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14. März 2017Gendertheorien Beauvoir Butler Bourdieu
Mit der Naturalisierung der Geschlechterunterschiede im 18. Jahrhundert ließ sich die faktische soziale und politische Ungleichheit von Mann und Frau bequem mit Hilfe der biologischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern begründen. Für die sich Mitte des 20. Jahrhunderts herausbildende feministische Theorie...
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Jetzt Lernplan erstellenMit der Naturalisierung der Geschlechterunterschiede im 18. Jahrhundert ließ sich die faktische soziale und politische Ungleichheit von Mann und Frau bequem mit Hilfe der biologischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern begründen. Für die sich Mitte des 20. Jahrhunderts herausbildende feministische Theorie und die sich später daraus entwickelnden Gender Studies stellte die vermeintliche Naturgegebenheit der Geschlechterunterschiede daher auch die größte Herausforderung dar: Männlichkeit und Weiblichkeit seien nicht als biologisches Faktum, sondern als gesellschaftliche und kulturelle Konstruktionen zu verstehen. Das jedenfalls ist der Kerngedanke der beiden Klassiker der Frauen- bzw. Geschlechterforschung, mit denen wir uns in diesem Seminar beschäftigen werden: Simone de Beauvoirs 1949 – vier Jahre nachdem Frauen in Frankreich zum ersten Mal wählen durften – erschienene philosophische Untersuchung Le deuxième sexe und Judith Butlers Gender Trouble. Feminism and the Subversion of Identity (1990). Ergänzend werden wir Pierre Bourdieus soziologische Studie La domination masculine (1998) hinzuziehen. Unser Ziel ist es, die wichtigsten Thesen und Argumente dieser AutorInnen herauszuarbeiten, Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufzudecken und ihre Leistungen und Grenzen kritisch zu würdigen. Ich werde auf jeden Fall von mir aus ein Lektüreprogramm und Themenspektrum vorschlagen, bin aber gerne bereit, mich bei der konkreten Arbeit nach Ihren Wünschen und Interessen zu richten und vor allem auch nach dem, was Sie/wir zu lesen und vorzubereiten bereit und in der Lage sind. Jeder dieser Texte stellt den Leser/die Leserin nämlich vor andere Schwierigkeiten: Simone de Beauvoir breitet auf mehr als 900 Seiten eine riesige Materialfülle aus, Judith Butler denkt nicht nur philosophisch kompliziert, sondern schreibt auch so, und Bourdieu verwendet eine soziologische Terminologie, mit der man sich erst einmal vertraut machen muss. Ein detaillierter Programmvorschlag für unser Seminar und eine Auswahlbibliographie werden noch vor Semesterbeginn über das Lernmanagementsystem Moodle (siehe Homepage ZIMT) abrufbar sein. Bitte sehen Sie sich deshalb rechtzeitig Moodle an!
Romanistik - Französische und spanische Literaturwissenschaft
Teilnahmevoraussetzungen:
Neben regelmäßiger Anwesenheit und aktiver Mitarbeit erwarte ich von jedem Teilnehmer/jeder Teilnehmerin, dass er/sie sich wenigstens einen der behandelten Texte anschafft und vor Semesterbeginn möglichst komplett liest. Es wäre schön, wenn Sie die Texte von Beauvoir und Bourdieu im französischen Original lesen bzw. lesen könnten. Es gibt aber auch von allen behandelten Texten erschwingliche deutsche Übersetzungen:
• Simone de Beauvoir, Das andere Geschlecht: Sitte und Sexus der Frau, aus dem Französischen von Uli Aumüller und Grete Osterwald, 11. Auflage, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2000. (941 Seiten) (€ 12,99)
• Judith Butler, Das Unbehagen der Geschlechter. Gender Studies, aus dem Amerikanischen von Kathrina Menke, 15. Auflage, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1991 (236 Seiten) (€ 11,00)
• Pierre Bourdieu, Die männliche Herrschaft, aus dem Französischen von Jürgen Bolder, 5. Auflage, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2005 (212 Seiten) (€ 19,90)
Kommentar
Mit der Naturalisierung der Geschlechterunterschiede im 18. Jahrhundert ließ sich die faktische soziale und politische Ungleichheit von Mann und Frau bequem mit Hilfe der biologischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern begründen. Für die sich Mitte des 20. Jahrhunderts herausbildende feministische Theorie und die sich später daraus entwickelnden Gender Studies stellte die vermeintliche Naturgegebenheit der Geschlechterunterschiede daher auch die größte Herausforderung dar: Männlichkeit und Weiblichkeit seien nicht als biologisches Faktum, sondern als gesellschaftliche und kulturelle Konstruktionen zu verstehen. Das jedenfalls ist der Kerngedanke der beiden Klassiker der Frauen- bzw. Geschlechterforschung, mit denen wir uns in diesem Seminar beschäftigen werden: Simone de Beauvoirs 1949 – vier Jahre nachdem Frauen in Frankreich zum ersten Mal wählen durften – erschienene philosophische Untersuchung Le deuxième sexe und Judith Butlers Gender Trouble. Feminism and the Subversion of Identity (1990). Ergänzend werden wir Pierre Bourdieus soziologische Studie La domination masculine (1998) hinzuziehen. Unser Ziel ist es, die wichtigsten Thesen und Argumente dieser AutorInnen herauszuarbeiten, Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufzudecken und ihre Leistungen und Grenzen kritisch zu würdigen. Ich werde auf jeden Fall von mir aus ein Lektüreprogramm und Themenspektrum vorschlagen, bin aber gerne bereit, mich bei der konkreten Arbeit nach Ihren Wünschen und Interessen zu richten und vor allem auch nach dem, was Sie/wir zu lesen und vorzubereiten bereit und in der Lage sind. Jeder dieser Texte stellt den Leser/die Leserin nämlich vor andere Schwierigkeiten: Simone de Beauvoir breitet auf mehr als 900 Seiten eine riesige Materialfülle aus, Judith Butler denkt nicht nur philosophisch kompliziert, sondern schreibt auch so, und Bourdieu verwendet eine soziologische Terminologie, mit der man sich erst einmal vertraut machen muss. Ein detaillierter Programmvorschlag für unser Seminar und eine Auswahlbibliographie werden noch vor Semesterbeginn über das Lernmanagementsystem Moodle (siehe Homepage ZIMT) abrufbar sein. Bitte sehen Sie sich deshalb rechtzeitig Moodle an!
Für 2 KP: Referat (Vortrag, Präsentation, Thesenblatt); für 5/7 KP: zusätzlich längere schriftliche Arbeit.
Universität Siegen
WiSe 2011/12
Univ.-Prof. Dr.
von Tschilschke Christian