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Uni-Siegen
14. März 2017

Grenzgänger zwischen Spanien und Afrika

Aus nahe liegenden geographischen und kulturhistorischen Gründen weist die spanische Literatur, die sich mit Nordafrika beschäftigt, ein weites Spektrum kultureller Grenzgängerfiguren auf: Konvertiten, Renegaten, Spione, Schmuggler, Söldner, Kaufleute Forschungsreisende, Exilanten, Flüchtlinge usw. Das Korpus einschlägiger Erzähltexte reicht, um nur einige...

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Aus nahe liegenden geographischen und kulturhistorischen Gründen weist die spanische Literatur, die sich mit Nordafrika beschäftigt, ein weites Spektrum kultureller Grenzgängerfiguren auf: Konvertiten, Renegaten, Spione, Schmuggler, Söldner, Kaufleute Forschungsreisende, Exilanten, Flüchtlinge usw. Das Korpus einschlägiger Erzähltexte reicht, um nur einige der bekanntesten Werke zu nennen, von Cervantes’ Don Quijote (1605/1615), José Cadalsos Cartas marruecas (1774) und Ali Beys (das ist Domingo Badía y Leblich) Viajes por Marruecos (1803-1807) über Pedro Antonio de Alarcóns Diario de un testigo de la Guerra de Africa (1859) und Benito Pérez Galdós’ Aita Tettauen (1905) bis zu Ramón José Senders Imán (1930) und den Romanen und autobiographischen Schriften Juan Goytisolos. In einem Längsschnitt, der noch vor dem 17. Jahrhundert ansetzt und bis in die Gegenwart des 21. Jahrhunderts ausgreift, wollen wir im Seminar anhand exemplarischer Analysen die historischen Transformationen, Brüche, Kontinuitäten und Topoi in den unterschiedlichen Modellierungen der Grenzgänger zwischen Spanien und Afrika systematisch herausarbeiten und miteinander vergleichen. Für das 20. und 21. Jahrhundert ist auch die Berücksichtigung von Filmen vorgesehen. Den theoretischen Hintergrund bilden hauptsächlich die Interkulturalitätsforschung, die postkoloniale Theorie und die Narrotologie. Wir werden uns daher auch mit einigen zentralen Texten dieser literatur- und kulturwissenschaftlichen Forschungsrichtungen beschäftigen. Im Wesentlichen soll drei Leitfragen nachgegangen werden: Welche Semantisierungen, Funktionalisierungen und Bewertungen erfahren diese so faszinierenden wie provozierenden Figuren, welche historischen und diskursiven Grundlagen sind dafür jeweils ausschlaggebend, und inwiefern werden die aus heutiger Sicht mit der Gestaltung von Grenzgängerfiguren unweigerlich verknüpften epistemologischen Probleme von den Autoren/Erzählern erkannt, reflektiert und narrativ bewältigt? Die Seminardauer ist mit drei Stunden angegeben, weil wir uns in einigen Sitzungen voraussichtlich auch Filme ansehen werden. Die regelmäßigen Sitzungen werden aber die übliche Dauer von zwei Stunden nicht überschreiten. Ein genaues Programm des Seminars und eine Auswahlbibliographie werden noch vor Semesterbeginn über das Lernmanagementsystem Moodle (siehe Homepage ZIMT) abrufbar sein. Bitte machen Sie sich deshalb rechtzeitig mit Moodle vertraut! Romanistik - Französische und spanische Literaturwissenschaft Teilnahmevoraussetzungen: Neben regelmäßiger Anwesenheit und aktiver Mitarbeit erwarte ich von jedem Teilnehmer/jeder Teilnehmerin, dass er/sie wenigstens einen der behandelten Texte – in der Regel den, über den er/sie referiert – komplett liest. Zur vorbereitenden Lektüre empfehle ich unter anderem: Hannie Birk/Birgit Neumann, -Go-Between: Postkoloniale Erzähltheorie-, in: Ansgar Nünning/Vera Nünning (Hrsg.), Neue Ansätze in der Erzähltheorie, Trier: Wiss. Verlag, 115-152 und Gudrun Rath, -‚Hybridität’ und ‚Dritter Raum’. Displacements postkolonialer Modelle-, in: Eva Esslinger u.a. (Hrsg.), Die Figur des Dritten. Ein kulturwissenschaftliches Paradigma, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2010, 137-149. Für 2 KP: Referat (Vortrag, Präsentation, Thesenblatt); für 5/7 KP: zusätzlich längere schriftliche Arbeit. Universität Siegen WiSe 2011/12 Univ.-Prof. Dr. von Tschilschke Christian