Uni-Siegen
14. März 2017Gegen die Massen Stationen der Demokratiekritik in der Geschichte des politischen Denkens
In der Geschichte des politischen Denkens hatte die Demokratie lange Zeit keinen guten Leumund. Vor allem bei den führenden Autoren der Antike war die -Demokratie- ein ausgesprochen negativ besetzter Begriff. Gegen die Herrschaft des Volkes wurden dabei ganz unterschiedliche Argumente...
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Jetzt Lernplan erstellenIn der Geschichte des politischen Denkens hatte die Demokratie lange Zeit keinen guten Leumund. Vor allem bei den führenden Autoren der Antike war die -Demokratie- ein ausgesprochen negativ besetzter Begriff. Gegen die Herrschaft des Volkes wurden dabei ganz unterschiedliche Argumente in Stellung gebracht: Die Demokratie beteilige unqualifierte Bürger an der Politik, sie kompliziere unnötig politische Entscheidungsgänge und produziere generell schlechte Resultate, sie verderbe die politische Kultur oder sei schlicht eine amoralische Ordnung.
Nun hat die moderne Demokratie als gewaltenteilige und repräsentative Staatsverfassung mit ihren Vorläufern aus der Antike, wo man unter Ausschluss weiter Teile der Bevölkerung und ohne institutionelle Zähmung des Volkswillens -direkte Demokratie- praktizierte, nicht viel mehr gemein als den Namen. Der pejorative Gebrauch des Wortes blieb jedoch bis weit in die Neuzeit hinein im Wesentlichen unverändert. Erst bei Spinoza und Rousseau finden wir überhaupt Versuche, die Demokratie neu und positiv zu bestimmen. Die affirmative Verwendung des Begriffs setzte sich aber erst in einem allmählichen, von gewaltigen ideologischen Auseinandersetzungen begleiteten Prozess in der Mitte des 20. Jahrhunderts durch.
Heute ist die semantische Transformation der Demokratie zu einem positiv besetzten Schlüsselbegriff der politischen Auseinandersetzung abgeschlossen – zumindest im westlichen Kulturkreis. Die Demokratie findet hierzulande zwar viele interne Kritiker, aber kaum noch grundsätzliche Gegner. Anders stellt sich die Situation freilich in Ländern mit abweichenden Politik-, Rechts- und Religionstraditionen und hochgradiger Machtkonzentration dar, in denen das Individuum stark in Kollektive eingebunden ist oder Staat und Religion fusioniert sind.
Ziel des Kurses:
Ausgehend von der Antike wollen wir in diesem Seminar verschiedene Stationen der Demokratiekritik in der Geschichte des politischen Denkens bis in die Gegenwart hinein kennenlernen. Dabei steht zunächst die Rekonstruktion und Diskussion der Schlüsseltexte wichtiger Demokratiekritiker im Mittelpunkt. Als mögliche Autoren kommen für die ideengeschichtliche Auseinandersetzung u. a. und je nach Interessenlage der Teilnehmer in Frage: Platon, Aristoteles, Edmund Burke, Robert Michels, Carl Schmitt, Johannes Agnoli, F. A. Hayek, Alain de Benoist, Chantal Mouffe oder Colin Crouch. Anschließend wollen wir versuchen, wiederkehrende Argumentationsmuster zu identifizieren und verschiedene Arten der Kritik zu unterscheiden und zu klassifizieren. Richten sich die Einwände gegen die Demokratie überhaupt oder lediglich gegen bestimmte Formen (oder Verformungen)?
Fakultät I - Philosophische Fakultät
Universität Siegen
SoSe 2013
M.A.
Erbentraut Philipp M.A