Uni-Düsseldorf
17. Juli 2017Seminar Última Tule o Continente enfermo La construcción de Latinoamérica en textos ensayísticos y narrativos de los siglos XIX y XX
Schon während der Eroberung durch die Spanier erhielt Lateinamerika in den Schriften vieler Autoren Züge einer Utopie. Diese fortschrittsoptimistische Tendenz verstärkte sich während des 19. Jahrhunderts nach der Unabhängigkeit. Zugleich aber wiesen Kulturphilosophen, Schriftsteller und Politiker auf ethnische, kulturelle und...
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Jetzt Lernplan erstellenSchon während der Eroberung durch die Spanier erhielt Lateinamerika in den Schriften vieler Autoren Züge einer Utopie. Diese fortschrittsoptimistische Tendenz verstärkte sich während des 19. Jahrhunderts nach der Unabhängigkeit. Zugleich aber wiesen Kulturphilosophen, Schriftsteller und Politiker auf ethnische, kulturelle und ökonomische Probleme des Kontinents hin, die zu einer pessimistischen Selbstwahrnehmung und einer skeptischen Grundhaltung hinsichtlich der lateinamerikanischen Entwicklungsoptionen führten. Verbunden mit der Ausprägung des Positivismus, des Indigenismus und des Magischen Realismus wurden im 19. und 20. Jahrhundert viele literarische Werke und Essays von jeweils spezifischen Fortschrittsideen geprägt. Während der Positivismus noch sehr vom europäischen Überlegenheitsdenken beeinflusst war, versuchte der Indigenismus eine Aufwertung des ser latinoamericano herbeizuführen. Aber auch hier ist trotz antikolonialer Denkansätze ein verdeckter Rückfall in neokoloniale Wahrnehmungsmuster nachzuweisen. Speziell in Mexiko gab die Revolution von 1910 neue Impulse, das Land als Utopie zu stilisieren, die für den ganzen Kontinent Vorbildcharakter haben sollte. Der Magische Realismus und die Literatur des Boom entwickelten schließlich in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ein Lateinamerikabild, das als exotistischer Gegenentwurf zum europäischen Rationalismus die kulturkritischen oder eskapistischen Bedürfnisse vieler Leser befriedigte. Die Arbeit an ausgewählten Texten wird sich an folgenden antithetischen Problem- und Begriffsfeldern odientieren: civilización / barbarie; Europa / Lateinamerika; Stadt / Land; Eigenes / Fremdes; Männliches / Weibliches. Angesprochen werden auch folgende Themenbereiche: Interkulturalität, Identität, mestizaje, Rassismus, blanqueamiento, Exotismus.
Vorgeschlagen wird die Behandlung der folgenden Werke (ggf. als Auswahl):
a) Essayistik
• Domingo Facundo Sarmiento, Facundo. Civilización y barbarie (1845)
• César Zumeta, El continente enfermo (1899)
• José Rodó, Ariel (1900)
• Alcides Arguedas, Pueblo enfermo (1909)
• Carlos Octavio Bunge, Nuestra América (1918)
• Alfonso Reyes, Visión de Anáhuac (1917); ders. Última Tule (1942)
• José Vasconcelos, La raza cósmica (1925)
• Samuel Ramos, Perfil del hombre y la cultura en México (1934)
• Alejo Carpentier, De lo real maravilloso americano (1967)
b) Narrativik
• José Eustasio Rivera, La vorágine
• Rómulo Gallegos, Canaima
• Clorinda Matto de Turner, Aves sin nido
• Rosario Castellanos, Balún Canán
• Alejo Carpentier, Los pasos perdidos
• Mario Vargas Llosa, El hablador
Studierende, die eine AP anstreben, müssen im Rahmen einer Studienarbeit (mdl. Präsentation und schriftliche Ausarbeitung) einen der genannten narrativen Texte unter mindestens einem der oben angeführten inhaltlichen Schwerpunkte analysieren.
Aronna, Michael, -Pueblos enfermos-: the discourse of illness in the turn-of-the-Century Spanish and Latin American essay. Chapel Hill 1999.
Berg, Walter Bruno, Lateinamerika. Literatur. Geschichte. Kultur. Eine Einführung. Darmstadt 1995.
Ballmaier, Priska, -Rosario Castellanos - Die doppelte Perspektive. Ethnische und sexuelle Repression aus dem Blickwinkel der Doninanzkultur-, in: Leinen, Frank (Hg.), Literarische Begegnungen. Romanistische Studien zur kulturellen Identität, Differenz und Alterität. Berlin 2002, S. 85-110.
Cowie, Lacelot, El indio en la narrativa contemporánea de México y Guatemala. México 1976.
Janik, Dieter, Magische Wirklichkeitsauffassung im lateinamerikanischen Roman des 20. Jahrhunderts. Tübingen 1976.
Lang, Sabine, -'América es sueño' oder Die Geschichte einer Utopie: Zur Frage des Geschichtlichen Bewusstseins bei Alfonso Reyes. Visión de Anáhuac und Última Tule-, in: Iberoamericana 15, 2/3 (1991), S. 28-53.
Leinen, Frank, Visionen eines neuen Mexiko. Das aus dem Ateneo de la Juventud hervorgegangene Kulturmodell im Kontext der mexikanischen Selbstsuche. Eine identitätstheoretische Analyse. Frankfurt/M. 2000.
Matzat, Wolfgang, Lateinamerikanische Identitätsentwürfe. Essayistische Reflexion und narrative Inszenierung. Tübingen 1996.
Mayer, Alicia (et al.), La utopía en América. México 1991.
Rössner, Michael, Auf der Suche nach dem verlorenen Paradies. Zum mythischen Bewusstsein in der Literartur des 20. Jahrhunderts. Frankfurt/M. 1988.
Ders., -'La Fable du Mexique' oder vom Zusammenbruch der Utopien. Über die Konfrontation europäischer Paradiesprojektionen mit dem Selbstverständnis des 'indigenen' Mexiko in den 20er und 30er Jahren-, in: Karl Hölz (Hg.), Literarische Vermittlungen: Geschichte und Identität in der mexikanischen Literatur. Tübingen 1988, S. 47-60.
Schütz, Katharina von, Indio und Konquistador in der hispanoamerikanischen nueva novela histórica (1978-1999). Frankfurt/M. 2003.
Leistungsnachweis
AP nach Studienarbeit (Präsentation und schriftliche Ausarbeitung).
Romanistik Kulturkont. u. Komm. (Master, PO 2011)
AP nach Studienarbeit (Präsentation und schriftliche Ausarbeitung).
Universität Düsseldorf
WiSe 2015/16
Univ.-Prof. Dr.
Leinen Frank