Zurück zum Vorlesungsverzeichnis
Uni-Kassel
14. März 2017

Hauptseminar Das Ganze ist das Unwahre Fragment und Zerfall in der zeitgenössischen Literatur

Spätestens seit der Romantik übt das Unvollständige, das Nicht-Abgeschlossene, das Fragmentarische einen besonderen Reiz auf Künstler aller Provenienzen aus. In der zeitgenössischen Literatur ist ein kohärentes Weltbild kaum mehr denkbar, Autoren des späten 20. und 21. Jahrhunderts thematisieren den Zerfall...

Erstelle deinen persönlichen Lernplan

Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.

Jetzt Lernplan erstellen
Spätestens seit der Romantik übt das Unvollständige, das Nicht-Abgeschlossene, das Fragmentarische einen besonderen Reiz auf Künstler aller Provenienzen aus. In der zeitgenössischen Literatur ist ein kohärentes Weltbild kaum mehr denkbar, Autoren des späten 20. und 21. Jahrhunderts thematisieren den Zerfall des Ichs, der Gesellschaft, der Welt, aber auch der Kunst und des Zusammenhangs: • Peter Handke: Wachst du nie auf, und es gibt den Zusammenhang nicht mehr? (Die Stunde der wahren Empfindung, 1975) • Thomas Bernhard: Wir halten das Ganze und Vollkommene nicht aus. (Alte Meister, 1985) • Botho Strauß: Alle Zusammenhänge haben enttäuscht. (Zeit ohne Vorboten, 1999) • Dea Loher: ich werde mich ganz dem Fragment, dem Lückenhaften, dem Unvollkommenen, dem Bruch, dem Rest, dem Unverstandenen, dem Bodensatz, dem Zerfallenden, dem einzelnen kleinsten Fastnichts widmen. [...] Das ist die Herausforderung des Lebens. Die Unzuverlässigkeit der Welt. (Unschuld, 2003) • Ernst Jandl: fragment wenn die rett es wird bal übermor bis die atomb ja herr pfa (Laut und Luise, 1966) • Theodor W. Adorno: Das Ganze ist das Unwahre. (Minima Moralia, 1951) • G.W.F. Hegel: Das Wahre ist das Ganze. (Phänomenologie des Geistes, 1807) Im Seminar sollen zunächst folgende Texte besprochen werden: • Rainald Goetz: Rave (1999) • Thomas Bernhard: Alte Meister (1985) • Heiner Müller: Hamletmaschine (1976) Anschließend können wir zwischen folgenden Werken auswählen, wobei auch weitere Vorschläge willkommen sind. • Peter Handke: Die Angst des Torwarts beim Elfmeter (1970) • Wilhelm Genazino: Ein Regenschirm für diesen Tag (2001) • Dea Loher: Unschuld (2003) • Durs Grünbein: Aktiv (2004) • Ewald Palmetshofer: hamlet ist tot. keine schwerkraft (2007) • Botho Strauß: Leichtes Spiel (2008) • Daniel Kehlmann: Ruhm. Ein Roman in neun Geschichten (2009) • Dorothee Elmiger: Einladung an die Waghalsigen (2010) Bitte beachten Sie, dass das Seminar mit einem hohen Lektüreaufwand verbunden ist. Michael Braun: -Hörreste, Sehreste-. Das literarische Fragment bei Büchner, Kafka, Benn und Celan. Köln u.a. 2002. Lucien Dällenbach / Christiaan L. Hart Nibbrig (Hg.): Fragment und Totalität. Frankfurt/Main 1984. Rüdiger Görner: Das Zeitalter des Fraktalen. Ein kulturkritischer Versuch. Wien 2007. Bemerkung LitWiss HS FB 02 Institut für Germanistik Uni Kassel SoSe 2011 Germanistik/Deutsch Germanistik HF Dr. Wicke Andreas