Uni-München
14. März 2017Hauptseminar Das radikal Böse zwischen Mythos und Menschheitsschicksal
Die längste Zeit ist das Böse als übermächtige, mitunter von den Menschen Besitz ergreifende, metaphysische Macht verstanden und in Gestalt des Teufels personifiziert worden. Mit dem in der Moderne vollendeten Siegeszug des Rationalisierungsprozesses ist das Böse jedoch zum Resultat individueller...
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Jetzt Lernplan erstellenDie längste Zeit ist das Böse als übermächtige, mitunter von den Menschen Besitz ergreifende, metaphysische Macht verstanden und in Gestalt des Teufels personifiziert worden. Mit dem in der Moderne vollendeten Siegeszug des Rationalisierungsprozesses ist das Böse jedoch zum Resultat individueller bzw. politisch-sozialer, jedenfalls aber immanenter und kontingenter Konstellationen umgedeutet und also als jedenfalls vermeidbar eingestuft worden. Sogar Hannah Arendts Fassungslosigkeit über die »Banalität des Bösen« im Fall Eichmann war ein Reflex dieses prinzipiell optimistischen Denkens. Gegen diese Sichtweise spricht allerdings nicht nur, daß die Logik des »tout comprendre, c'est tout pardonner« inakzeptabel ist, sondern auch, daß für die Mordtaten von Anders Breivik, Andreas Lubitz und des »Islamischen Staates« in all ihrer Unterschiedlichkeit Verständnis weder möglich ist, noch produktiv wäre. Was aber bedeutete es, neuerlich über ein radikal Böses nachzudenken und dem Glauben an die soziale Bedingtheit jeglicher Verhaltenspathologien mit dem Literatur-Nobelpreisträger William Golding (Lord of the Flies) zu entgegnen, daß es im Menschen mehr Böses gibt als sich durch gesellschaftliche Pressionen erklären läßt? Birgt dies die Gefahr der Gegenaufklärung, oder wäre die Einsicht in die irreduzible Existenz eines radikal Bösen gar eine Entlastung von ideologieanfälligen, kollektiven Verantwortlichkeitsphantasien? Das Seminar stellt diese und andere Fragen in interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen Germanistik und Politikwissenschaft und entsprechender Befassung mit literarischen Zeugnissen und Deutungsangeboten beider Disziplinen.
Zur Einführung und Vorbereitung:
Peter-André Alt: Ästhetik des Bösen, München 2010; Urs Marti: Böse, das, in: Stefan Gosepath et al. (Hg.): Handbuch der Politischen Philosophie und Sozialphilosophie, Bd. 1, Berlin 2008, S. 154-158; Susan Neiman: Das Böse denken. Eine andere Geschichte der Philosophie, Frankfurt/M. 2004; Christian Schäfer (Hg.): Was ist das Böse? Philosophische Texte von der Antike bis zur Gegenwart, Stuttgart 2014; Christoph Schulte: radikal böse. Die Karriere des Bösen von Kant bis Nietzsche, München 1988; Friedrich Vollhardt: Ausblicke ins Jenseits. Imaginationen der Hölle und ihre Revisionen in der Literatur der Frühen Neuzeit, in: Hieronymus Boschs Erbe, hg.v.d. Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Berlin/München 2015, S. 29-39.
Leistungsnachweis
Grundsätzlich gilt für alle Studiengänge:
Wenn es alternative Prüfungsformen gibt, dann liegt die Wahl der Prüfungsform bei dem/der Prüfenden.
B.A.-Hauptfach Germanistik (2010):
Hausarbeit (ca. 40.000 Zeichen). Die Prüfung wird benotet.
Alle Lehrämter Deutsch (modularisiert) inklusive MA Berufliche Bildung (TUM), MA Wirtschaftspädagogik und Masternebenfach Neuere deutsche Literatur (im MA Soziologie):
Hausarbeit (30.000-40.000 Zeichen). Die Prüfung wird benotet.
UNTER VORBEHALT DER GENEHMIGUNG DER ENTSPRECHENDEN SATZUNG:
Masterseminar der Neueren deutschen Literatur im Rahmen des Gemeinsamer Geistes- und Soz.Wiss. Profilbereichs:
Forschungsorientierte Seminararbeit (ca. 45.000 Zeichen). Die Prüfung wird benotet.
UNTER VORBEHALT DER GENEHMIGUNG DER ENTSPRECHENDEN SATZUNG:
Masterseminar im Rahmen des M.A.-Studiengangs Germanistische Literaturwissenschaft
Forschungsorientierte Seminararbeit (ca. 45.000 Zeichen). Die Prüfung wird benotet.
Wichtig:
Für alle Studiengänge gilt: Rechtsverbindlich ist nur die jeweilige Prüfungs- und Studienordnung in der jeweils aktuell gültigen Fassung.
Fischer, Karsten , Prof.Dr.
Grundsätzlich gilt für alle Studiengänge:
Wenn es alternative Prüfungsformen gibt, dann liegt die Wahl der Prüfungsform bei dem/der Prüfenden.
B.A.-Hauptfach Germanistik (2010):
Hausarbeit (ca. 40.000 Zeichen). Die Prüfung wird benotet.
Alle Lehrämter Deutsch (modularisiert) inklusive MA Berufliche Bildung (TUM), MA Wirtschaftspädagogik und Masternebenfach Neuere deutsche Literatur (im MA Soziologie):
Hausarbeit (30.000-40.000 Zeichen). Die Prüfung wird benotet.
UNTER VORBEHALT DER GENEHMIGUNG DER ENTSPRECHENDEN SATZUNG:
Masterseminar der Neueren deutschen Literatur im Rahmen des Gemeinsamer Geistes- und Soz.Wiss. Profilbereichs:
Forschungsorientierte Seminararbeit (ca. 45.000 Zeichen). Die Prüfung wird benotet.
UNTER VORBEHALT DER GENEHMIGUNG DER ENTSPRECHENDEN SATZUNG:
Masterseminar im Rahmen des M.A.-Studiengangs Germanistische Literaturwissenschaft
Forschungsorientierte Seminararbeit (ca. 45.000 Zeichen). Die Prüfung wird benotet.
Wichtig:
Für alle Studiengänge gilt: Rechtsverbindlich ist nur die jeweilige Prüfungs- und Studienordnung in der jeweils aktuell gültigen Fassung.
LMU München
SoSe 2016
Prof.Dr.
Vollhardt Friedrich