Uni-Kassel
14. März 2017Hauptseminar Erzählte Kindheit
Vom Krabbeln zum Laufen, vom Stammeln zum Sprechen, vom Milchzahn zum Weißheitszahn, vom Ich zum Über-Ich, vom Jetzt zur Erinnerung: Eine Reihe von Dichotomien, die sich in Bezug auf den Übergang vom Kind zum Erwachsenen beliebig fortsetzen ließe. Verbunden ist...
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Jetzt Lernplan erstellenVom Krabbeln zum Laufen, vom Stammeln zum Sprechen, vom Milchzahn zum Weißheitszahn, vom Ich zum Über-Ich, vom Jetzt zur Erinnerung: Eine Reihe von Dichotomien, die sich in Bezug auf den Übergang vom Kind zum Erwachsenen beliebig fortsetzen ließe. Verbunden ist damit immer die Vorstellung, dass es eindeutige biologische Merkmale gebe, die diesen Übergang an bestimmten Stellen zäsurieren. Dem gegenüber haben wir aber alle ein Wissen von der kulturellen Konstruktion jener Altersübergänge, die den (vermutlich) existierenden biologischen Konstanten innerhalb einer Gesellschaft Sinn und Form geben. Der Diskurs darüber, wann wir einen Menschen als Baby, Kleinkind, Kind, Adoleszenten, Erwachsenen bezeichnen und welche gesellschaftlichen Rollen damit verbunden sind, können wir beispielsweise täglich in medial transportierten Debatten über Kindersoldaten, Einschulungsalter oder Rechtsmündigkeit von Kindern mitverfolgen.
Ein zentrales und wirkungsmächtiges Feld kultureller Konstruktion und Selbstvergewisserung ist die Kunst, im Falle dieses Seminars in erster Linie die Dichtkunst und Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Ausgehend von dem frühesten Zeugnis, dem -Hildebrandslied- (9. Jh.), werden wir zunächst an ausgewählten Beispiel aus mittelhochdeutschen Romanen die literatur- und sozialgeschichtlichen Rahmenbedingungen kennenlernen, unter denen ein Erzählen von Kindheit im deutschsprachigen Mittelalter möglich war. Der nächste Schritt führt von einer vertieften Analyse ausgewählter literarischer Texte des Hochmittelalters zu einer Auseinandersetzung mit einem frühneuzeitlichen Prosaroman Jörg Wickrams. Ganz am Ende des Seminars steht dann der Versuch eines Brückenschlags in die Neuzeit mit der gemeinsamen Lektüre von Henry James' -What Maisie Knew- und/oder Thomas Manns -Buddenbrooks-. Vorschläge von Studierenden, uns an dieser Stelle einen sie aktuell beschäftigenden Roman der Gegenwartsliteratur vorzustellen und in den bis dahin erarbeiteten literaturgeschichtlichen Kontext erzählter Kindheit einzuordnen, sind sehr willkommen.
Wir lesen neben dem -Hildebrandslied- (steht als PDF zur Verfügung) große Teile des -Parzival- und des -Tristan- (es empfiehlt sich hier die Anschaffung einer zweisprachigen Ausgabe), sowie Konrads von Fussesbrunnen -Kindheit Jesu- und Jörg Wickrams -Godfaden- in Gänze (werden beide als PDF zur Verfügung stehen). Daneben werden in Form eines auf Blackboard eingestellten Readers kurze Textauszüge aus verschiedenen literarischen Texten des Hoch- und Spätmittelalters bereitgestellt.
Zur ersten Einführung : Schultz, James A.: No girls, no boys, no families . On the construction of
childhood in texts of the German Middle Ages. In: Journal of English and
Germanic philology 94 (1995), S. 59-81.
Bemerkung
LitWiss HS
Voraussetzungen
Wie aus dem Kommentar und aus den Literaturhinweisen sicher deutlich hervorgeht, ist die Bereitschaft zur intensiven und auch zeitintensiven Lektüre von mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Literatur, die zum Teil nicht in neuhochdeutscher Übersetzung vorliegt, die wichtigste Voraussetzung, um mit Spaß und Erfolg an diesem Seminar teilnehmen zu können. Bereits vertieftes Wissen in Sachen mittelalterlicher Kultur und Literatur ist natürlich sehr von Vorteil, kann aber auch seminarbegleitend wieder 'aufgefrischt' werden.
Leistungsnachweis
- Regelmäßige Teilnahme und aktive Mitarbeit
-
FB 02 Institut für Germanistik
Wie aus dem Kommentar und aus den Literaturhinweisen sicher deutlich hervorgeht, ist die Bereitschaft zur intensiven und auch zeitintensiven Lektüre von mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Literatur, die zum Teil nicht in neuhochdeutscher Übersetzung vorliegt, die wichtigste Voraussetzung, um mit Spaß und Erfolg an diesem Seminar teilnehmen zu können. Bereits vertieftes Wissen in Sachen mittelalterlicher Kultur und Literatur ist natürlich sehr von Vorteil, kann aber auch seminarbegleitend wieder 'aufgefrischt' werden.
- Regelmäßige Teilnahme und aktive Mitarbeit
-
Uni Kassel
SoSe 2010
Germanistik/Deutsch
Deutsch Zweitfach
Prof. Dr.
Mecklenburg Michael