Uni-Dortmund
14. März 2017Projekt F 11 Wechselwirkungen zwischen Gesundheitsversorgung und städtebaulicher Entwicklung von Kommunen in ländlichen Regionen unter Berücksichtigung der demographischen Entwicklung
Die ländlichen Regionen in der Bundesrepublik sind in den kommenden Dekaden mit einer sehr heterogenen Entwicklung hinsichtlich ihrer Einwohnzahlen konfrontiert. Dieses uneinheitliche Bild gilt den Prognosen nach auch für Nordrhein-Westfalen: wirtschaftlich prosperierende ländliche Räume (Niederrhein, Münsterland) stehen solchen Räumen gegen,...
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Jetzt Lernplan erstellenDie ländlichen Regionen in der Bundesrepublik sind in den kommenden Dekaden mit einer sehr heterogenen Entwicklung hinsichtlich ihrer Einwohnzahlen konfrontiert. Dieses uneinheitliche Bild gilt den Prognosen nach auch für Nordrhein-Westfalen: wirtschaftlich prosperierende ländliche Räume (Niederrhein, Münsterland) stehen solchen Räumen gegen, für die teilweise signifikante und flächendeckende Einwohnerverluste prognostiziert werden (Teile der Regionen Sauerland Südwestfalen und Ostwestfalen-Lippe oder der Eifel). Von negativen Bevölkerungsentwicklungen besonders betroffen scheinen die peripheren Regionen, abseits prosperierender Oberzentren und überregionaler Arbeitsmarktzentren mit einer unzureichenden Anbindung an leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur und somit schlechter Anbindung an diese Zentren.
Die demographische Entwicklung spiegelt sich meist in zweifacher Hinsicht wider: einem deutlichen Geburtenrückgang und einer Überalterung der Gesellschaft. Diese Entwicklung bedingt Veränderungen in der Infrastrukturnachfrage: während auf der einen Seite Infrastruktur- und Bildungseinrichtungen wie Spielplätze und Grundschulen geschlossen werden, fehlen andererseits adäquate Versorgungsstrukturen für die wachsende Gruppe der wenig mobilen Senioren.
Wer die verbliebenen Angebote nutzen möchte, muss - bei steigenden Energiepreisen - immer länger werdende Anfahrtswege in Kauf nehmen, die neben dem Geldbeutel auch das individuelle Zeitbudget einschränken. Der ländliche Raum wird damit vielfach für Familien mit kleinen Kindern, aber auch für Hochbetagte, unattraktiv, die sich an Siedlungsbereichen im Dunstkreis von Ballungszentren orientieren. In der Folge finden Firmen vermehrt keine Fachkräfte oder Auszubildende und wandern in andere Regionen ab. Dies hat wiederum sinkende Gewerbesteuereinnahmen und eine ebenfalls abnehmende Kaufkraft der Bürger zur Konsequenz; hinzu kommen verringerte Schlüsselzuweisungen aufgrund der sinkenden Einwohnerzahlen.
Die Spirale des wirtschaftlichen Ausblutens und der sozialen Entmischung (Stichwort: Vergreisung) ländlicher Räume droht sich immer schneller zu drehen.
Die meisten Kommunen haben diese Entwicklung erkannt. Sie versuchten bisher durch die breite Ausweisung von sehr kostengünstigen Wohnbau- und Gewerbegebieten bei minimalen Preisen Neubürger und Neufirmen anzulocken. In den letzten Jahren ist die Gewährleistung der Güter und Leistungen der Daseinsvorsorge in den Fokus der Stadtentwicklungsplanung gerückt.
Die exemplarsich betrachtete Stadt Marsberg nimmt mit ihrem ausgeprägten Gesundheitssektor eine gewisse Sonderstellung ein. Die Stadt Das Mittelzentrum (ca. 21.000 EW) profitiert von der Kompetenz des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (kurz: LWL) als Träger von Fachkliniken vor Ort. Der LWL ist mit ca. 1.700 Arbeitsplätzen gleichzeitig größter Arbeitgeber in Marsberg. Die Stadt weist die größte Psychologendichte innerhalb der Bundesrepublik auf; zudem verfügt sieüber ein örtliches Krankenhaus, welches sich nach der Schließung der Gynäkologie zugunsten der Konzentration auf andere Fachbereiche (Geriatrie) spezialisiert hat.
Aus städtebaulicher Sicht findet die Verzahnung zwischen dem Angebot medizinischer Versorgungsstrukturen und Stadtentwicklung bisher zu wenig Aufmerksamkeit. Aus Sicht der Stadt Marsberg stehen Einwohnerverluste und medizinische Unterversorgung nicht nur in direkter Abhängigkeit zueinander, sondern haben als direkte Folge gravierende Auswirkungen auf stadtstrukturelle Entwicklungen, auf Beschäftigungs- und Bildungsangebote sowie auf Versorgungsstrukturen im (großflächigen) Einzelhandel.
Insbesondere die Wirtschaft fordert eine gesicherte medizinische Versorgung ihrer Mitarbeiter. Für Senioren spielt vor allem die Erreichbarkeit der medizinischen Dienstleistungsangebote eine wichtige Rolle.
Ländliche Mittelzentren sind mit der Herausforderung konfrontiert, dass die – in der Regel kleinen - Krankenhäuser bei schwindenden Bevölkerungszahlen in Ihrer Existenz bedroht sind. Diese Entwicklung wird sich aufgrund politischer Vorgaben (Mindestbetten- bzw. Fallzahlen vermutlich noch forcieren. Es stellt sich die Frage, wie eine ausreichende Notfallversorgung in erreichbarer Nähe gewährleistet werden kann.
Gleichzeitig lässt sich ein deutlicher Nachwuchsmangel bei den niedergelassenen Hausärzten feststellen
Arbeitsschwerpunkte des Projektes könnten sein:
-Analyse der Zusammenhänge zwischen Siedlungsentwicklung und den medizinischen Versorgungsstrukturen. Welche generellen Wechselwirkungen bestehen zwischen Bevölkerungsentwicklung, Siedlungsstruktur und Infrastrukturversorgung im ländlichen Raum?
-Wie kann sich Marsberg als Standort eines medizinischen Clusters strategisch positionieren und regional ausrichten?
-Welche Rolle spielt das Angebot an Gesundheitsdienstleistungen als Standortfaktor für die örtliche und die regionale Wirtschaftslandschaft?
-Welchen Auswirken auf die Gesundheitsversorgung hat die Randlage Marsbergs innerhalb von NRW? Im Nachbarland Hessen herrschen etwa andere Bedingungen bei der Einstufung des Pflegesatzes, sodass die Heimunterbringung deutlich kostengünstiger erfolgen kann.
- Welche Maßnahmen müssen getroffen werden, um junge Mediziner in den ländlichen Raum zu locken?
Bachelor Raumplanung (2012)
B.Sc. RP (2007): Erfolgreicher Abschluss von Modul 2 zur Teilnahme am F-Projekt. (Stichtag: Anmeldung auf der F-Projekt-Börse)
B.Sc. RP (2012): Erfolgreicher Abschluss von Modul 2 zur Teilnahme am F-Projekt. (Stichtag: Anmeldung auf der F-Projekt-Börse)
Prüfung: Modulprüfung (unbenotet), 2 Studienleistungen (unbenotet)
Prüfungsform: Abschlussbericht inkl. Disputation
Studienleistungen: (A) Exposé; (B) Zwischenpräsentation, Plakat und Abstract im Rahmen des Projektmarktes
Technische Universität Dortmund
WiSe 2013/14
Bachelor Raumplanung (2007)
Dipl.-Ing.
Flex Florian