Zurück zum Vorlesungsverzeichnis
Uni-München
14. März 2017

Hauptseminar Das Heilige und das Komische mittelalterliche und frühneuzeitliche Legendenschwänke

Das Heilige ist uns innerhalb unserer eigenen Kultur historisch fremdgeworden, und die gegenwärtige Konfrontation mit entsprechenden Phänomenen anderer Kulturkreise löst bei uns überwiegend Befremden aus. Alteritär ist das Heilige also gleich in doppelter Hinsicht: zum einen, weil es selbst schon...

Erstelle deinen persönlichen Lernplan

Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.

Jetzt Lernplan erstellen
Das Heilige ist uns innerhalb unserer eigenen Kultur historisch fremdgeworden, und die gegenwärtige Konfrontation mit entsprechenden Phänomenen anderer Kulturkreise löst bei uns überwiegend Befremden aus. Alteritär ist das Heilige also gleich in doppelter Hinsicht: zum einen, weil es selbst schon ein scharf vom alltäglich Erfahrbaren und Geltenden abgegrenztes Besonderes ist, und zum andern, weil der aufgeklärte europäische Rationalismus die epistemische Unbedingtheit und die soziale Verbindlichkeit des Heiligen nurmehr aus geschichtlicher oder interkultureller Distanz wahrzunehmen vermag. Erst diese Distanz ermöglicht es allerdings auch, das Heilige nicht seinem Wesen nach, sondern als die eine Seite einer kulturell und sozial variablen Unterscheidung zu begreifen – aber gerade im Horizont solcher konsequent differenztheoretischen Konzeptionen fallen dann an vormodernen Zeugnissen irritierende Unabgestimmtheiten und Überlagerungen auf: Das Heilige scheint viel weniger klar und eindeutig von Weltlichem und Profanem getrennt, als man erwarten könnte. Insbesondere auch Formen der Komik begegnen in mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Literatur häufig überraschend eng bezogen auf heilige Figuren und Handlungen, Zeiten und Räume. Im Seminar soll diese Alterität des vormodernen Heiligen anhand von Textbeispielen diskutiert werden, die einem gattungsklassifikatorisch nicht streng einzugrenzenden Bereich zwischen legendarischen und schwankhaften Erzählformen zuzurechnen sind. Dabei interessieren nicht nur die aus heutiger Sicht skandalös schroffen, blasphemisch erscheinenden Konfrontationen des Hohen mit dem Niederen, des Erbaulichen mit dem Lächerlichen, der maximierten Bedeutsamkeit mit der Unterminierung von Sinnsetzungen, sondern vor allem auch implizite strukturelle Konvergenzen von Legende und Schwank – etwa im Hinblick auf die Bestätigung der Norm durch Transgression, auf die Ambivalenz von Gewaltakten, auf die analoge Funktionalität von Mirakel und Intrige oder auch auf den liminalen Status von Heiligem und Schwankheld. Ein elektronischer Reader mit Beispieltexten steht ab September auf LSF zur Verfügung. Vorschläge zur Erweiterung des Textkorpus sind willkommen! Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften Grundsätzlich gilt für alle Studiengänge: Wenn es alternative Prüfungsformen gibt, dann liegt die Wahl der Prüfungsform bei dem/der Prüfenden. B.A.-Hauptfach Germanistik: Hausarbeit (ca. 40.000 Zeichen). Die Prüfung wird benotet. Masterseminar der Neueren deutschen Literatur im Rahmen des Gemeinsamer Geistes- und Soz.Wiss. Profilbereichs: Forschungsorientierte Seminararbeit (ca. 45.000 Zeichen). Die Prüfung wird benotet. Masterseminar im Rahmen des M.A.-Studiengangs Germanistische Literaturwissenschaft Forschungsorientierte Seminararbeit (ca. 45.000 Zeichen). Die Prüfung wird benotet. Alle Lehrämter Deutsch (modularisiert): Hausarbeit (30.000-40.000 Zeichen). Die Prüfung wird benotet (Ausnahme: im Freien Bereich im LA GS/HS/RS wird die Prüfung mit bestanden/nicht-bestanden bewertet). Wichtig: Für alle Studiengänge gilt: Rechtsverbindlich ist nur die jeweilige Prüfungs- und Studienordnung in der jeweils aktuell gültigen Fassung. LMU München WiSe 1617 Univ.Prof.Dr. Waltenberger Michael