Uni-Kassel
14. März 2017Hauptseminar Ethik fällt aus Sprache und Moral
Der folgende Ausspruch eines Schülers will als Abschiedsgruß nach Schulschluss verstanden werden. -Happy Holocaust, du Opfer- -Einfach so- dahergesagt, mit einem ironischen Blick begleitet und an einen gleichaltrigen Mitschüler gerichtet. Ein Deutschunterricht, der zu einem reflektierten verantwortlichen Gebrauch der Sprache...
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Jetzt Lernplan erstellenDer folgende Ausspruch eines Schülers will als Abschiedsgruß nach Schulschluss verstanden werden.
-Happy Holocaust, du Opfer-
-Einfach so- dahergesagt, mit einem ironischen Blick begleitet und an einen gleichaltrigen Mitschüler gerichtet.
Ein Deutschunterricht, der zu einem reflektierten verantwortlichen Gebrauch der Sprache anregen will, muss sich auch der Frage stellen, inwiefern es Zusammenhänge zwischen Mustern des Sprachgebrauchs und ethischen Grundsätzen geben kann. Gibt es also Sprachmuster bzw. Sprachstile, die als ethisch fragwürdig anzusehen sind, da sie Gewalthandlungen begünstigen, Verführung betreiben oder die Menschenwürde beschädigen? – Oder handelt es sich bei der Empörung über bestimmte Formen des Sprachgebrauchs nur um bildungsbürgerliche Rückzugsgefechte einer älteren Generation, die den Wortwitz, die Offenheit und die medialen Konventionen jüngerer Generationen nicht verstehen?
Das Seminar versucht die Frage der Sprachnormen auch auf den ethischen Bereich zu beziehen, um Thesen zum Zusammenhang zwischen Formen der Sprachverwendung einerseits und den Routinen des sozialen Zusammenlebens andererseits zu formulieren. Indem der Deutschunterricht solche Themen aufgreift, kann er dazu beitragen, dass sich bei Schülerinnen und Schülern über die Einzelstunde hinaus Haltungen der Sprachaufmerksamkeit und der Sprachbewusstheit entwickeln.
Die Einsicht, dass ein solches Ziel eine besondere didaktische Herausforderung birgt, ergibt sich aus der eigenen Erinnerung an die Folgenlosigkeit -moralindurchsäuerter- Unterrichtsstunden, die von geheuchelter Betroffenheit geprägt waren, aber keinen Erkenntniswert bargen. Dieses Schreckensszenario bedenkend, sollen die Seminarsitzungen jenseits der Zeigefingerpädagogik Anregungen für einen offenen und erkenntnisreichen Umgang mit Fragen der Sprachmoral vermitteln. Folgende Themenbereiche sind vorgesehen:
• Sprache im totalitären Kontext
• Medienberichterstattung und Menschenwürde
• Sprachliche Muster der Gewaltdarstellung und der Gewaltlegitimierung im Kontext von Unterhaltungsmedien
Brigitte Felderer; Thomas Macho (Hrsg.): Höflichkeit. Aktualität und Genese von Umgangsformen. München 2002
Anne Betten; Richard Schrodt; Andreas Weiss (Hrsg.): Neue Sprachmoral?
FB 02 Institut für Germanistik
Uni Kassel
WiSe 2012/13
Germanistik/Deutsch
Dr.
Müller Christoph