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Uni-Kassel
14. März 2017

Hauptseminar Die Arolser Weltchronik Konzept und Planung einer Ausstellung

LitWiss Weltchroniken erzählen im Mittelalter biblische Heilsgeschichte in Text und Bild. Sie führen aber das dort erzählte Geschehen bis in die eigene Gegenwart weiter und ergänzen es um profane Ereignisse, vornehmlich aus der Antike; so begegnen uns auch die Helden...

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LitWiss Weltchroniken erzählen im Mittelalter biblische Heilsgeschichte in Text und Bild. Sie führen aber das dort erzählte Geschehen bis in die eigene Gegenwart weiter und ergänzen es um profane Ereignisse, vornehmlich aus der Antike; so begegnen uns auch die Helden aus Troja oder Karl der Große und Willehalm. Bis weit in die Frühe Neuzeit waren diese ‚Geschichtsbücher‘ äußerst populär. Ihre Verfasser erstellten aus dem Zusammenschnitt bekannter Quellen immer wieder neue Versionen. Je nach Auftraggeber oder auch Herkunft wurden neue Schwerpunkte gesetzt und andere Motive gewählt, wenn sie diese Werke kostbar bebildern ließen, so dass aus jeder Abschrift etwas Einmaliges entstand. (Ab)schreiber der Fassungen hatten offenbar keine Scheu, Teile auszulassen oder auch zu ergänzen. Ein besonders eindrückliches Beispiel für diese Form von Geschichtskompilation ist eine Weltchronik, die Heinrich von München zugeschrieben wird. 18 vollständige Handschriften sind überliefert. Auch die ‚Arolser Weltchronik‘ gehört zwar zum Chronikkomplex des Heinrich von München, weicht aber inhaltlich wie in ihrer Ausstattung in vielem ab. Indem man das große Werk in Auftrag gab und kostbar ausstattete, gliederte man sich gleichsam in die Heilsgeschichte ein, die in dem Buch erzählt wird. Die Herren von Waldeck dürften auch daran gedacht haben, als sie um 1400 diese Prachtausgabe der Weltchronik Heinrichs von München herstellen ließen. Die ‚Arolser Weltchronik‘ wurde mit 220 kolorierten Federzeichnungen versehen. Bis 1927 war sie ein Prestigeobjekt der fürstlichen Bibliothek. Erst als die Fürsten während der Weltwirtschaftskrise dringend Geld benötigten, wurde sie an die Staatsbibliothek von Berlin verkauft. Ziel des Projektseminars ist es, in 2 Semestern ein Konzept für eine 2015 geplante Ausstellung zu erarbeiten, in dem die großformatige Prachthandschrift im Mittelpunkt steht, ergänzt um Bestände der Fürstlich Waldeckischen Hofbibliothek (FWHB), den Quellen der Chronik und anderen Weltchroniken. Einerseits soll dabei die künstlerische wie gattungsspezifische Bedeutung der ‚Arolser Weltchronik‘ sichtbar gemacht, andererseits die FWHB als ihr ursprüngliches Umfeld vorgestellt werden. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen erhalten einerseits Einblick in die wissenschaftlichen Arbeitsweisen im Umgang mit dieser besonderen Art der Text- und Bildquelle, andererseits in die Prozesse, die erforderlich sind, um das erworbene Wissen adäquat zu präsentieren und vermitteln. Die Teilnahme an beiden Seminaren kann zu einer Aufnahme der Kurzfassung der jeweiligen Seminararbeiten in den Ausstellungskatalog des Museums in Arolsen führen. Ein Semesterapparat wird sowohl in der BB 2 wie in der BB 8 eingerichtet. Ein 2013 erschienenes Teilfaksimile der Handschrift, ist dort ebenfalls verfügbar. Vorläufiger Seminarplan: Termine Informationen zur Fürstlich Waldeckischen Hofbibliothek (FWHB) und zum Bestand: http://dtm.bbaw.de/Waldeck/startseite-hofbibliothek.htm http://fwhb.uni-kassel.de/ http://www.uni-kassel.de/projekte/fuerstenbibliothek-arolsen/startseite.html Claudia Brinker-von der Heyde, J. Wolf (Hgg.): Repräsentation - Wissen - Öffentlichkeit. Bibliotheken zwischen Barock und Aufklärung, Kassel 2011 Claudia Brinker-von der Heyde: Alexander der Große in der Fürstenbibliothek Arolsen. Formen des Transfers und der Transformation von Räumen und Kulturen in Wort und Bild. In: I. Baumgärtner, P. Klumbies, F. Sick (Hgg.): Raumkonzepte. Disziplinäre Zugänge. Göttingen 2009. S. 273-296. Claudia Brinker-von der Heyde: Die große Welt im kleinen Arolser Fürstenstaat oder: Wie Bücher Kulturräume schaffen! In: Geschichtsblätter für Waldeck 97 (2009), S. 15-31. Claudia Brinker-von der Heyde: Alexander der Große: antiker Weltherrscher in mittelalterlichem und frühneuzeitlichem Gewand in Arolsen. In: Antikes Leben, 2009, S. 75-88. Claudia Brinker-von der Heyde, Annekatrin Inder, Isabelle Vogel, Jürgen Wolf (Hgg.): Frühneuzeitliche Bibliotheken als Zentren des europäischen Kulturtransfers. Berlin 2014. Hartmut Broszinski, Birgit Kümmel und Jürgen Wolf (Hgg): AntikeS Leben. Ideal und Wirklichkeit in Hofbibliothek und Kunstsammlungen der Fürsten von Waldeck und Pyrmont. Petersberg: Imhof 2009. Susann Enß: Kindsmord in Waldeck. Die Verordnung -Zur Verhütung des Kinder-Mords- aus dem Jahre 1780. In: Waldeckischer Landeskalender. Verbunden mit dem Verz. der Behörden und Organisationen im Kreis Waldeck-Frankenberg 283. Jahrgang (2010), S. 112-126. (auch online abrufbar:http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hebis:34-2010031032252). Cristina Fossaluzza: Arolsen: ein -Europa im Kleinen-. Die Hofbibliothek als -Kultur- und Wissensraum- vom 16. bis zum frühen 19. Jahrhundert. In: Waldeckischer Landeskalender. Verbunden mit dem Verz. der Behörden und Organisationen im Kreis Waldeck-Frankenberg 283. Jahrgang (2010), S. 127-132. (auch online abrufbar:http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hebis:34-2010030432157). Cristina Fossaluzza: Francesco Andreinis Capitan Schröck in der Fürstenbibliothek Arolsen. Eine neue Quelle zum europäischen Kulturtransfer in der Hofgesellschaft und zur Rezeption der Commedia dell’arte in Deutschland. In: A. Gardt, M. Schnyder, J. Wolf (Hgg.): Buchkultur und Wissensvermittlung in Mittelalter und Früher Neuzeit, Berlin, Boston, New York 2011 (erscheint Okt. 2011), S. 131-146. Thomas Künzl: Kriegstagebücher, Schlachtenbilder und Militärkarten. Die Militaria-Bestände der Fürstlich Waldeckschen Hofbibliothek. In: Waldeckischer Landeskalender. Verbunden mit dem Verz. der Behörden und Organisationen im Kreis Waldeck-Frankenberg 284. Jahrgang (2010), S. 132-140. (auch online abrufbar:http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hebis:34-2010120135009). Isabelle Vogel: Gesichter der Gesellschaft. Die -Klebebände- der Fürstlich Waldeckschen Hofbibliothek in Arolsen. In: Waldeckischer Landeskalender. Verbunden mit dem Verz. der Behörden und Organisationen im Kreis Waldeck-Frankenberg 283. Jahrgang (2010), S. 133-140. (auch online abrufbar:http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hebis:34-2010030432144). Isabelle Vogel: Sammlungsobjekte zwischen Bild und Buch. Die Klebebände in der Fürstlich Waldeckschen Hofbibliothek in Arolsen. In: A. Gardt, M. Schnyder, J. Wolf (Hgg.): Buchkultur und Wissensvermittlung in Mittelalter und Früher Neuzeit, Berlin, Boston, New York 2011 (erscheint Okt. 2011), S. 23-40. Jürgen Wolf: Buchdruckkunst in Mengeringhausen. Von den Anfängen bis zum Großbrand 1854. In: Freischießen 2007. 500 Jahre Schützengesellschaft Mengeringhausen, Mengeringhausen 2007, S. 286-298.(auch online abrufbar:http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hebis:34-2010051032867). Jürgen Wolf: Die Suche nach 'edlem Altertum'. Auf den Spuren von Johann Wolfgang von Goethe und Prinz Christian von Waldeck. In: Waldeckischer Landeskalender. Verbunden mit dem Verz. der Behörden und Organisationen im Kreis Waldeck-Frankenberg 282 (2009), S. 123-131. (auch online abrufbar:http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hebis:34-2010050532800). Jürgen Wolf: Die Antike als historische Gegenwart in Geschichtswerken der Hofbibliothek aus dem 13.-19. Jahrhundert. In: Antikes Leben, 2009, S. 25-40. Eine aktuelle Forschungsbibliographie zur Gattung Weltchronik im Allgemeinen und zur ‚Arolser Weltchronik‘ im Besonderen findet sich in: Claudia Brinker-von der Heyde / Jürgen Wolf (Hgg.): Die Arolser Weltchronik. Ein monumentales Geschichtswerk des Mittelalters. Darmstadt 2013. Bemerkung LitWiss Voraussetzungen Bereitschaft, aktiv an der Konzeption und Gestaltung einer Ausstellung mitzuarbeiten Leistungsnachweis entsprechend den Vorgaben im Modulhandbuch Lerninhalte Zunächst Erwerb von Grundlagenwissen zu mittelalterlichen, bebilderten Weltchroniken. Dann aber Erarbeitung eines Konzepts für eine Ausstellung, in der akademisches Wissen einer breiten Öffentlichkeit anschaulich und verständlich vorgestellt wird. Zielgruppe Studierende, die daran interessiert sind, das Gelernte auch auf seine Anwendbarkeit für die Gesellschaft zu überprüfen. FB 02 Institut für Germanistik Bereitschaft, aktiv an der Konzeption und Gestaltung einer Ausstellung mitzuarbeiten entsprechend den Vorgaben im Modulhandbuch Uni Kassel SoSe 2014 Germanistik/Deutsch Germanistik/Deutsch Prof. Dr. Brinker von der Heyde Claudia