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Uni-Kassel
14. März 2017

Hauptseminar Der Mensch und die imaginären Dinge

Wenn Dinge sinnlich wahrnehmbare, in sich einheitliche Gebilde sind und als solche etwas Körperhaftes haben, so kann man unter imaginären Dingen solche Artefakte verstehen, die zum einen komplex sind, d. h. aus mehreren materiellen Bestandteilen bestehen, und in denen sich...

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Wenn Dinge sinnlich wahrnehmbare, in sich einheitliche Gebilde sind und als solche etwas Körperhaftes haben, so kann man unter imaginären Dingen solche Artefakte verstehen, die zum einen komplex sind, d. h. aus mehreren materiellen Bestandteilen bestehen, und in denen sich zum anderen ein Zusammenhang von Sinn konzentriert, der auf andere Sinnbestände, die außerhalb von ihm liegen, verweist. Je mehr ein imaginäres Ding einen eigenständigen Sinnzusammenhang aufweist, d. h., je weniger es in seinem Sinngehalt von seinen Verweisungen abhängig ist, desto interessanter wird es für die Aufgabe, die es hier zu verfolgen gilt. Die leitende These lautet folglich: Imaginären Dingen wohnt eine philosophische Relevanz inne, die den existenziellen Ort des Menschen betrifft und die aufzudecken Aufgabe einer philosophischen Analyse ist: Diese holt aus dem Ding das Philosophische, das in ihm selbst beschlossen ist, heraus. Die These wird in einer Untersuchung bestimmter Artefakte aus unterschiedlichen Zeiten, Kulturen und Genres zu bewähren sein. Daneben gilt es auch, über die geleistete Arbeit das Methodische solchen Aufschließens zu fixieren. Die Befragung eines Dinges vollzieht sich dabei jeweils in vier Schritten: 1. Aufnahme – Erfassung, Beschreibung, Stand der Forschung; 2. Grundgedanke – Was ist das ‚Philosophische’ im betreffenden Ding?; 3. Durchführung – Aufdecken der Sinnschichten, die das Ding selbst vorgibt; 4. Formulierung eines Ergebnisses. Empfohlene Hintergrundliteratur: Étienne-Louis Boullée: Architektur. Abhandlung über die Kunst, hg. v. Beat Wyss, Zürich/München: Verlag für Architektur, 1987. Horst Bredekamp: Vicino Orsini und der heilige Wald von Bomarzo, Worms: Wernersche Verlagsgesellschaft 1985. André Breton: Die Manifeste des Surrealismus, Reinbek: rororo, 1986. Erin Manning: Relationscapes: Movement, Art, Philosophy, Cambridge MA/London: The MIT Press, 2009. Hans Rainer Sepp: -Linie und Leib. Phänomenologie der Richtung-, in: Guardini Stiftung e.V. (Hg.): Trigon 10. Kunst, Wissenschaft und Glaube im Dialog, Berlin: Berliner Wissenschafts-Verlag 2012, S. 121-136. The Undying Lamp of Zen: The Testament of Zen Master Torei [Shumon mujintoron], übers. v. Thomas Cleary, Boston/London: Shambhala, 2010. FB 02 Institut für Philosophie Uni Kassel SoSe 2015 Lehrveranstaltungspool FB 02 Philosophie der Wissensformen Prof. Dr. Sepp Hans Rainer