Uni-München
17. Juli 2017Hauptseminar Dimensionen sprachlicher Wohlgeformtheit Akzeptabilität und Grammatikalität
Schon seit längerem spielen Beurteilungen von MuttersprachlerInnen zur Wohlgeformtheit grammatischer Strukturen eine tragende Rolle in der Sprachwissenschaft. Anders als etwa Korpusdaten liefern sie auch negative Evidenz, d.h. Informationen über grundsätzlich ausgeschlossene Strukturen (z.B. *neue Haus das). Allerdings sind auch solche...
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Jetzt Lernplan erstellenSchon seit längerem spielen Beurteilungen von MuttersprachlerInnen zur Wohlgeformtheit grammatischer Strukturen eine tragende Rolle in der Sprachwissenschaft. Anders als etwa Korpusdaten liefern sie auch negative Evidenz, d.h. Informationen über grundsätzlich ausgeschlossene Strukturen (z.B. *neue Haus das).
Allerdings sind auch solche Beurteilungen nicht frei von Problemen, denn es gibt sprachliche Strukturen, die aus Verarbeitungsgründen als nicht akzeptabel beurteilt werden, obwohl sie keine bekannten grammatischen Regeln verletzen:
Die den den das Kind fütternden Linguisten beobachtenden Semantiker analysierenden Syntaktiker abhörende Phonetikerin.
Umgekehrt kann es auch zu so genannten -grammatischen Illusionen- (Haider 2011) kommen – Strukturen, die gut klingen, obwohl sie eindeutig gegen gut abgesicherte syntaktische oder semantische Beschränkungen verstoßen:
Mehr Leute als ich haben Wien besucht. (Beispiel nach M. Montalbetti)
Zu allem Überfluss finden sich sprachliche Muster, bei denen es eine so große Schwankungsbreite in der Beurteilung gibt, dass sich keine -akzeptabelste- Variante feststellen lässt. Das können Sie feststellen, wenn Sie versuchen, den unten angeführten dass-Satz als einen entsprechenden Infinitivsatz umzuformulieren:
Ich hoffe, dass ich Ihnen damit habe helfen können
Ich hoffe, Ihnen damit {helfen, können, haben, zu}
Gleiches gilt für die grammatische Kongruenz im folgenden Satz:
Es war (entweder) Klaus oder Maria, {die/der} geplappert {hat/haben}.
Vor diesem Hintergrund geht es im Seminar um die folgenden Themenbereiche:
• Wissenschaftstheoretische Aspekte: Was sind überhaupt -Daten- in der Linguistik? Welche Rolle spielen sie bei der Überprüfung bzw. Modifizierung theoretischer Modelle/Hypothesen.
• Psycho- und neurolinguistische Aspekte: Welche Verarbeitungseffekte zeigen nicht-wohlgeformte Strukturen? Welche Aufschlüsse geben sie über die zugrundeliegenden mentalen Prozesse?
• Gradienz: Wie fein skaliert sind muttersprachliche Beurteilungen? Ist lediglich Akzeptabiltät ein graduelles Phänomen, während die Grammatik(theorie) binäre Kategorien annimmt?
Literatur
Haider, Hubert (2011): Grammatische Illusionen – lokal wohlgeformt – global deviant. In: Zeitschrift fur Sprachwissenschaft 30, 223–257.
Schütze, Carson (2016): The empirical base of linguistics. Grammaticality judgements and linguistic methodology. (Classics in Linguistics; 2). Berlin: Language Science Press. Online zu finden unter: http://langsci-press.org/catalog/book/89 [zuletzt besucht am 16.06.16].
Haider, Hubert (2011): Grammatische Illusionen – lokal wohlgeformt – global deviant. In: Zeitschrift fur Sprachwissenschaft 30, 223–257.
Schütze, Carson (2016): The empirical base of linguistics. Grammaticality judgements and linguistic methodology. (Classics in Linguistics; 2). Berlin: Language Science Press. Online zu finden unter: http://langsci-press.org/catalog/book/89 [zuletzt besucht am 16.06.16].
Leistungsnachweis
Grundsätzlich gilt für alle Studiengänge:
Wenn es alternative Prüfungsformen gibt, dann liegt die Wahl der Prüfungsform bei dem/der Prüfenden.
B.A.-Hauptfach Germanistik:
Hausarbeit (ca. 40.000 Zeichen). Die Prüfung wird benotet.
Alle Lehrämter Deutsch (modularisiert) inklusive MA Berufliche Bildung (TUM) und MA Wipäd:
Hausarbeit (30.000-40.000 Zeichen). Die Prüfung wird benotet.
M.A. Germanistische Linguistik:
Forschungsorientierte Seminararbeit (ca. 45.000 Zeichen). Die Prüfung wird benotet.
Masterübung -Wissenschaftstheorie-:
Klausur 45 Min. oder Thesenpapier 3000 - 4000 Zeichen. Die Prüfung wird mit bestanden / nicht bestanden bewertet.
Im Rahmen des Profilbereichs in Masterstudiengängen (vorläufig, weil Satzung noch nicht rechtskräftig):
Forschungsorientierte Seminararbeit (ca. 45.000 Zeichen)
Wichtig:
Für alle Studiengänge gilt: Rechtsverbindlich ist nur die jeweilige Prüfungs- und Studienordnung in der jeweils aktuell gültigen Fassung.
Weber, Thilo
Grundsätzlich gilt für alle Studiengänge:
Wenn es alternative Prüfungsformen gibt, dann liegt die Wahl der Prüfungsform bei dem/der Prüfenden.
B.A.-Hauptfach Germanistik:
Hausarbeit (ca. 40.000 Zeichen). Die Prüfung wird benotet.
Alle Lehrämter Deutsch (modularisiert) inklusive MA Berufliche Bildung (TUM) und MA Wipäd:
Hausarbeit (30.000-40.000 Zeichen). Die Prüfung wird benotet.
M.A. Germanistische Linguistik:
Forschungsorientierte Seminararbeit (ca. 45.000 Zeichen). Die Prüfung wird benotet.
Masterübung -Wissenschaftstheorie-:
Klausur 45 Min. oder Thesenpapier 3000 - 4000 Zeichen. Die Prüfung wird mit bestanden / nicht bestanden bewertet.
Im Rahmen des Profilbereichs in Masterstudiengängen (vorläufig, weil Satzung noch nicht rechtskräftig):
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WiSe 1617
Juniorprofessor
Schallert Oliver Juniorprofessor