Geschichte Amazoniens Kolonialzeit bis Gegenwart
Zum Verständnis der gegenwärtigen sozialen Prozesse in Amazonien sind historische Kenntnisse unabdingbar. Es werden die kolonialzeitlichen und in die frühe republikanische Zeit fallenden gesellschaftlichen Strömungen und Unternehmungen charakterisiert sowie die unterschiedlichen Entwicklungen im Machtbereich der portugiesischen und spanischen Krone herausgearbeitet....
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Jetzt Lernplan erstellenZum Verständnis der gegenwärtigen sozialen Prozesse in Amazonien sind historische Kenntnisse unabdingbar. Es werden die kolonialzeitlichen und in die frühe republikanische Zeit fallenden gesellschaftlichen Strömungen und Unternehmungen charakterisiert sowie die unterschiedlichen Entwicklungen im Machtbereich der portugiesischen und spanischen Krone herausgearbeitet. Eine besondere Bedeutung kommt dem sogenannten Kautschukboom zu (ca. 1880-1920), der die weltmarktabhängige Erschliessung Amazonien einleitete. Anhand historischer Quellen wie der Studie von Sir Casement, den Akten des Untersuchungsausschusses des Britischen Unterhauses zum Völkermord an den Huitoto am Putumayo (1915-16) und neuen britischen Forschungen sollen die weitreichende Konsequenzen für die indigenen Völker dargestellt werden, aber auch erste Ansätze einer Internationalisierung dieses Strafrechtbestandes. Ausserdem ist geplant, die Arbeitsabläufe und Produktionsketten während des Kautschukbooms darzustellen. Im letzten Teil der Veranstaltung wird auf die Entwicklung der letzten 30-40 Jahre eingegangen. Auch hier sollen Unterschiede des brasilianischen Entwicklungsweges gegenüber den spanischsprachigen Ländern aufgezeigt werden. Als roter Faden eignet sich hier die Entwicklung der Indianerpolitik in den jeweiligen Ländern, an der sich Konflikte bei der Durchsetzung praktisch aller politischen und wirtschaftlichen Projekte in Amazonien entzündeten, die aber auch zur Herausbildung heutzutage wichtiger sozialer Bewegungen führte. Zum Schluss soll der gegenwärtig in Brasilien und Peru zu beobachtende Prozess der povos ressurgidos zur Sprache kommen. Es handelt sich um gesellschaftliche Gruppen, die sich auf ihre indigenen kulturellen Wurzeln besinnend, ihre indigene Identität rekonstruieren und entsprechende politische Rechte einfordern. Anhand einiger Beispiele (Tupinambá, Cocama) sollen die theoretischen Probleme bei der Definierung von Konzepten wie kulturelle Identität dargestellt werden.
FB 05 Gesellschaftswissenschaften Uni Kassel WS 2006/2007 Soziologie Dr. Rummenhöller Klaus