Zuordnungen und Grenzziehungen auf dem Prüfstein stehen. Goethes -Werther- tritt zu Klopstocks Oden in intertextuelle Beziehung, der Freiheitsdrang der Schillerschen -Räuber- führt in Aporien auch hinsichtlich des Freundschaftskultes der Epoche. Moritz‘ -Anton Reiser- weist die Schattenseiten des seelenzergliedernden Pietismus nach, das empfindsame Weiblichkeitsideal in Gellerts -Schwedischer Gräfin- ist ein anderes als bei Sophie von La Roches -Fräulein von Sternheim-. Das Seminar will versuchen, in der Lektüre die Vielgestaltigkeit und impulsgebende Kraft dieser Zeit als entscheidend für die Weiterentwicklung der Literatur zum Vorschein zu bringen.
Für die Studienleistung ist die Mitgestaltung einer Sitzung (z.B. in Form von Impulsreferat, Thesenpapier/Handout, Moderation) erforderlich, für die Prüfungsleistung die Anfertigung einer wissenschaftlichen Hausarbeit im in der jeweiligen Prüfungsordnung festgelegten Umfang.
Ein Reader wird bereitgestellt.
Zur Einführung:
Gerhard Kaiser: Aufklärung, Empfindsamkeit, Sturm und Drang. 6., erw. Aufl. Tübingen: Francke 2007. Gerhard Sauder: Theorie der Empfindsamkeit und des Sturm und Drang. Stuttgart: Reclam 2003.
Darstellendes Spiel, Bachelor (fachübergr.)
Teilnehmerzahl: 30.
Universität Hannover
WiSe 2015/16
Deutsch, Master LA Gymnasium
Dr.
Antoine Annette