Uni-Kassel
14. März 2017Hauptseminar Feministische Ethik
Die Natur hat Frauenzimmer so geschaffen, daß sie nicht nach Prinzipien, sondern nach Empfindung handeln sollen. (Georg Christoph Lichtenberg) Bereits im 18. Jahrhundert haben Denkerinnen wie Mary Wollstonecraft die Frage aufgeworfen, inwiefern die unterschiedlichen Zuschreibungen, die Frauen in Schriften zur...
Erstelle deinen persönlichen Lernplan
Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.
Jetzt Lernplan erstellenDie Natur hat Frauenzimmer so geschaffen, daß sie nicht nach Prinzipien, sondern nach Empfindung handeln sollen. (Georg Christoph Lichtenberg)
Bereits im 18. Jahrhundert haben Denkerinnen wie Mary Wollstonecraft die Frage aufgeworfen, inwiefern die unterschiedlichen Zuschreibungen, die Frauen in Schriften zur Ethik erfahren (haben), sozial konstruiert oder natürlich fundiert sind. Gleichzeitig haben sie sich gefragt, inwiefern ethische Fragen zum persönlichen Nahbereich, so im Bereich der häuslichen Erziehung von Kindern, der in vielen Gesellschaften bis heute meist weiblich besetzt ist, in Moralen unterrepräsentiert sind. Eingebunden waren diese Fragen historisch meist in einen größeren gesellschaftspolitisch-emanzipatorischen Zusammenhang, wobei Fragen zur Emanzipation von Frauen heute nicht mehr zum Kernbereich feministischer Ethik gehören.
Philosophinnen in diesem Teilbereich der Ethik beschäftigen sich heute zum einen weiterhin mit der Analyse und Kritik verschiedener moralphilosophischer Positionen. So finden sich bei ihnen häufig Positionen, die ausgehend von Vorstellungen zu einem guten Leben den Gerechtigkeitsfokus aktueller normativer Ethiken kritisieren. Zum anderen gehen sie einem ganzen Bündel von Fragen nach, die sich damit beschäftigen, ob es eine spezifische Ethik der Fürsorge (ethics of care) braucht, die gegenüber den klassischen universalistischen Ethiken die Kontextgebundenheit und emotionale Fundierung der Moral betont und wie diese aussehen kann. Des weiteren finden sich prominente Stimmen feministischer Denker_innen im Bereich der angewandten Ethik, so zum Beispiel in der medizinethischen Debatte um Abtreibung oder um die Legalisierung der Prostitution.
Zuerst werden wir einige klassische Positionen (Wollstonecraft, de Beauvoir, Butler) diskutieren, anschließend werden wir uns in dem Seminar vor allem mit care ethics und einigen Texten zur angewandten Ethik beschäftigen. Abschließend werden wir der Frage nachgehen, ob es überhaupt eine spezifische feministische Ethik braucht.
Literatur:
Ein Reader mit den entsprechenden Texten wird zu Beginn des Seminars zur Verfügung gestellt. Ein Teil der zu besprechenden Texte ist in englischer Sprache verfasst.
Zur Vorbereitung empfohlen:
Tong, Rosemarie and Williams, Nancy, -Feminist Ethics-, The Stanford Encyclopedia of Philosophy (Fall 2014 Edition), Edward N. Zalta (ed.), URL = .
FB 02 Institut für Philosophie
Uni Kassel
SoSe 2015
Philosophie HF
Philosophie
Dr.
Schnitker Jens